versuchte.

Murchison lachte. „In dem Zustand werde ich bestimmt nicht mit dir herumalbern. Wahrscheinlich wurdest du sowieso tot umfallen. Leg dich lieber ins Bett, bevor du im Stehen einschlafst. Ich mache dir noch schnell was zu essen, bevor ich gehe, irgendwas, das in einem Sandwich versteckt ist, damit deine Gehirnpartner nichts gegen deine Mahlzeit einzuwenden haben.“

Wahrend sie sich am Essensspender beschaftigte, fuhr sie fort: „Thorny ist am Schwangerschaftsverlauf des Beschutzers sehr interessiert und hat mich gebeten, die Verfassung des Patienten in regelma?igen Abstanden zu uberprufen. Falls sich dort etwas Ungewohnliches ergeben sollte, rufe ich dich. Und ich bin sicher, die Chefarzte im hudlarischen OP werden es genauso handhaben.“

„Ich sollte das alles wirklich lieber selbst uberprufen“, wandte Conway ein.

„Wozu hast du eigentlich Assistenten, wenn du noch immer darauf bestehst, alles selbst zu machen?“ warf sie ihm ungeduldig vor.

Die Reste des ersten Sandwiches in der einen Hand und eine Tasse mit einer nicht spezifizierten, aber zweifellos nahrhaften Flussigkeit in der anderen, setzte sich Conway auf ihr gemeinsames Bett. „An deinem Einwand ist durchaus etwas dran“, stimmte er ihr schlie?lich zu.

Sie druckte ihm fluchtig einen fast schwesterlichen Ku? auf die Wange, um sowohl seine Alter egos als auch ihn selbst so wenig wie moglich aufzuregen, und verlie? ohne ein weiteres Wort die Unterkunft. O'Mara schien ihr eine ziemlich grundliche Standpauke bezuglich ihres Verhaltens gegenuber einem Lebensgefahrten gehalten zu haben, der erst vor kurzem ein Diagnostiker auf Probe geworden war und der sich noch auf den damit verbundenen Gefuhlsaufruhr innerlich einstellen mu?te.

Falls ihm das nicht bald gelang, konnte er sich allerdings darauf gefa?t machen, zukunftig nicht mehr allzuviel Spa? am Leben zu haben. Das Problem war nur, da? ihm Murchison nur selten Gelegenheit gab, es wenigstens einmal zu versuchen.

Auf einmal wachte er mit ihrer Hand auf der Schulter und den verblassenden Nachwirkungen eines Alptraums auf — bei dem es sich allerdings moglicherweise auch um den Wunschtraum eines Aliens gehandelt haben konnte —, der nur allmahlich in die angenehme Realitat ihrer gemeinsamen Unterkunft uberging.

„Du hast geschnarcht“, flusterte Murchison ihm ins Ohr. „Wahrscheinlich hast du die letzten sechs Stunden lang geschnarcht. Die Teams aus dem Hudlarer-OP und vom Beschutzer haben dir Nachrichten auf Band hinterlassen. Offensichtlich handelt es sich dabei nicht um allzu dringende oder wichtige Angelegenheiten, sonst hatte man dich bestimmt wecken lassen. Die ubrigen Dinge im Hospital gehen ihren gewohnten Gang. Willst du noch weiterschlafen?“

„Nein“, antwortete Conway und streckte die Hande aus, um ihre Taille zu umfassen. Murchisons Widerstand war nur gespielt.

„Ich glaube nicht, da? O'Mara das guthei?en wurde“, reagierte sie zuruckhaltend, wobei in ihrer Stimme deutliche Zweifel mitklangen. „Er hat mich davor gewarnt, da? es zu Gefuhlskonflikten kommen konnte, und zwar mit solch schwerwiegenden Folgen, da? unsere Beziehung dauerhaft darunter leiden wurde, wenn du dich nicht langsam und ganz beherrscht auf die neue Situation einstellen kannst, und au?erdem ist O'Mara.“

„Und au?erdem ist O'Mara nicht mit der schonsten weiblichen DBDG im Hospital verheiratet“, fiel ihr Conway ins Wort. „Und seit wann handle ich ubersturzt und unbeherrscht?“

„O'Mara ist mit niemand anderem verheiratet als mit seiner Arbeit“, stimmte Murchison ihm lachend zu. „Und ich glaube, seine Arbeit wurde sich wegen standiger Uberarbeitung auf der Stelle von ihm trennen, wenn sie konnte. Aber unser Chefpsychologe versteht sein Geschaft, und ich mochte nicht das Risiko einer vorzeitigen Uberreizung deines.“

„Jetzt la? doch mal das ewige Gerede“, schnitt ihr Conway sanft das Wort ab.

Moglicherweise hatte der Chefpsychologe recht, dachte Conway, als er Murchison sanft neben sich aufs Bett zog; eigentlich hatte O'Mara immer recht. Seine Alter egos wurden zunehmend ungehaltener und betrachteten die Gesichtszuge auf der Vorderseite des Schadels und die sanft gewolbten Bruste der terrestrischen DBDG, die ihnen derart nahe waren, mit der typischen Mi?billigung fremder Spezies. Und als sich zu der optischen Wahrnehmung auch noch Tastempfindungen gesellten, stieg dieses Mi?fallen aufs Au?erste.

