aufzuwecken. Er entzog sich Murchisons Umklammerung, indem er sie unter den Achselhohlen kitzelte, und schwenkte die Kamera des Kommunikators vom zerwuhlten Bett weg, bevor er antwortete, denn moglicherweise befand sich ein mannlicher DBDG von der Erde am anderen Ende.
Auf dem Bildschirm erschien Edanelts eckiges, von Chitin uberzogenes Gesicht. „Ich hoffe, ich store Sie nicht, Conway“, begru?te ihn der melfanische Chefarzt, „aber FROB dreiundvierzig und FROB zehn sind wieder bei Bewu?tsein und haben keine Schmerzen. Sie sind sehr froh, noch am Leben zu sein, und hatten noch keine Zeit, uber die damit verbundenen Nachteile nachzudenken. Meiner Meinung nach ware das der beste Moment, sich mit ihnen zu unterhalten, falls Sie das immer noch wollen.“
„Und ob ich das will“, antwortete Conway, obwohl im nichts einfallen wollte, was er im Augenblick weniger gerne getan hatte, und das wu?ten sowohl Murchison als auch Edanelt, die ihn beide beobachteten. „Was ist mit FROB drei?“ erkundigte er sich schlie?lich.
„Noch bewu?tlos, aber in stabiler Verfassung“, antwortete der Chefarzt. „Ich habe seinen Zustand ein paar Minuten, bevor ich Sie angerufen habe, uberpruft. Hossantir und Yarrence sind vor ein paar Stunden gegangen, um sich diesen Zeitraumen des korperlichen und seelischen Zusammenbruchs hinzugeben, die Sie alle offenbar in solch lachhaft kurzen Abstanden brauchen. Wenn FROB drei zu sich kommt, werde ich mich mit ihm unterhalten. Bei ihm sind die Anpassungsschwierigkeiten nicht so gro?.“
Conway nickte. „Bin schon auf dem Weg.“
Durch die Aussicht auf das, was vor ihm lag, war die hudlarische Gedachtnisaufzeichnung in den Vordergrund getreten und fullte jetzt praktisch Conways ganzen Kopf aus, so da? er sich ohne korperliche Beruhrung und nicht einmal mit einem herzlichen Wort von Murchison verabschiedete. Zum Gluck fand sie sich mittlerweile mit diesem Verhalten ab und pflegte es einfach nicht zu beachten, bis er wieder der alte sein wurde. Als Conway das Zimmer verlie?, fragte er sich, was an diesem rosa, schlaffen, unglaublich schwachen und absto?enden Wesen, mit dem er den Gro?teil seines Lebens als Erwachsener verbracht hatte, so Besonderes war.
17. Kapitel
„Sie haben gro?es Gluck gehabt“, versicherte Conway seiner Patientin, „wirklich sehr gro?es Gluck, da? weder Ihr Kind noch Sie selbst bleibende Schaden davongetragen haben.“
Medizinisch gesehen war das ganz richtig, sagte er sich. Aber der Hudlarer in seinem Kopf dachte da ganz anders, genauso wie die Mitarbeiter der Genesungsstation, die sich auf diskrete Entfernung zuruckgezogen hatten, um es der Patientin und ihrem Arzt zu ermoglichen, ein vertrauliches Gesprach zu fuhren.
„Nachdem ich Ihnen das gesagt habe“, fuhr Conway fort, „mu? ich Ihnen leider mitteilen, da? Sie personlich den langwierigen und emotional womoglich schmerzlichen Auswirkungen Ihrer Verletzungen nicht entkommen sind.“
Er wu?te, da? er nicht besonders feinfuhlig an das Problem heranging, aber in vielerlei Hinsicht waren die FROBs genauso offen und direkt wie die Kelgianer, wenn auch wesentlich hoflicher.
„Das kommt daher, weil wir eine Herztransplantation vornehmen mu?ten, um Sie beide am Leben zu erhalten“, erklarte er, indem er in der Hoffnung an die Mutterinstinkte der Patientin appellierte, die gute Nachricht uber den jungen Hudlarer wurde das Gefuhl des Unglucks, das sich jeden Moment bei der FROB einstellen durfte, in gewissem Ma?e verringern. „Ihr Nachkomme wird ohne Komplikationen geboren werden, gesund sein und ein ganz normales Leben auf seinem Heimatplaneten oder woanders fuhren konnen. Sie werden dazu leider nicht mehr in der Lage sein.“
Mit vibrierender Sprechmembran stellte die Hudlarerin die erwartete Frage.
Bevor er antwortete, dachte Conway einen Moment lang nach, weil er keine zu elementare Erklarung geben wollte. Die Hudlarerin war eine Bergbauspezialistin und hochintelligent; ansonsten hatten sie und ihr Lebensgefahrte nicht auf den Asteroiden des Meneldensystems gearbeitet.
