Das Schiff begann sich zu drehen, langsam anfangs, bis es sich immer schneller in den Boden bohrte. Bald war nur noch ein Krater mit einem Ringwall aus Erde und das Dach des Asteroiden etwa einen Meter tiefer zu sehen.

Rod zog eine Klappschaufel aus Gekabs Satteltasche, offnete sie und machte sich an die Arbeit. Das Pferd half ihm, indem es den Ringwall mit den Hufen bearbeitete. In wenigen Minuten war er nur noch funfzehn Zentimeter hoch und dazwischen befand sich ein etwa funfundsechzig Zentimeter hoher und im Durchmesser etwa sechs Meter breiter Hugel.

„Zuruck!“ warnte Rod. Er zog seinen Dolch, drehte die Scheide um hundertachtzig Grad und deutete mit dem Heft auf den Erdhugel. Ein roter Strahl scho? heraus, der Lehm gluhte rot auf, schmolz und zerflo?.

Rod lie? den Strahl nun langsamer uber den aufgefullten Krater kreisen, bis die geschmolzene Erde sich ungefahr drei?ig Zentimeter unterhalb der Wiesenoberflache gesenkt hatte.

Dann schaufelte er den Rest des Ringwalls in das Loch. Es entstand eine unbedeutende Erhohung, derer der nachste Regen sich gewi? annehmen wurde.

„Das ist's.“ Rod fuhr sich uber die Stirn.

„Noch nicht ganz. Sie brauchen noch die richtige Kleidung, um hier nicht unliebsam aufzufallen.“

Rod kniff die Lider zusammen.

„Ich erlaubte mir, die Vorsichtsma?nahme zu treffen, ein Wams in meine linke Satteltasche zu packen, wahrend Sie das Gras untersuchten.“

„Aber hor mal“, protestierte Rod, „ist meine Uniform vielleicht nicht gut genug?“

„Die hautenge Hose und die Militarstiefel gehen gerade noch. Aber eine Pilotenjacke hat wohl wenig Ahnlichkeit mit einem Wams. Mu? ich mehr sagen?“

„Nein, ich glaube nicht.“ Rod seufzte. Er ging zur Satteltasche. „Der Erfolg einer Mission geht vor alle personliche Bequemlichkeit, Wurde und — he!“ Mit weit aufgerissenen Augen starrte er auf etwas Langes, Schmales, das vom Sattel hing.

„He was, Rod?“

Rod nahm das merkwurdige Ding vom Sattel. Es hatte an einem Ende einen Griff, wie er bemerkte, und es rasselte. Er hielt es so hoch, da? Gekab es sehen konnte. „Was ist denn das?“

„Ein elisabethanisches Rapier. Eine antike Seitenwaffe, eine Art langes Messer fur Hieb und Stich.“

„Eine Seitenwaffe!“ Rod beaugte den Roboter, als zweifle er an seinem Verstand. „Ich soll das wohl tragen?“ „Naturlich, Rod. Zumindest, wenn Sie beabsichtigen, Ihre Mission wie ublich unter falscher Identitat durchzufuhren.“ Rod machte ein Martyrergesicht und zog das Wams aus der Satteltasche. Er zwangte sich hinein und gurtete das Rapier an seine rechte Seite.

„Nein, nein, Rod! Es gehort links! Sie mussen es uber Kreuz ziehen!“

„Was ich alles um der Demokratie willen erdulde!“ Rod hing den Degen an seine linke Hufte. „Gekab, ist dir je der Gedanke gekommen, da? ich ein Fanatiker sein konnte?“ „Aber gewi? doch, Rod. Ein klassischer Fall von Sublimierung.“

„Ich ersuchte um deine Meinung, nicht um eine Psychoanalyse“, knurrte Rod. Er begutachtete seine Kostumierung. „Hm, gar nicht so ubel.“ Er straffte die Schultern, schob das

Kinn vor und warf sich in die Brust. Das gold-scharlachrote Wams glomm geradezu im Mondschein.

„Sie geben eine stolze Figur ab, Rod.“ Irgendwie klang Gekabs Stimme jedoch leicht amusiert.

Rod runzelte die Stirn. „Aber eigentlich gehort noch ein Cape dazu.“

„Steckt ebenfalls in der Satteltasche, Rod.“ „Du denkst doch an alles!“ Rod kramte in der Satteltasche und brachte einen weiten Umhang im gleichen Stahlblau hervor wie seine hautenge Uniformhose.

„Die Kette mu? durch die linke Achselhohle und rechts um den Hals geschlungen werden, Rod.“

Rod befolgte die Anweisung und stellte sich in den Wind, da? der Umhang von seinen breiten Schultern wallte.

