unseres Wohnviertels, alle Hunde kamen. Sogar zwei Eskimohunde waren darunter; sie mu?ten sich von ihrem Schlitten losgerissen haben und waren direkt vom Nordpol herbeigeeilt.

Einer der wildesten Verehrer ri? mit seiner machtigen Tatze unsere Turklinke ab. Da riefen wir die Polizei an. Aber wir bekamen keine Verbindung.

Rafi, mein altester Sohn, schlug vor, die Straucher im Garten anzuzunden. Vielleicht wurden die Hunde dann weglaufen. Aber um das zu tun, hatten wir das Haus verlassen mussen, und das trauten wir uns nicht.

Plotzlich stand Zulu mitten in der Kuche. Er mu?te den Weg uber das Dach genommen haben. Wahrend ich versuchte, ihn mit Gewalt aus unserer Kuche zu vertreiben, suchte meine Familie Deckung hinter dem umgesturzten Mobeln. Endlich hatte ich es geschafft. Zulu verschwand.

Und mit einemmal horte auch das Bellen auf. Alle Hunde waren verschwunden.

Vorsichtig steckte ich den Kopf zur Tur hinaus. Alles blieb ruhig. Allem Anschein nach war ein Wunder passiert.

Jetzt ist alles wieder beim alten. Aus Franzi, der rosafarbenen Maus, ist wieder eine Hundin mit wei?em Fell geworden, die sich nur fur Menschen interessiert. Fur die Hunde der Nachbarschaft hat sie kein Auge mehr.

Woher allerdings die kleinen Schnauzer-Babies kommen, die Franzi gestern geworfen hat, wissen wir auch nicht.

Obwohl Renana schon langst kein Baby mehr ist, will sie noch immer nicht vom Schnuller lassen. Das halt uns jede Nacht wach, um so wacher, als Renana nicht am Schnuller im allgemeinen hangt, sondern an einem besonderen Schnuller mit dem Namen Zezi. Zezi schaut genauso aus wie jeder andere Schnuller, aber unser rothaariges Tochterchen weigert sich, einen anderen Schnuller auch nur anzuruhren.

Ein Schnuller mit dem Namen Zezi

»Zezi!« ruft sie, »Zezi!« schreit sie, »Zezi!« brullt sie. Und noch einmal »Zezi!«

Schon nach dem ersten »Zezi!« geht die gesamte Familie in die Knie und sucht auf allen vieren nach dem gewunschten Zezi. Wenn Zezi endlich gefunden ist, beruhigt sich Renana in Sekundenschnelle und lutscht gemutlich an Zezis gelbem Mundstuck, umlagert von ihrer vollig erschopften Familie.

Mit Zezi ist alles in Ordnung, ohne Zezi bricht die Holle los. Wenn wir uns einmal dazu aufraffen, den Abend anderswo zu verbringen, verfallt die beste Ehefrau von allen beim geringsten Telefonsignal in angstliches Zittern:

Sicherlich ruft jetzt der Babysitter an, um uns mitzuteilen, da? Zezi unauffindbar und Renanas Gesicht bereits purpurrot angelaufen ist. In solchen Fallen werfen wir uns sofort ins Auto, sausen mit Schallgeschwindigkeit heimwarts und mussen den Babysitter dann meistens unter vielen umgesturzten Mobelstucken hervorziehen.

Was etwa geschehen wurde, wenn Zezi endgultig verlorenginge, wagen wir nicht zu bedenken.

Nur uberlegen wir uns dauernd, wieso Renana wei?, da? Zezi Zezi ist.

Eines Nachmittags, wahrend Renana schlief, eilte ich mit dem geheiligten Schnuller in die Apotheke, wo wir ihn gekauft hatten, und verlangte ein genau gleiches Exemplar, gleiche Farbe, gleiche Gro?e, gleiches Herstellungsjahr. Ich erhielt ein perfektes, von Zezi in keiner Weise unterscheidbares Gegenstuck, eilte nach Hause und uberreichte es Renana.

Ihre kleinen Patschhandchen griffen danach und schleuderten es im Bogen durch die Luft:

»Das hier kein Zezi! Will Zezi haben! Zezi!!«

Renanas geplagte Mutter vertrat die Ansicht, der feinen Nase des Kleinkinds ware ein Unterschied im Geruch aufgefallen, der durch Zezis Abnutzung entstanden sei. Nie werde ich das Gesicht des Apothekers vergessen, als ich eine gro?ere Menge gebrauchter Schnuller verlangte. Es war ein durchaus abweisendes Gesicht. Uns blieb nichts anderes ubrig, als eine Anzahl Schnuller kunstlich selber altern zu lassen. Wir erstanden die notigen Mittel, tauchten einen Probeschnuller ein und warteten, bis er die grunliche Farbe Zezis annahm.