Folglich erklarte er FROB dreiundvierzig, da? junge Hudlarer zwar hin und wieder schwer erkranken und einige sogar sterben konnten, erwachsene hingegen niemals etwas hatten und bis zum Eintritt der Altersschwache keinerlei korperliche Schaden nahmen. Das lag daran, da? sie eine Immunitat gegen die Krankheitserreger ihres Heimatplaneten entwickelten, die so luckenlos und perfekt war, wie es bei einem rein biochemischen System uberhaupt moglich war, und damit konnte sich keine andere der Medizin der Foderation bekannte Spezies messen. Das Immunsystem der FROBs war so beschaffen, da? es keiner, wie auch immer beschaffenen fremden biologischen Substanz gestattete, sich mit dem Korper eines Hudlarers zu verbinden, ohne sofort mit der Abwehrreaktion zu beginnen. Zum Gluck lie? sich das ubergrundliche Immunsystem, wenn notig, neutralisieren, und dazu bestand unter anderem dann Veranlassung, wenn lebenswichtige Organe oder Glieder von einem Spender eingepflanzt beziehungsweise angenaht werden mu?ten.
Conway hatte versucht, den Sachverhalt so einfach und genau wie moglich zu erklaren, doch es war offensichtlich, da? FROB dreiundvierzig mit den Gedanken ganz woanders war.
„Was ist mit meinem Lebensgefahrten?“ erkundigte sie sich angstlich, als ob Conway nie etwas gesagt hatte.
Vorubergehend nahm vor Conways geistigem Auge ein Bild des ubel zugerichteten Korpers von FROB achtzehn Gestalt an, das zwischen ihm und der Patientin zu schweben schien. Sein eigenes medizinisches Wissen und das seines hudlarischen Gehirnpartners fuhrten dazu, da? ihm der Fall plotzlich sehr naheging. Schlie?lich rausperte er sich verlegen und entgegnete: „Es tut mir au?erordentlich leid, aber Ihr Lebensgefahrte war so schwer verletzt, da? wir ihn nicht am Leben erhalten, geschweige denn operativ heilen konnten.“
„Er hat uns mit seinem Korper zu schutzen versucht. Wu?ten Sie das?“ seufzte die Hudlarerin.
Conway nickte mitfuhlend und begriff dann, da? einem FROB die geringfugige Bewegung eines terrestrischen Kopfs nichts sagte. Die nachsten Worte wahlte er sorgfaltig, denn er war sich sicher, da? FROB dreiundvierzig auf eine emotionale Behandlung des Themas au?erst empfindlich reagieren konnte — schlie?lich war sie durch den erst kurzlich erfolgten umfangreichen operativen Eingriff stark geschwacht, stand kurz vor der Geburt ihres Nachkommen und der darauffolgenden Zugehorigkeit zum mannlichen Geschlecht. Nach Ansicht seines hudlarischen Alter ego konnte das schlimmstenfalls zu vorubergehenden psychischen Qualen fuhren, wahrend seine eigene Erfahrung mit fremden Lebensformen in ahnlichen Situationen darauf hindeutete, da? er vielleicht etwas Gutes tat. Doch fur die Patientin waren die Umstande einzigartig, so da? sich Conway uber gar nichts sicher sein konnte.
Uber eins war er sich allerdings ganz sicher. Irgendwie mu?te er die Patientin davon abhalten, in zu starke Selbstbetrachtung uber die eigene Lage zu versinken, damit sie mehr an ihr ungeborenes Kind dachte als an sich selbst, wenn sie mit den wirklich schlechten Nachrichten konfrontiert wurde. Aber bei dem Gedanken, die Empfindungen der FROB in dieser Weise zu beeinflussen, kam er sich im wahrsten Sinne des Wortes wie eine au?erst niedrige Lebensform vor, irgendwo auf der Stufe einer terrestrischen Laus.
Er fragte sich, warum er nicht daran gedacht hatte, vor dem weiteren Vorgehen den Fall mit O'Mara zu besprechen — ernst genug, um den Chefpsychologen zu Rate zu ziehen, konnte die Sache allemal werden. Wenn er die Situation jetzt vermasselte, ware er moglicherweise trotzdem noch gezwungen, sich an O'Mara zu wenden.
„Wir wissen alle, da? Ihr Lebensgefahrte versucht hat, Sie zu schutzen“, sagte er schlie?lich. „Unter Spezies von hoherer Intelligenz ist diese Form des Verhaltens verbreitet, insbesondere, wenn sich das betreffende Wesen opfert, um das Leben des Partners oder eines Kinds zu retten. In diesem Fall konnte Ihr Lebensgefahrte beides retten und hat uberdies dazu beigetragen, zwei schwerverwundeten Unfallopfern — eins davon sind Sie — das Leben und die uneingeschrankte Bewegungsfahigkeit zu erhalten, die andernfalls trotz seines fruheren Opfers gestorben waren.“
Diesmal hort die Patientin genau zu, ermahnte er sich in Gedanken.
„Ihr Lebensgefahrte hat die unverletzten Gliedma?en und eins seiner Absorptionsorgane dem Patienten gespendet, den Sie am anderen Ende der Station sehen konnen“, fuhr Conway fort. „Dieser Patient wird, genau wie Sie, bis auf einige lastige Einschrankungen, was die Umweltbedingungen und Unternehmungen innerhalb einer Gruppe von Mitgliedern der eigenen Spezies betrifft, in einem fast makellosen korperlichen Gesundheitszustand weiterleben konnen. Und Ihr Lebensgefahrte hat Sie und Ihr Kind nicht nur wahrend des Unfalls geschutzt, sondern
