Unter den gewaltsamen, haufigen Sto?en gaben endlich die Wurzeln nach, der Erdboden daruber hob sich und der Baum legte sich mehr langsam auf die Erde, als da? er plotzlich umsturzte.

»Nach dem Walde!… Nach dem Walde!« rief Khamis.

An der Seite, wo das Geast der Tamarinde den Boden beruhrt hatte, waren die Elefanten ein wenig zuruckgewichen und hatten damit das Feld freigegeben. Sofort war der Foreloper auf dem Boden, und die anderen, die seinen Ruf vernommen hatten, folgten ihm auf dem Fu?e nach. Alle drei wandten sich eiligst zur Flucht.

Zu Anfang hatten die Thiere, die in ihrer Wuth die noch stehenden Baume angriffen, die Fluchtlinge nicht bemerkt.

Max Huber lief, Llanga unter dem Arme haltend, was ihm die Krafte gestatteten. John Cort hielt sich ihm zur Seite, bereit, ihm seine Last abzunehmen, doch auch bereit, den ersten von der Herde, der ihm in Schu?weite kame, mit einer Kugel zu begru?en.

Der Foreloper, John Cort und Max Huber hatten kaum einen halben Kilometer zuruckgelegt, als etwa zehn Elefanten, die sich von der Herde getrennt hatten, ihre Verfolgung aufnahmen.

»Muth… Muth! ermahnte Khamis. Suchen wir unseren Vorsprung zu behalten – wir kommen noch an’s Ziel!«

Ja, vielleicht, dann durfte aber niemand im Laufe nachlassen.

Llanga mochte es wohl fuhlen, da? Max Huber die Krafte allmahlich schwanden.

»Mich loslassen… Freund Max… mich loslassen!… Ich gute Beine haben! Mich loslassen!«

Max Huber horte jedoch nicht darauf und strengte sich nur noch mehr an, um nicht zuruckzubleiben.

Ein Kilometer war bereits durcheilt, ohne da? die Elefanten merkbar naher gekommen waren. Leider verminderte sich nun aber die Schnelligkeit des Forelopers und seiner Gefahrten; von dem uberhasteten Laufe drohte ihnen der Athem auszugehen.

Der Waldsaum war jetzt inde? nur noch einige hundert Schritte entfernt, und hinter dem dichten Baumwalle winkte die wahrscheinliche, wenn nicht gewisse Rettung. denn diesen Wall konnten die Thiere schwerlich durchdringen.

»Schnell… schnell! drangte Khamis. Geben Sie Llanga jetzt mir!

– Nein, Khamis… ich trage ihn bis zuletzt!«

Einer der Elefanten befand sich jetzt nur noch ein Dutzend Meter hinter ihnen. Man horte schon seine Trompetentone und fuhlte bereits die Warme seines Athems. Der Boden erzitterte unter den gewichtigen Fu?en, die einen schnellen Galopp einhielten. Nach einer Minute mu?te er Max Huber eingeholt haben, der mit den anderen kaum noch Schritt halten konnte.

Da blieb John Cort stehen, wandte sich um, erhob das Gewehr und zielte einen Augenblick. Der Schu? krachte und traf den Elefanten allem Anscheine nach an richtiger Stelle.

Die Kugel hatte ihm das Herz durchbohrt und der Kolo? brach beim nachsten Schritte zusammen.

»Das hat gesessen!« murmelte John, als er die Flucht wieder aufnahm.

Die ubrigen Thiere, die in kurzen Abstanden von einander nachkamen, sammelten sich fur kurze Zeit um die daliegende Masse. Das gewahrte den Fluchtigen eine gewisse Frist, die sie schleunigst ausnutzen mu?ten.

Nachdem sie die letzten Baume des Hugels umgesturzt hatten, sturmte jedenfalls die ganze Herde dem Walde zu.

Weder nahe dem Erdboden, noch in den Wipfeln der Baume war jetzt noch ein Feuerschein zu bemerken gewesen. Im ganzen Kreise des Horizonts lag alles in tiefer Finsterni?.

Sollten die erschopften athemlosen Fluchtlinge wirklich noch die Kraft haben, das rettende Ziel zu erreichen?…

»Immer weiter! Schnell weiter!« mahnte Khamis.

Jetzt, wo sie noch gegen hundert Schritt weit zu laufen hatten, waren die Elefanten nur noch etwa vierzig Schritt hinter ihnen zuruck.

Mit der au?ersten Kraftanstrengung, die ihnen der Trieb der Selbsterhaltung ermoglichte, flogen Khamis, John Cort und Max Huber fast zwischen die ersten Baume, fielen hier aber zu Tode erschopft lang nieder.

