in wirklicher Gefahr. Es war lediglich eine etwas anstrengende Nacht, nichts weiter.“
Rod lie? sich an dem unter der Fruhstuckslast fast zusammenbrechenden Tisch nieder, aber verglichen mit dem, was der gro?e Tom verschlang, nahm er eine Hungerration zu sich. Viel des Aufgetischten war Rod vertraut: Eier, Omeletten und Schinken. Die Pfannkuchen hatten allerdings einen etwas fremdartigen Geschmack, das kam sicher vom Mehl, denn gewohnlich veranderten die sich ursprunglich von Terra stammenden Getreidesorten auf anderen Planeten. Auch Geflugel mutierte, und es kam zu Kreuzungen mit einheimischen Arten, Schweine dagegen blieben Schweine, sie gediehen uberall prachtig und waren noch haufiger zu finden als Hunde. Das Essen war gut vertraglich und sicher nahrhaft, denn allzusehr konnte der menschliche Metabolismus sich bestimmt nicht
verandern. Aber mit Spurenelementen war es eine andere Sache. Vorsichtshalber schluckte Rod eine Pille.
Tom bemerkte es. „Was war das, Herr?“ erkundigte er sich.
Rod zwang sich zu einem Lacheln. „Nur ein kleiner Zauber.
Mach dir deshalb keine Gedanken, Tom.“
Tom starrte ihn an, dann murmelte er ein schnelles Gebet und sturzte sich uber seine Omelette, ehe er mit vollem Mund kauend fragte: „Und was beabsichtigt Ihr heute zu unternehmen, guter Herr?“
„Ich werde der Burg einen Besuch abstatten. Wir wollen sehen, ob die Konigin an einem neuen Soldaten interessiert ist.“
Tom protestierte: „Soldat der Konigin! Nein, Herr, das ist kein Beruf fur einen ehrlichen Mann!“
Rod hob eine Braue. „Willst du damit andeuten, da? einer von uns beiden ehrlich ist?“
Der Wirt hatte einen grauen Wallach, den Rod fur Tom erstand. Und so ritten sie nebeneinander zu der Burg hoch.
„Halt!“ brullte der Posten an der Zugbrucke. „Gebt Euer Begehr kund!“
„Mein Name ist Rod Gallowglass…“
„Ihr vergeudet Eure Zeit“, unterbrach die Wache ihn. „Die Konigin hat bereits einen Hofnarren.“
„Wenn ich dich so anschaue“, brummte Rod, „wurde ich sagen, sie hat mehr als einen.“ Laut erklarte er: „Ich bin Soldner, genau wie mein Knappe. Ruf einen Hauptmann, damit er uns aufnimmt.“
Der Posten starrte ihn finster an. „Soldat der Konigin zu werden, ist nicht so einfach, wie Ihr zu glauben scheint. Auch deucht Ihr mir ein schlechter Soldat zu sein, wenn Ihr nicht einmal Euer Pferd anbindet.“
Rod der abgesessen war, warf ihm ein spottisches Lacheln zu und rief: „Gekab, vier Schritte zuruck, einen halben nach links, dann vorwarts vier und einen halben, und dann bleib stehen, bis ich dich rufe.“
Der Posten ri? den Mund weit auf, und die Augen quollen ihm aus den Hohlen, als Gekab den Befehl auf den Buchstaben genau ausfuhrte.
„Du siehst, ich bin ein guter Soldat, und mein Pferd gehorcht mir aufs Wort. Es ist besser, es nicht anzubinden, weil es so jederzeit zu mir kommen kann, wenn ich es brauche.“ Seine Rechte scho? in einem Scheinangriff vor. Der Soldat wich erschrocken zuruck, als Rods Bein ausholte und ihn hinter dem Fu?gelenk traf. Klirrend ging der Posten in seiner Rustung zu Boden. Rod entri? ihm die Lanze und warf sie unter das Fallgitter.
Tom trommelte begeistert mit den Fausten auf den Rucken seines klapprigen Gauls, wahrend der Soldat verzweifelt: „Zu Hilfe!“ brullte.
Drei Wachen kamen herbeigesturzt. Der Unteroffizier blickte fragend von Rod auf den Posten und runzelte die Stirn. „Hilfe!
Wozu?“ erkundigte er sich barsch.
Der Posten deutete auf Rod. „Dieser Mann brachte mich zu Fall und nahm mir die Lanze fort!“
„Damit wurde ich nicht prahlen“, murmelte Rod. Tom schuttelte sich vor Lachen.
„Ist das wahr, Mann?“ Der Unteroffizier funkelte Rod an.
„Es ist wahr“, versicherte ihm Rod.
„Nun denn!“ Der Unteroffizier stemmte die Hande an die Huften.
„Nun denn was?“ erkundigte sich Rod und hob eine Braue.
Rods Haltung schien den Unteroffizier zu verwirren. „Nun denn, was war Euer Grund?“
„Ich mochte in die Armee der Konigin eintreten, und dieser Bursche verlangte, da? ich erst zeige, was in mir steckt.“
Der Unteroffizier blickte von dem verblufften Posten auf Rod und nickte. „Ihr sollt Eure Chance bekommen.“ Die „Chance“
bestand aus einem mit Breitschwert und Schild bewaffneten Sergeanten.