„Na, ist das nichts? Ich sehe bestimmt beeindruckend aus, hm?“

„Wie eine Illustration aus einem Shakespeare-Stuck.“

„Fur die Schmeichelei bekommst du ausnahmsweise eine doppelte Olration.“ Rod schwang sich in den Sattel. „Auf zur nachsten Stadt, Gekab. Ich mochte mich in meinem neuen Sonntagsstaat sehen lassen.“

„Sie haben vergessen, den Krater zu besaen!“

„Was? Oh! Verdammt!“ Rod zog einen kleinen Beutel aus der rechten Satteltasche und streute den Samen uber den Kreis kahler Erde. „Na also! Jetzt braucht es nur noch einen linden Regen, und schon in zwei Tagen wird man ihn nicht mehr vom Rest der Wiese unterscheiden konnen. Hoffen wir, da? in den zwei Tagen niemand hierherkommt…“

Der Rappe hob den Kopf und spitzte die Ohren.

„Was ist los, Gekab?“

„Horen Sie!“

Rod zog die Brauen zusammen und schlo? die Augen.

Der Wind trug aus der Ferne die vergnugten Rufe Jugendlicher und frohliches Lachen herbei.

„Hort sich an, als feierten ein paar Burschen und Madchen eine Party.“

„Es kommt naher“, sagte Gekab leise.

Wieder schlo? Rod die Augen und lauschte. Die Gerausche kamen tatsachlich naher… Er wandte sich nach Nordosten, der Richtung, aus dem die Laute zu kommen schienen, und betrachtete forschend den Horizont. Nur die drei Monde standen am Himmel.

Ein Schatten zog an einem der Monde vorbei, drei weitere folgten. Das Lachen klang bereits viel naher.

„Etwa hundertzwanzig Stundenkilometer“, murmelte Gekab.

„Hmmm.“ Rod kaute an der Unterlippe. „Gekab, wann sind wir gelandet?“

„Vor ungefahr zwei Stunden.“

Etwas flitzte uber ihren Kopfen vorbei.

Rod schaute hoch. „Sie fliegen, Gekab!“

Eine kurze Pause setzte ein. Dann brummte der Roboter. „Rod, ich mu? Sie ersuchen, logisch zu denken. Eine Kultur wie diese kann unmoglich Flugmaschinen entwickelt haben.“

„Das haben sie auch nicht. Sie selbst fliegen!“

„Die Menschen, Rod?“

„Es sieht so aus.“ Rods Stimme klang eine Spur verwirrt.

„Allerdings mu? ich zugeben, da? das Madchen, das gerade uber uns hinwegflog, auf einem Besenstiel zu reiten schien.

Und sie sah gar nicht schlecht aus. Richtig zum Anbei?en…

Gekab?“

Die Pferdebeine wirkten steif und der Kopf baumelte dazwischen.

„Zum Teufel!“ knurrte Rod. „Nicht schon wieder!“

Er tastete unter den Sattelknauf und druckte die Sicherung wieder ein. Langsam hob der Rappe den Kopf und schuttelte ihn ein paarmal. Rod griff nach den Zugeln und fuhrte das Pferd.

„Waas iis baasiird, Rood?“

„Du hattest wieder einmal einen Anfall, Gekab. Sei so gut und fang jetzt ja nicht zu wiehern an. Diese fliegende Party kommt zuruck, und es besteht die Moglichkeit, da? sie uberhaupt nur unterwegs sind, um nach dem abgesturzten Kometen zu suchen. Wir sehen deshalb besser zu, unter den hohen Baumen Deckung zu finden — und bitte, verhalte dich ruhig!“

Als sie die Baume am Rand der Wiese erreicht hatten, spahte Rod hinaus, um zu sehen, was die fliegende Schwadron machte.

Die Jugendlichen kreisten etwa eineinhalb Kilometer entfernt durch die Luft. Sie stie?en Jubelschreie und Willkommensrufe aus.

„Freut euch, Kinder, ich bin es, Lady Gwen!“

„So seid Ihr endlich doch gekommen, um Mutter unseres Zirkels zu sein, Gwendylon?“

„Von immer gro?erer Schonheit werdet Ihr, su?e Gwendylon!

Was tut Ihr nur?“

„Jedenfalls noch keine Wiegen ausrauben, Randal…“

„Hort sich an, als sahe die Hauswirtin bei einer Party im Hexencollege nach dem Rechten“, brummte Rod. „Wieder nuchtern, Gekab?“

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