„Aber wie sollten sie das denn fertigbringen? Denn um die

Hexen im Mutterscho? zu toten, mu?ten sie erst zu diesem Scho? kommen — hierher nach Gramayre — um zu versuchen…“

Brom starrte Rod mit Grauen in den Augen an.

„Catherine zu toten“, beendete Rod den Satz fur ihn und nickte finster. „Richtig, Brom. Die Ratgeber und die Fuhrerschaft des Hauses Clovis sind jemandes Ur-ururenkel in der funfzigsten Generation.“

„Aber wie konnte das sein?“ krachzte Brom. „Welcher Mensch kann seine Ahnen besuchen?“

„Sie konnen es. Sie haben ein Ding — eine Zeitmaschine. Eine ist irgendwo im Haus Clovis verborgen, und eine in den alten Gewolben von Burg Loguire.

Also bewacht diese vier Manner in der Konigin Verlies sorgfaltig, Brom. Sie haben vielleicht noch ein paar Uberraschungen im Armel!“

„Du kannst dich darauf verlassen, da? ich das werde!“

„Die Ratgeber sind alle tot.“ Rod lehnte sich mit geschlossenen Augen zuruck. „Das ist eine schone Bilanz fur den Bericht.

Sende ihn heim, Gekab. O ja und dazu erhartende Einzelheiten: eine Beschreibung der Zeitmaschine und die Aufzahlung der Hauptfahigkeiten der Hexen, du wei?t schon, Telekinese, Levitation, Telepor…“

„Ich wei? es selbst, Rod“, unterbrach ihn des Roboters Stimme.

„Ja, sicher, aber du konntest mich auch einmal ausreden lassen.“

Der Raumkrummungstransmitter in Gekabs korbballgro?em Gehirn schickte ein Zweisekundenquieken zu den Sternen.

Eine Weile war alles still, dann murmelte Gwendylon zogernd: „Mylord?“

Rod hob ein Lid und lachelte: „Du solltest mich nicht so nennen, aber es gefallt mir.“

Sie lachelte scheu. „Mylord, Ihr habt Eure Aufgabe hier vollendet…“

Rods Gesicht verdunkelte sich. Er wandte sich ab und starrte finster auf den Boden.

„Wohin wirst du jetzt gehen, Zauberer Rod?“ fragte Brom leise.

„Sei doch still!“ brauste Rod auf.

Wieder wandte er sich ab. „Ich bin kein Zauberer“, knurrte er.

„Ich bin Agent aus einer Welt mit hochentwickelter Technologie, und als solcher verfuge ich uber einen ganzen Sack voll Tricks, die ihr euch hier gar nicht vorstellen konnt, aber sie sind alle naturlichen Ursprungs. Ich verstehe nicht das geringste von Magie und verfuge nicht uber ein Kornchen Zauberkraft.“

Er schaute wieder zum Himmel hoch. „Ich bin kein Zauberer und habe auch nicht die kleinste Begabung dazu, nicht einmal soviel wie eure geringsten Bauern. Und deshalb gehore ich auch nicht hierher.“

Er spurte, wie etwas in ihm zu zerrei?en drohte.

„Ich wahlte dieses Leben“, brummte er., „Ich nehme Befehle entgegen, ja, aber ich tue es aus freiem Willen.“

„Das ist ein Punkt“, brummte Brom, „aber ein schwacher. Ob nun freiwillig oder nicht, du bist nicht Herr uber dich selbst.“

„Stimmt“, gab Rod zu. „Aber einige mussen auf ihre personliche Freiheit verzichten, damit sie ihren Kindern zuteil wird.“ Doch selbst in seinen eigenen Ohren klang es nicht sehr uberzeugend.

Brom seufzte tief. Er schlug sich auf die Schenkel und stand auf. Mit muden, alten Augen blickte er Rod an.

„Wenn du gehen mu?t, dann gehe. Einer Verpflichtung darf man sich nicht entziehen. Geh zu den Sternen, Rod Gallowglass, aber vergi? nicht: wenn du jemals Zuflucht suchst, du wirst sie hier bei uns finden.“

Gwendylon blieb still neben Rod sitzen und umklammerte seine Hand. „Sag mir“, flusterte sie nach einer Weile, „ist es nur dieser eine Traum, der dich von mir fortfuhrt?“

„Ja. O ja.“ Rods Hand verkrampfte sich um ihre. „Du hast, sozusagen, alle anderen Traume ausgeloscht.“

Sie drehte sich mit einem zittrigen Lacheln um. Tranen glanzten an ihren Wimpern. „Darf ich Euch nicht zu den Sternen begleiten, mein guter Lord?“

Fast zerquetschte Rod ihre Hand. Ein Wurgen verschlo? ihm die Kehle. Schlie?lich murmelte er: „Ich wollte, du konntest es, aber du wurdest dort verwelken und sterben wie eine entwurzelte Blume. Du gehorst hierher, wo sie dich brauchen.

