der Wachstube das Telefon, er hebt ab, und der Anrufer meldet, da? soeben eine gro?e Katze in sein Zimmer gekommen ist. Sagt mein Freund: >Na wenn schon. Das ist doch kein Grund, die Polizei anzurufen.<

Sagt die Stimme: >Fur mich schon. Hier spricht der Papagei.< Gut, was?«

Nachdem Zlobnik zu Ende gelacht hatte, gab er mir noch einige Ratschlage fur die Behandlung des Papageis. Der Papagei, so scharfte er mir ein, sei ungern allein, liebe den Kontakt mit Menschen und lasse sich gern verwohnen. Ich sollte ihm zuerst beibringen, sich auf meine Finger zu setzen, und erst dann mit dem Sprechunterricht beginnen. Jeder Erfolg sei mit einer Erdnu? zu belohnen, empfahl Zlobnik. »Aber geben Sie acht, da? er Ihnen mit dem Schnabel nicht zu nahe kommt, der kleine Fresser!« schlo? er wohlgelaunt.

»Ich ubernehme seine Erziehung«, erbot sich mein Sohn Amir. »In spatestens einer Woche begru?t er jeden Besucher mit einem lauten Schalom, verla?t euch auf mich.«

Gleich am nachsten Tag setzte sich Amir vor den Kafig, steckte den Finger hinein, schrie auf, weil der Papagei nach ihm gehackt hatte, zog den Finger wieder heraus und begann die erste Lektion: »Sag Schalom! Sag Schalom! Sag Schalom! Sag Schalom! Sag Schalom!...«

Wegen Platzmangel kann ich nicht den vollstandigen Text des Unterrichts wiedergeben. Jedenfalls war es Amir, der nachher die Erdnusse a?. Der Papagei hatte ihn aus glasigen Augen angestarrt, stumm wie der Goldfisch in Zlobniks Tierhandlung, und dabei blieb er. Unsere Besucher horten von ihm weder ein Schalom noch sonst etwas. »Er ist heute nicht in der richtigen Laune«, murmelten wir verlegen.

Drei Wochen lang hielt Amir durch. Wir unterstutzten ihn mit Erdnussen und Bananen, wir versuchten abwechselnd durch freundlichen Zuspruch und bittere Vorwurfe auf den Vogel

einzuwirken, wir baten und schimpften, wir kitzelten ihn und kratzten ihn - ohne Erfolg. Allmahlich begannen wir uns damit abzufinden, da? uns der alte Gauner Zlobnik einen taubstummen Papagei verkauft hatte.

Und dann, an jenem unverge?lichen Morgen, als mich ein wichtiger Anruf aus dem Ausland erreichte, erklang es plotzlich laut und klar hinter mir:

»Sag! Sag! Sagsagsag!...«

Ich konnte kein Wort verstehen. Immer, wenn ich fragte: »Wer...«, kam vom Papagei: »Sag! Sag! Sagsagsag!...«

Immerhin stand jetzt fest, da? er belehrbar war, da? er sich abrichten lie?, da? er reden konnte.

Amir schwor, dem verdammten Vogel das Schalom-Sagen beizubringen, oder er wurde ihm alle graugrunen Federn ausrei?en. Er baute in den Kafig ein Tonband ein, das dem widerspenstigen Insassen ununterbrochen dasselbe Wort vorsagte: »Schalom... Schalom... Schalom...«

Das Band lief so lange, bis die Batterie leer war. Nichts geschah.

Aber ein paar Tage spater, gerade als im Fernsehen die Abendnachrichten begonnen hatten, erklang es aus dem Kafig:

»Wer! Wer-wer! Werwerwer!«

Was »wer«? Wieso »wer«? Wer »wer«? Erst nach langerem Nachdenken kam ich dahinter, da? es sich nur um meinen Anrufer handeln konnte. Wieder ein kleiner Fortschritt. Wir beschlossen, unseren Papagei fortan Werwer zu nennen. »Man mu?«, erklarte ich meiner Familie, »dem Tier ein wenig entgegenkommen, ob es Schalom sagt oder nicht.«

Am folgenden Wochenende erweiterte Werwer sein Vokabular in eine ganzlich andere Richtung:

»Wuff!« bellte er »grr-wauwau.«

Unser Hund Franzi bellte zuruck, und seither plaudern die

beiden oft stundenlang miteinander, es sei denn, da? wir Besuch haben. Dann verstummt Werwer sofort.

Andererseits hat er tanzen gelernt. Wenn man ihm »Halleluja« vorsingt und sich dabei in den Huften wiegt, schaukelt er mit, allerdings ohne zu singen. Er pfeift. Das macht er den Fu?ballschiedsrichtern nach, die im Fernsehen auftreten. Am liebsten ubt er in den spaten Nachtstunden, zwischen Sagsagsag und Werwerwer.