„Wollt Ihr Euch nicht einen Schild nehmen, Mann?“ brummte der alte Ritter, der der Hauptmann der Garde war.
„Nein, danke.“
„Nun, so kreuzt eure Waffen.“ Sir Maris seufzte. Rod und der Sergeant taten es. Sir Maris hinkte herbei und brachte sein eigenes Breitschwert hoch, um ihre Klingen zu trennen.
Das Schwert des Sergeanten schwang zu einem vollen Bogen aus. Rod nutzte die Verzogerung, um einen Scheinangriff auf des Sergeanten Bauch vorzutauschen. Sofort sauste der Schild zur Abwehr herab, und Rods Rapier scho? uber den Arm des Sergeanten hinweg und schlitzte das Wams uber dem Herzen auf.
„Halt!“ schrie Sir Maris, und das Breitschwert des Sergeanten hielt mitten im Schwung an. Er lie? den Schild fallen und fragte verwirrt: „Was ist denn passiert?“
„Hatte dieser Gallowglass nicht nur zum Sport gekampft, dann warst du jetzt ein toter Mann, Sergeant Hapweed.“ Mit gerunzelter Stirn starrte Sir Maris Rod an. „Wer wurde auf die Idee kommen, die Degenspitze zu benutzen!“
„Nun, gehen wir es noch einmal an?“ fragte Rod und lie? sein Rapier durch die Luft schwirren.
„Nein“, erklarte Sir Maris. „Es steht fest, da? Ihr mit der Klinge umzugehen versteht.“ Er drehte sich um und griff nach einem Kampfstab. Er warf ihn Rod zu. „Hier, versuchen wir es jetzt damit.“
Rod fing den Stab in der Mitte und steckte das Rapier in die Scheide zuruck. Der Sergeant hieb bereits probehalber mit seinem Stab durch die Luft.
„Fangt an!“ rief Sir Maris.
Und schon setzte der Eichenholzhagel auf Rod ein, und er hatte seine liebe Not, die Schlage abzuwehren. Er schluckte, als ihm klar wurde, da? er selbst uberhaupt nicht zum Angriff kam. Er blockierte einen Hieb gegen sein Schienbein, fing den Schlag auf seinen Kopf ab, und schwang das untere Ende des Stabes,
um den Angriff auf seinen Bauch abzuwehren — aber er kam nicht, er war nur eine Finte gewesen. Verzweifelt bemuhte er sich, seinen Kopf noch rechtzeitig zu schutzen, aber der Sergeant hatte die Offnung genutzt. Aus dem Augenwinkel sah Rod, wie der schwere Eichenstab herbeibrauste. Wie ein Donnerschlag krachte er auf seinen Schadel. Tiefe Nacht senkte sich auf ihn herab, und er sah nur noch Sterne vor seinen Augen funkeln, aber er gab nicht auf. In reinem Reflex wehrte er die Schlage ab, und horte die Zuschauer, die sich inzwischen eingefunden hatten, jubeln.
So geht es nicht, sagte sich Rod. Zwar war er auch im Kampf mit dem Stab ausgebildet worden, hatte ihn jedoch seit mehr als einem Jahr nicht mehr benutzt, wahrend der Sergeant offenbar taglich damit trainierte. Aber noch hatte er eine Chance. Rod sprang zuruck, und seine Hand glitt zur Mitte des Stabes. Er wirbelte ihn wie bei einer Parade. Es war die franzosische Methode, le moulinet.
Sir Maris sperrte die Augen auf. Der Sergeant wich verwirrt zuruck, doch dann sprang auch sein Stab wirbelnd empor. Also war er mit dieser Art des Stabkampfs vertraut, aber glucklicherweise kein Experte. Rod war im Vorteil. Des Sergeanten Stab wirbelte verschwommen, aber fast lautlos. Rods dagegen machte einer Motorsage Konkurrenz. In Wirbelgeschwindigkeit und folge-dessen gro?erer Schlagkraft war er dem Sergeanten weit uberlegen. Und das wu?te auch Hapweed. Seine Nackenmuskeln verkrampften sich, als auch er die Wirbelgeschwindigkeit zu beschleunigen versuchte. Jetzt! Rod sprang vor. Sein Stab durchbrach den Wirbel und schwang in Gegenrichtung zu der des Sergeanten hinab. Die Stabe schlugen mit dem Knall eines Gewehrschusses aufeinander, da? die Heftigkeit fast Rods Zahne zum Klappern brachte. Er fing sich eine halbe Sekunde fruher als der Sergeant und hieb seinen Stab mit zwei schnellen Schlagen auf Hapweeds herab, da? dessen Stab zu Boden fiel.
Benommen starrte der Sergeant auf seine leeren Hande. Rod tupfte mit seinem leicht auf die Schlafe Hapweeds und brummte: „Peng! Du bist tot!“
„Halt!“ rief Sir Maris und machte diesem Kampf somit offiziell ein Ende. „Wollen wir jetzt sehen, wie Ihr mit