Und ich gehore dorthin. So einfach ist es.“

„Nein.“ Sie schuttelte traurig den Kopf. „Ihr geht nicht, weil Ihr dorthin gehort, sondern weil Ihr Euch dazu verpflichtet fuhlt. Aber, mein Lord…“ Sie wandte das Gesicht ab, denn die Tranen begannen nun in Stromen zu flie?en. „Ist meine Liebe nicht so stark wie Euer Traum?“

„Versuch zu verstehen“, sagte er gepre?t. „Ein Mann braucht einen Traum. Das ist der Unterschied zwischen den Menschen und den Tieren — der Traum. Und ein Mann, der seinen Traum verloren hat, ist kein ganzer Mann und deshalb einer Frau nicht wurdig. Wie konnte ich es wagen, dich an mich zu binden, wenn ich kein Mann bin?

Nein, ein Mann mu? sich erst selbst bestatigen, ehe er eine Frau wahlt — und der Traum ist seine Bestatigung. Solange er dafur kampft, hat er ein Recht auf sie, weil er etwas taugt. Ich konnte hierbleiben und sehr glucklich mit dir werden. Aber tief in meinem Herzen wu?te ich, da? ich dich nicht verdiene, weil ich nur eine Drohne bin, ein Mensch mannlichen Geschlechts ohne Nutzen. Wie konnte ich Kinder in die Welt setzen, wenn ich wei?, da? ihre Mutter fur die Welt viel wichtiger ist, als ich es bin?“

„Aber wiegt die Verpflichtung, die Euch Tom auferlegte und die Ihr Horatio Loguire gegenuber habt, von mir gar nicht zu sprechen, nicht die auf, die Ihr den Sternen gegenuber habt?“

Rod richtete sich steif auf.

„Sie baten Euch, uber ihr Volk zu wachen“, flusterte

Gwendylon. „Und was wurde aus ihm werden, Lord, wenn diese Teufel aus der Zukunft wiederkehrten? Und das werden sie ganz sicher, wenn ihr Ha? so brennend ist, wie Ihr sagtet.“ Rod nickte wie betaubt. „Und was ist dann mit dem Traum, Mylord?“ Rod blieb einen Moment stocksteif sitzen. „Gekab“, sagte er schlie?lich ruhig. „Ja, Rod?“

„Gekab, reich mein Gesuch um Entlassung ein.“ „Aber Rod, Ihre Pflicht — die Ehre Ihres Hauses…“ „Vergi? sie! Die Ratgeber kommen moglicherweise zuruck, Gekab, selbst wenn wir die Zeitmaschinen vernichten. Sie haben es einmal fertiggebracht, sie konnen es auch ein zweitesmal! Ubermittle meine Kundigung!“ Gehorsam sendete Gekab zu den Sternen. Rods Kopf sank langsam auf die Brust. „Mein Lord?“ rief Gwendylon erschrocken. Rod hob schwach eine Hand. „Alles in Ordnung. Ich habe das Richtige getan, und das, was mich am glucklichsten machen wird. Zum erstenmal in meinem Leben arbeite ich unabhangig. Das ist es! Ich habe mich selbst von allem abgeschnitten. Niemand deckt mir mehr den Rucken, niemand pa?t mehr auf mich auf…“

„Rod?“ murmelte Gekab. „Sie haben geantwortet, Rod.“ „Lies!“ befahl Rod.

„Bericht erhalten. Erbitten Koordinaten fur Untersuchungsexpedition. „

Rod nickte. Ein bitterer Zug spielte um seine Lippen. „Schick sie ihnen. Lies weiter.“

„Schlagen vor, da? Sie sich Kundigung noch einmal uberlegen. Sichern Ihnen standigen Aufenthalt auf Gramayre zu. Ihre Aufgabe: auf weitere subversive Infiltration zu achten.“ Rod sprang auf. „Wa-as?“ „Sie mochten Ihre selbsterwahlte Position offiziell machen“, erklarte der Roboter unnotigerweise. „Was ist, Mylord?“ fragte Gwendylon.

Er drehte sich zu dem Madchen um. Seine Augen leuchteten auf. „Sie wollen, da? ich bleibe!“ jubelte er.

„Wo bleiben, Mylord?“

„Hier!“ schrie er und breitete die Arme aus, als wolle er die ganze Welt umschlie?en. „Hier auf Gramayre! In offiziellem Auftrag! Gwen, ich bin zu Hause, und ich bin frei!“

Er wirbelte sie herum. „Ich liebe dich!“ brullte er. „Ich liebe dich! Heirate mich!“

„Mit Freude, Mylord!“ rief sie. Die Tranen stromten erneut uber ihre Wangen, als sie sein Gesicht in ihre Hande nahm.

Seine Lippen suchten ihre, aber sie druckte eine Hand dazwischen. „Nein, Mylord. Nur ein Zauberer darf eine Hexe kussen.“

„Also gut, ich bin ein Zauberer. Ich bin ein Zauberer Nur ku? mich, horst du?“

Ihre Lippen hoben sich seinen entgegen.

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