manchmal gleich mehrfach geistesabwesenden Vorgesetzten; sie haben keinen Grund, sich zu schamen oder unzufrieden zu sein.“

Ich bin durchgefallen, dachte Conway verbittert, und Thorny versucht jetzt, mir das so schonend wie moglich beizubringen.

„….. und auf jeden Fall besteht gute Aussicht, da? sie es mit der Zeit schaffen werden“, fuhr Thornnastor fort. „Deshalb darf — aus naheliegenden Grunden — mit niemand anderem als den hier Anwesenden uber die Existenz des Projekts und des Auswahlverfahrens des Chefpsychologen gesprochen werden.“

Vielleicht hatte er doch noch eine Chance, dachte Conway, zumal er von O'Maras Projekt unterrichtet worden war. Doch als O'Mara wieder das Wort ergriff, versuchte ein anderer Teil von Conways Gehirn sich trotzdem mit der sonderbaren Vorstellung eines verschwiegenen und heimlichtuerischen Thornnastors anzufreunden, der nicht als das schlimmste Klatschmaul im ganzen Hospital verschrien war.

„Es liegt nicht in unserer Absicht, Mitarbeiter uber den Stand ihrer Fachkompetenz hinaus zu befordern“, erklarte der Chefpsychologe. „Aber die an dieses Krankenhaus gestellten Anforderungen machen es fur uns notwendig, die medizinischen und“ — er warf einen raschen Blick auf Colonel Skempton — „die wartungstechnischen Mittel so weit wie moglich auszuschopfen. Hinsichtlich der Invasion von Nallajimern auf den Chalderstationen habe ich festgestellt, da? uberall eine ganze Menge zusatzlicher Sorgfalt aufgewandt wird und es sich gunstig auf die Arzt-Patienten-Beziehung auswirkt, wenn ein Arzt oder eine Schwester von dem Patienten mehr gefahrdet ist als der Patient von der Krankheit oder, wie es auf den Chlorstationen der Fall sein wird, die blo?e Korpermasse der Krankenpfleger fur den Patienten eine gro?ere Gefahr darstellt als die Krankheit selbst.

Und wo wir gerade bei dem Projekt sind“, fuhr O'Mara fort, „ich habe eine kurze Liste mit Namen von Arzten erstellt, die, nach meiner Meinung und abhangig von Ihrer Beurteilung der jeweiligen Fachkompetenz, die Beforderung zum Chefarzt verdient haben. Dabei handelt es sich um die Arzte Seldal, Westimorral, Shu und Tregmar. Ein Chefarzt, dessen Beforderung zum Diagnostiker in Erwagung gezogen werden sollte, ist naturlich Prilicla. Ihr Mund steht offen, Conway. Mochten Sie irgendeine Bemerkung machen?“

Conway schuttelte den Kopf und stammelte: „Ich. ich bin nur uberrascht, da? ein Cinrussker ernsthaft in Betracht gezogen wird. Er ist sehr empfindlich und furchtbar schuchtern, und au?erdem wurde ihn das durch die verschiedenen Personlichkeiten im Kopf hervorgerufene Durcheinander in Gefahr bringen. Aber als Freund stehe ich naturlich voll auf seiner Seite und wurde nicht wollen.“

„Unter den Mitarbeitern des Hospitals gibt es niemanden, der nicht auf Priliclas Seite steht“, unterbrach Thornnastor ihn schwerfallig.

Wie Conway wu?te, starrte ihn O'Mara mit Augen an, die einen so scharf analytischen Verstand enthullten, da? der Chefpsychologe das besa?, was man fast als telepathische Fahigkeiten bezeichnen konnte. Conway war froh, da? sein empathischer Freund nicht anwesend war, denn seine Gedanken und Empfindungen waren nichts, auf das man stolz sein konnte: Es handelte sich um eine Mischung aus verletztem Stolz und Eifersucht. Nicht, da? er auf Prilicla neidisch gewesen ware oder ihn in irgendeiner Weise hatte herabsetzen wollen. Er war ehrlich erfreut, da? der Cinrussker so gute Zukunftsaussichten hatte. Aber die Vorstellung, da? der Empath fur eine Position unter der Elite des Hospitals herangezogen wurde, wahrend er selbst durchaus nur ein fahiger und angesehener Chefarzt bleiben konnte.

„Conway“, sagte O'Mara leise. „Ich schlage vor, Sie erklaren mir, warum Prilicla fur den Dienstgrad eines Diagnostikers in Betracht gezogen werden sollte. Seien Sie so voreingenommen oder unvoreingenommen wie Sie wollen.“

Einige Sekunden lang schwieg Conway, wahrend er sich sowohl in den Gehirnaufzeichnungen seiner Alter egos als auch im eigenen Kopf um Objektivitat bemuhte — wenn er an Belanglosigkeiten dachte, brachten seine Gehirnpartner immer wieder ihre Bagatellen vor. Schlie?lich sagte er: „Die zusatzliche korperliche Verletzungsgefahr ist vielleicht gar nicht so gro?, weil Prilicla schon sein ganzes Leben lang physischen und psychologischen Gefahren aus dem Weg geht, und dieser Zustand wurde sich fortsetzen, selbst wenn er anfangs von einer Reihe von Gehirnpartnern durcheinandergebracht werden konnte. Diese Verwirrung mag nicht so schlimm sein, wie ich zuerst angenommen habe, da er als Empath bereits mit den Empfindungen einer au?erst gro?en Bandbreite verschiedener physiologischer Typen vertraut ist, und es ist ja gerade das Vorhandensein dieser fremdartigen Gedanken und Gefuhle, die bei uns Nichtempathen die gro?te geistige Verwirrung hervorrufen.