Vergebens versuchte die Herde durch den Wald einzudringen. Die Baume standen so dicht, da? sie sich nicht dazwischen hindurchzwangen konnten, und ihre Stamme waren auch so dick, da? die Thiere sie nicht niederzubrechen vermochten. Vergeblich wuhlten die Russel in den Spalten zwischen diesen, vergeblich drangten die nachkommenden Elefanten die vorderen…

Die Fluchtlinge hatten von den machtigen Thieren nichts mehr zu furchten… der gro?e Wald von Ubanghi stellte diesen ein unuberwindliches Hinderni? entgegen. 

Viertes Capitel.

Ueberlegung-Entschlu?

 Es war jetzt fast Mitternacht; noch sechs Stunden herrschte vollkommene Finsterni?. Sechs Stunden der Furcht und der Gefahr! Wohl befanden sich Khamis und seine Begleiter hier hinter der sturmfreien Wand der Waldriesen verhaltni?ma?ig in Sicherheit, doch drohte ihnen ja noch immer eine andere Gefahr. Fast an derselben Stelle hatten ja vorher die vielfachen Feuerpunkte geleuchtet, die spater auch noch aus dem hohen Gezweig der Baume herausschimmerten. Da nun gar nicht zu bezweifeln war, da? eine Rotte Eingeborner hier gelagert hatte, blieb auch jetzt noch ein Ueberfall zu befurchten, gegen den jede Abwehr unmoglich schien.

»Achtung nun!… Scharf aufpassen! sagte der Foreloper, als er nach dem erschopfenden Wettrennen wieder zu Athem gekommen war und die anderen sich soweit erholt hatten, da? sie ihm antworten konnten.

– Ja, wir wollen wachsam sein, antwortete John Cort, und uns bereit halten, einen Angriff abzuschlagen. Die Nomaden konnen nicht fern von hier sein. An dieser Stelle des Waldsaumes hatten sie gerastet, hier sind auch noch die Ueberreste eines Feuers, worin noch einzelne Funken glimmen.«

Wirklich zeigte sich in der Entfernung von funf bis sechs Schritten ein Hauschen mattgluhender Asche, aus der ein rother Schein hervorleuchtete.

Max Huber erhob sich, das Gewehr schu?fertig haltend, und drang in das Dickicht unter den Baumen ein.

Khamis und John Cort standen bereit, ihm im Nothfalle Hilfe zu bringen.

Max Huber blieb jedoch nur drei oder vier Minuten aus. Er hatte nichts Verdachtiges bemerkt, nichts erlauscht, was auf die Gefahr eines unmittelbar drohenden Angriffs hingedeutet hatte.

»Dieser Theil des Waldes ist thatsachlich verlassen, erklarte er. Die Eingebornen haben ihn sicherlich geraumt.

– Vielleicht sind sie selbst entflohen, als sie die heransturmenden Elefanten wahrgenommen hatten, bemerkte John Cort.

– Vielleicht, denn die Feuer, die wir, Herr Huber und ich, gesehen haben, sagte Khamis, verloschen in dem Augenblicke, wo im Norden das Getose von der Dickhauterherde zuerst erschallte. Wer wei?, ob sie es aus Klugheit oder nur aus Furcht gethan haben. Die Leute mu?ten doch wohl aus Erfahrung wissen, da? sie hinter den Baumen in Sicherheit waren. Ich kann mir kaum erklaren…

– Was uberhaupt unerklarlich ist, fiel ihm Max Huber in’s Wort, und ubrigens ist die Nacht auch nicht die rechte Zeit fur langathmige Erklarungen. Wir wollen dazu den Tag abwarten, ich mu? aber gestehen, da? es mich die gro?te Muhe kosten wird, wach zu bleiben… die Augen fallen mir jetzt schon von selbst zu.

– Es ist jedoch ein schlecht gewahlter Augenblick zum Schlafen, lieber Max, hielt ihm John Cort entgegen.

– So schlecht wie moglich, lieber John, doch der Schlaf gehorcht nicht, er befiehlt. Gute Nacht also und auf morgen!«

In der nachsten Minute war Max Huber, der sich am Fu?e eines Baumes ausgestreckt hatte, in tiefen Schlaf versunken.

»Leg Du Dich neben ihn, Llanga, sagte John Cort. Khamis und ich, wir werden schon bis zum Morgen wachen.

– Dazu bin ich allein genugend, Herr Cort, antwortete der Foreloper. Ich bin an so etwas gewohnt, und

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