Renana entdeckte den Schwindel jedoch sofort und brullte nach Zezi.

Als wir eines Abends in der Oper sa?en, kam wahrend der Vorstellung, an einer besonders leisen Stelle, der Platzanweiser herangeschlichen und flusterte in die Dunkelheit: »Pst! Schnuller! Pst! Schnuller!« Wir wu?ten, wen er meinte, wir wu?ten, da? Gro?mutti angerufen hatte, wir kummerten uns nicht um die Emporung und die leisen Schmerzensrufe unserer Sitznachbarn, denen wir auf die Fu?e stiegen, wir sausten nach Hause und fanden die alte Oma schwer atmend in einem Sessel. Zezi war spurlos verschwunden. Der weichgepolsterte Behalter, den wir eigens fur Zezi eingerichtet hatten, war leer.

Gro?mama hatte schon uberall nachgeschaut. Erfolglos. Auch wir schauten uberall nach. Ebenso erfolglos. Jemand mu?te Zezi gestohlen haben.

Unser erster Verdacht fiel auf den Milchmann, der kurz vor Gro?mamas Ankunft erschienen war, um sich zu erkundigen, wie viele Flaschen wir uber die nahenden Feiertage brauchen wurden.

Die beste Ehefrau von allen zauderte nicht, ihn trotz der spaten Nachtstunde anzurufen:

»Huber - haben Sie vielleicht einen Schnuller mitgenommen?«

»Nein«, antwortete Huber, »ich nehme keine Schnuller mit.«

»Er lag in einem Korbchen links neben dem Laufstall, und jetzt liegt er nicht mehr dort.«

»Das tut mir leid fur ihn. Und was die Milch betrifft, so bleibt's bei 23 Flaschen am Mittwoch, richtig?«

Das war zwar richtig, nutzte uns aber nichts. Unser Verdacht wuchs. Wir uberlegten, ob wir einen Detektiv mit weiteren Nachforschungen betrauen sollten, oder besser vielleicht einen Hellseher, als plotzlich eine der nervosen Handbewegungen meiner Frau in der Ritze ihres Sessels auf den vermi?ten Edelschnuller stie?. Wie er dort hingekommen war, bleibt ein Ratsel.

Wir fragten unseren Elektriker, ob es vielleicht ein Instrument zur Auffindung versteckter Schnuller gabe, aber so etwas gab es nicht.

Unser Nachbar, der wegen Renanas haufigem Gebrull nicht mehr schlafen konnte, empfahl uns, einen Polizeihund zu kaufen, der den verschwundenen Schnuller immer wieder aufspuren konnte. Der Nachbar von oben, der auch immer geweckt wurde, meinte, da? wir ein Alarmgerat an Zezi befestigen konnen, das immer »blip, blip« machen wurde, und wir selbst uberlegten, ob wir nicht eine ganz dicke Eisenkette um Zezi legen konnten.

Nachdem wir hin und her uberlegt hatten, fanden wir alle diese Mittel nicht so gut.

»Ephraim«, informierte mich die beste Ehefrau von allen, »ich werde verruckt.«

In den folgenden Nachten fuhr sie immer wieder schreiend aus dem Schlaf. Bald traumte sie, da? ein Lammergeier mit Zezi im Schnabel davongeflogen ware, bald hatte sich Zezi selbst, wie in einem Zeichentrickfilm, mit lustigen Sprungen entfernt, hopp - hopp - hopp.

In einer dunklen, sturmgepeitschten Neumondnacht entdeckten wir endlich Zezis Geheimnis.

Anfangs verlief alles normal. Punkt sieben traten meine Frau und meine Schwiegermutter an den Stahltresor heran, in dem wir mittlerweile den Schnuller aufbewahrten, stellten die doppelt gesicherten Kombinationen ein, offneten den schweren Schrank mit Schlussel und Gegenschlussel und holten Zezi hervor. Renana, in ihrer Wiege liegend, nahm Zezi zwischen die Lippen, lachelte zufrieden und schlo? die Augen. Wir entfernten uns auf Zehenspitzen.

Ein unerklarlicher Drang trieb mich zur Tur zuruck und hie? mich durchs Schlusselloch schauen.

»Weib!« flusterte ich. »Komm her! Rasch!« Mit angehaltenem Atem sahen wir, wie Renana vorsichtig aus ihrer Wiege kletterte, zu einem Sessel watschelte und Zezi im Schlitz zwischen Kissen und Lehne verschwinden lie?. Dann kehrte sie in die Wiege zuruck und begann morderisch zu brullen. Das Gefuhl der Erlosung, das uns uberkam, la?t sich nicht schildern. Renana war nicht im mindesten auf ihren Schnuller angewiesen. Sie war ganz einfach darauf aus, uns zu argern.

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