Im Laufe meiner langjahrigen engen Zusammenarbeit mit Prilicla habe ich die Anwendung seiner speziellen Talente beobachtet und dabei festgestellt, da? er in immer gro?erem Ma?e Verantwortung ubernommen hat, die ihm oft starke emotionale Beschwerden bereitete“, fuhr Conway fort. „Als letztes hat er die Bergung beim Unfall im Meneldensystem organisiert und geleitet und wertvolle Hilfe bei der Entbindung des Ungeborenen geleistet. Ich kann mir niemanden vorstellen, der die Gogleskanerin Khone nach ihrem Eintreffen besser beruhigen konnte und.“

Da er merkte, da? er vom Thema abkam, brach er den Satz ab und erklarte abschlie?end einfach: „Ich glaube, Prilicla wird ein guter Diagnostiker.“

Im stillen fugte er hinzu: Ich wunschte, es ware jemand hier, der uber mich etwas Nettes sagen wurde.

Der Chefpsychologe musterte ihn mit einem langen, forschenden Blick und sagte dann: „Schon, da? wir einer Meinung sind, Conway. Dieser kleine Empath kann sowohl seinen Untergebenen als auch seinen Vorgesetzten Hochstleistungen abverlangen, und zwar ohne dabei das kleinste bi?chen unangenehm zu werden, wie es einige von uns nicht vermeiden konnen.“ Er lachelte sauerlich und sagte dann: „Trotzdem braucht Prilicla noch mehr Zeit. Er mu? wenigstens noch ein Jahr als Leiter des medizinischen Teams auf der Rhabwar arbeiten und zwischen den Rettungseinsatzen zusatzliche Verantwortung auf den Stationen ubernehmen.“

Conway schwieg, und O'Mara setzte seine Ausfuhrungen fort. „Wenn Ihre FOKT-Freundin im Hospital aufgenommen worden ist und sie mir fur die gesamte Palette psychologischer Tests zur Verfugung steht, wird es mir mit ziemlicher Sicherheit gelingen, die Eindrucke auszuloschen, die Sie in Khones Kopf hinterlassen haben und Khone in Ihrem. Ich will jetzt nicht auf Einzelheiten eingehen, aber diese storenden gogleskanischen Empfindungen werden Sie nicht mehr allzu lange belasten.“

O'Mara blickte ihn offenbar in Erwartung eines dankbaren Worts oder irgendeiner Antwort neugierig an, aber Conway brachte keinen Ton heraus. Er dachte uber das einsame, geduldige, von Alptraumen verfolgte und dennoch nicht ganz ungluckliche Individuum nach, das die Gedanken mit ihm teilte und seine Handlungen beeinflu?te, und das manchmal auf so feine Weise, da? er es kaum bemerkte, und er dachte daruber nach, wie unkompliziert das Leben ware, wenn sein Kopf wieder einzig und allein ihm gehorte — das hei?t, bis auf die Gehirnstrome der Wesen vom Band, die jederzeit geloscht werden konnten. Er stellte sich Khone im Krankenhaus vor, die jedesmal das gro?e Zittern befallen wurde, sobald eine nichtgogleskanische Lebensform vorbeikame, was im Orbit Hospital sehr oft geschah, und er erwog die Bedeutung, die ihr Besuch fur das Finden einer Losung der bei der gesamten Spezies verbreiteten Psychose hatte. Aber hauptsachlich dachte er an Khones einzigartige Fahigkeit, die Gedanken in den Hintergrund zu rucken und aufzusplittern, und an ihren bestandig von Neugier und Vorsicht bestimmten Standpunkt, der in Conway den Wunsch erweckte, all seine Gedanken und Handlungen noch einmal zu uberprufen, und der nach der Umsetzung von O'Maras Vorschlag nicht mehr da ware, um ihn zu bremsen. Schlie?lich seufzte er und entgegnete bestimmt: „Nein, die mochte ich behalten.“

Von der Tischrunde wurden eine ganze Reihe unubersetzbarer Laute ausgesto?en, wahrend O'Mara Conway weiterhin unerschrocken musterte.

Schlie?lich brach Colonel Skempton das Schweigen. „Welche besonderen Probleme kommen durch diese Gogleskanerin auf meine Abteilung zu?“ erkundigte er sich. „Nach dem Beschutzer und dem Kraftraum fur das Junge und der plotzlich immens steigenden Nachfrage nach Gliedma?enprothesen fur Hudlarer wurde ich es vorziehen, wenn.“

„Es gibt keine besonderen Anforderungen, Colonel“, unterbrach ihn Conway lachelnd, „bis auf einen kleinen Isolierraum mit einer beschrankten Besucherliste und der normalen Umgebung fur einen warmblutigen S auerstoffatmer.“

„Na, dem Himmel sei Dank!“ rief Skempton erleichtert aus.

„Und was die Prothesen fur Hudlarer betrifft“, meldete sich Thornnastor zu Wort, wobei er ein Auge auf den Colonel richtete, „wird es wegen der von Conway angeregten Amputationen bei noch nicht alterskranken Hudlarern, die inzwischen die Zustimmung des Chefpsychologen und offenbar auch die aller alternden FROBs

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