Sie reagierten mit geistigen Bildern von dem, was in der entsprechenden Situation bei Hudlarern, Tralthanern, Kelgianern, Melfanern, Illensanern und Gogleskanern vorging, und behaupteten, da? Conways Vorgehen vollkommen und geradezu emporend falsch sei. Was noch schlimmer war, sie versuchten, auch Conway zu der Ansicht zu bringen, er mache alles verkehrt und die Partnerin neben ihm musse eigentlich zu einer ganz anderen physiologischen Klassifikation gehoren, wobei die genaue Spezies von der Gefuhlsintensitat desjenigen Wesens abhing, das gerade am starksten protestierte.

Selbst die Gogleskanerin beteuerte, das diese Betatigung grundverkehrt sei, distanzierte sich jedoch von den Vorgangen im Gehirn. Khone war eine krasse Individualistin, ein perfektes Beispiel fur eine Einzelgangerin inmitten einer Spezies, die sich bis zu einem Punkt entwickelt hatte, an dem Einsamkeit ein grundlegendes Uberlebensmerkmal darstellte. Und plotzlich wurde Conway bewu?t, da? er sich Khones gogleskanischer Haltung und ihrer Fahigkeiten bediente, wie er sich ihrer schon mehrmals zuvor bedient hatte, um die Gedanken und Empfindungen zu verdrangen, die einfach verdrangt werden mu?ten, und seinen terrestrischen Verstand auf das zu richten, was die gro?te Konzentration erforderte.

Doch waren die Proteste der Aliens immer noch stark, aber die Querulanten wurden in ihre Schranken verwiesen und ganz hintangestellt. Sogar die Einwande der Gogleskanerin wurden zwar zur Kenntnis genommen, ansonsten aber ignoriert. Conway setzte die einzigartige Fahigkeit der FOKT nicht nur gegen die anderen Aliens, sondern auch gegen sie selbst ein, und Khones Spezies wu?te ganz genau, wie man sich auf etwas zu konzentrieren hatte.

„Das. sollten wir. lieber lassen“, stammelte Murchison atemlos.

Conway uberhorte ihren Einwand und konzentrierte sich auf alles andere. Hin und wieder drangten sich ihm Reaktionen der fremden Lebensformen in entsprechenden Situationen auf, die nachdrucklich hervorhoben, da? seine Partnerin zu gro?, zu klein, zu zerbrechlich war, die falsche Form hatte oder sich in der falschen Stellung befand. Doch die Organe, mit denen er sah und fuhlte, waren die eines mannlichen Terrestriers, und die Reize, die sie wahrnahmen, begruben die rein geistige Einmischung der Aliens einfach unter sich. Gelegentlich schlugen ihm seine Alter egos bestimmte Ma?nahmen und Bewegungen vor. Auch die ignorierte er, au?er in ein paar Fallen, wenn er sie fur seine eigenen Zwecke abandern konnte. Aber letztendlich waren alle Einwurfe und Einwande der Aliens vergebens, und der Hauptreaktor des Hospitals hatte in die Luft gehen konnen, ohne da? Conway allzuviel davon mitbekommen hatte.

Selbst als ihre erhohten Puls- und Atemfrequenzen wieder einen Wert angenommen hatten, der annahernd normal war, hielt Murchison ihn weiter fest umschlungen. Sie schwieg die ganze Zeit und wollte Conway noch weniger loslassen als zuvor, bis sie plotzlich leise vor sich hin lachte.

„Bezuglich meines Verhaltens dir gegenuber habe ich fur die nachsten Wochen oder Monate genaue Anweisungen erhalten“, sagte sie in einem Ton, in dem sowohl Verlegenheit als auch Erleichterung mitschwangen. „Der Chefpsychologe hat gesagt, ich solle intimen Korperkontakt vermeiden, bei allen Gesprachen eine berufliche und sachliche Art beibehalten und mich ganz allgemein wie eine Art Witwe betrachten, bis du entweder mit den im Kopf gespeicherten Bandern zurechtgekommen warst oder man dich zwingen wurde, wieder deinen fruheren Rang als Chefarzt einzunehmen. Es handle sich um eine ausgesprochen ernste Angelegenheit, hat er mir gesagt, und es sei ein hohes Ma? an Geduld und Mitgefuhl erforderlich, um dir uber diese schwierige Zeit hinwegzuhelfen. Ich solle dich als multiplen Schizophrenen betrachten, da die meisten der betreffenden Personlichkeiten zu mir keine emotionale Bindung hatten und in vielen Fallen mit korperlichem Abscheu auf mich reagieren wurden. Dennoch durfe ich das alles nicht beachten, weil du sonst der Gefahr bleibender psychischer Schaden ausgesetzt warst.“

Sie ku?te ihn auf die Nasenspitze und stie? einen langen, zarten Seufzer aus. „Statt dessen kann ich keine Spur eines korperlichen Abscheus entdecken und. tja, du bist offenbar nicht mehr ganz und gar der alte. Ich kann nicht genau sagen, worin der Unterschied besteht, und ich will mich auch nicht beklagen, aber du scheinst uberhaupt keine psychologischen Schwierigkeiten zu haben und. und O'Mara wird sich wirklich freuen!“

Conway grinste. „Ich habe nicht versucht, O'Mara zu erfreuen.“, begann er, als er vom dringlichen Piepen des Kommunikators unterbrochen wurde.

Von Murchison war der Kommunikator darauf eingestellt worden, alle Nachrichten, die nicht dringend waren, auf Band aufzunehmen, und offensichtlich hielt irgend jemand sein Problem fur so wichtig, um Conway

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