Es mag an manchen Weiben genug erwiesen sein, Wie Liebe mit Leide am Ende lohnen kann. Ich will sie meiden beide, nie übel geht es mir dann.” (17) In ihren hohen Tugenden, deren sie züchtig pflag, Lebte das edle Mägdlein noch manchen lieben Tag, Und hatte nicht gefunden, den minnen mocht ihr Leib; Dann ward sie doch mit Ehren eines guten Ritters Weib. (18) Das war derselbe Falke, den jener Traum ihr bot, Den ihr beschied die Mutter. Ob seinem frühen Tod Den nächsten Anverwandten wie gab sie blutgen Lohn! Durch dieses Einen Sterben starb noch mancher Mutter Sohn. (19)

2. Abenteuer

Von Siegfrieden

Da wuchs im Niederlande eines reichen Königs Kind (Siegmund hieß sein Vater, seine Mutter Siegelind), In einer reichen Veste, weithin wohlbekannt, Unten an dem Rheine, Santen war sie genannt. (20) Ich sag euch von dem Degen, wie so schön er ward. Er war vor allen Schanden immer wohl bewahrt. Stark und hohes Namens ward bald der kühne Mann: Hei! Was er großer Ehren auf dieser Erde gewann! (21) Siegfried war geheißen der selbe Degen gut. Er besuchte viel der Reiche in hochbeherztem Mut. Durch seine Stärke ritt er in manches fremde Land: Hei! Was er schneller Degen bei den Burgonden fand! (22) * Bevor der kühne Degen ganz erwuchs zum Mann, Da hatt er solche Wunder mit seiner Hand getan, Davon man immer wieder singen mag und sagen: Wir müssten viel verschweigen von ihm in heutigen Tagen. (23) In seinen besten Zeiten, bei seinen jungen Tagen, Mochte man viel Wunder von Siegfreiden sagen, Was Ehren an ihm wuchsen und wie so schön sein Leib: Drum dachte sein in Minne manches waidliche Weib. (24) Sie erzogen ihn so fleißig als ihm geziemend war; Was ihm hoher Tugenden der eigne Sinn gebar! Davon ward noch gezieret seines Vaters Land, Dass man zu allen Dingen ihn so recht herrlich erfand. (25) Er war nun so erwachsen, um auch an Hof zu gehn. Die Leute sahn ihn gerne; viel Fraun und Mädchen schön Wünschten wohl, er käme dahin nur immerdar; Hold waren ihm so manche, des ward der Degen wohl gewahr (26) Selten ohne Hüter man reiten ließ das Kind. Mit Kleidern hieß ihn zieren Siegmund und Siegelind; Auch pflegten sein die Weisen, denen Ehre war bekannt: Drum mocht er wohl gewinnen die Leute und auch das Land. (27) Nun war er in der Stärke, dass er wohl Waffen trug: Wes er dazu bedurfte, des gab man ihm genug. Schon warben ihm die Sinne um manches schöne Weib: Die minnten wohl mit Ehren des schönen Siegfriedes Leib. (28) Da ließ sein Vater Siegmund verkünden seinem Bann, Er stell ein Hofgelage mit lieben Freunden an. Da brachte man die Märe in andrer Könge Land; Den Heimischen und Fremden gab er da Ross und Gewand. (29) Wen man finden mochte, der Ritter sollte sein Gemäß der Eltern Stande, die edeln Junker fein Lud man nach dem Lande zu dem Hofgelag, Wo sie das Schwert empfingen mit Siegfried an einem Tag. (30) Man möchte Wunder sagen von der Lustbarkeit. Siegmund und Siegelinde gewannen zu der Zeit Viel Ehre durch die Gaben, die spendet' ihre Hand: Drum sah man viel der Fremden zu ihnen reiten in das Land. (31) Vierhundert Schwertdegen sollten gekleidet gehn
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