Ich ging zu Zlobnik und erhob Klage: »Unser Papagei bellt bei Tag und pfeift bei Nacht. Was ist mit Ihrem Ehrenwort? Ich kann nicht schlafen.«

»Naturlich nicht«, erwiderte der erfahrene Tierhandler. »Sie mussen den Kafig bei Nacht zudecken.«

Und er verkaufte mir eine dicke Plastikhulle, garantiert pfiffdicht. Ich ging nach Hause, stulpte bei Einbruch der Dunkelheit die Hulle uber den Kafig, ging zu Bett und schlief wie ein Mehlsack bis 3 Uhr fruh, als die beste Ehefrau von allen aufstand und die Hulle wieder entfernte.

»Soll das arme Tier im Gefangnis leben?« fragte sie.

Ihr machte das alle Ehre.

Dem Papagei machte es Freude.

Meinen Schlaf machte es zunichte.

Als Renana sich eine Erkaltung zuzog, begann Werwer prompt zu husten. Renana erfreut sich als einziges Mitglied unserer Familie der Zuneigung Werwers. Das zeigt sich immer wieder und hatte eines Tages bose Folgen.

Wenn das kluge Kind Renana allein zu Hause ist, offnet sie niemals die Ture, ohne vorher mit ihrer lieben kleinen Kinderstimme zu fragen: »Wer ist da?« Einmal aber war Werwer allein zu Hause. An diesem Nachmittag geschah es. Der Mann von der Wascherei brachte unsere Wasche und lautete an der Ture. Von drinnen kam eine liebe kleine Kinderstimme:

»Wersda?«

»Die Wasche«, antwortete der Waschemann.

»Wersda?« erklang es noch einmal.

»Der Mann mit der Wasche.«

»Wersda?«

»Die Wasche!«

»Wersda?«

»Die Wa-a-sche!«

Wie lange das Drama dauerte, wei? niemand. Als wir gegen Abend nach Hause kamen, fanden wir den Garten voll mit Hemden, Unterhosen und Taschentuchern, uberallhin verstreut. Der Mann von der Wascherei, so horten wir, war mit einem Schreikrampf und wild um sich schlagend von einem Krankenwagen weggebracht worden...

Vorsichtig betraten wir die Wohnung. Ein heiserer Zuruf begru?te uns: »Wasche! Wasche! Waschewaschewasche!...«

Zusammen mit Sagsag, Werwer, Wuffwuff, Wersda und verschiedenen Formen des Hustens ergab das einen recht ansehnlichen Wortschatz. Nur Schalom hat er nie gelernt.

Amir will nicht in den Kindergarten

 Als wir Amir zum erstenmal in den Kindergarten brachten, schien er sich dort ungemein wohl zu fuhlen, spielte sofort mit den anderen Kindern, tollte frohlich mit ihnen umher, baute Plastikburgen und tanzte zu den Weisen einer Ziehharmonika. Aber schon am nachsten Morgen besann er sich auf sich selbst: »Ich will nicht in den Kindergarten gehen«, plarrte er. »Bitte nicht! Papi, Mami, bitte keinen Kindergarten! Nein, nein, nein!« Wir fragten ihn nach den Grunden des plotzlichen Umschwungs - gestern hatte es ihm doch so gut gefallen, warum wollte er plotzlich nicht mehr, was ist denn los? Amir lie? sich auf keine Diskussion ein. Er wollte ganz einfach nicht, er weigerte sich, er war bereit, uberall hinzugehen, nur nicht in den Kindergarten. Und da er in der Kunst des Heulens meisterhaft ausgebildet ist, setzte er auch diesmal seinen Willen durch.

Das Ehepaar Seelig bemangelte unsere Schwache, und als wir Amir - der ja schlie?lich uns gehorte und nicht den Seeligs - in Schutz zu nehmen versuchten, bekamen wir's mit Erna Seelig zu tun: »Lauter Unfug«, keifte sie. »Man darf einem kleinen Kind nicht immer nachgeben. Man mu? es vor vollendete Tatsachen stellen. Nehmen Sie den Buben bei der Hand, liefern Sie ihn im Kindergarten ab, und fertig.«

Wir konnten nicht umhin, den Mut dieser energischen Person zu bewundern. Endlich ein Mensch, der sich von Kindern nichts vorschreiben la?t! Wirklich schade, da? Erna Seelig keine Kinder hat.

Mit ihrer Hilfe zerrten wir Amir in den Wagen und unternahmen eine Spazierfahrt, die zufallig vor dem

Добавить отзыв
ВСЕ ОТЗЫВЫ О КНИГЕ В ИЗБРАННОЕ

0

Вы можете отметить интересные вам фрагменты текста, которые будут доступны по уникальной ссылке в адресной строке браузера.

Отметить Добавить цитату