personlichen Vorlieben und E?gewohnheiten der mehr als sechzig verschiedenen Spezies nicht ausklammerte, aus denen sich die Galaktische Foderation zusammensetzte.

Mit aller Kraft bemuhte er sich, Creethar begreiflich zu machen, da? Wemar nur ein bewohnter Planet von vielen hundert war. Gleichzeitig hoffte er, da? sich unter den fremden intelligenten Spezies, die er beschrieb, eine befand, die den Wemarern von der Gesellschaft her so ahnlich war, da? der Anfuhrer der Jager emotional oder verbal auf eine Weise reagierte, durch die Prilicla oder er selbst einen Ri? in die Mauer des Schweigens schlagen konnten.

Doch Creethars emotionale und verbale Reaktionen blieben unverandert.

„Ich spure und teile Ihre Enttauschung ebenfalls, Freund Gurronsevas“, meldete sich Prilicla. „Creethar verfolgt Ihre Erzahlungen mit starkem Interesse und gro?er Neugier. Zudem nehme ich bei ihm ein noch starkeres Gefuhl der Dankbarkeit Ihnen gegenuber wahr, weil Sie ihn von einigen ernsthaften personlichen Problemen ablenken. Doch seine Verzweiflung, Wut und Angst sind noch immer vorhanden und durch alles, was Sie gesagt haben, zwar verringert, aber nicht verandert worden.

Die starkste Empfindung des Patienten ist im Moment die der Freundschaft mit Ihnen“, fuhr der Empath fort. „Sie sind sich dessen vielleicht gar nicht bewu?t, aber Sie haben fur ihn dasselbe Gefuhl entwickelt, genauso, wie es Ihnen nach langerem Kontakt mit seinem Vater Remrath passiert ist. Doch jetzt spure ich sowohl beim Patienten als auch bei Ihnen eine zunehmende Mudigkeit. Nach einer Pause ergibt sich vielleicht von selbst eine neue Herangehensweise an das Problem.“

„Creethar soll in weniger als sieben Stunden entlassen werden“, gab Gurronsevas zu bedenken. „Ich glaube, es ist ubertrieben vorsichtig von uns gewesen, ihm seine bevorstehende Entlassung zu verheimlichen. Jetzt ist der Moment, um es ihm mitzuteilen. Wir haben nur wenig zu verlieren.“

In einem freundlich tadelnden Ton entgegnete Prilicla: „Ich kann Ihre Enttauschung spuren und nachempfinden, mein Freund, aber jedes Mal, wenn Sie das Thema seiner Ruckkehr zur Mine auch nur angedeutet haben, ist es bei Creethar zu einer ablehnenden Gefuhlsreaktion gekommen, an die sich ein langes, verargertes Schweigen angeschlossen hat. Wir haben sehr wohl viel zu verlieren.“

Einen Augenblick lang schwieg Gurronsevas, dann sagte er: „Sie behaupten, Creethar und ich empfinden freundschaftliche Gefuhle fureinander. Aber konnen Sie mir auch sagen, ob wir gut genug befreundet sind, um uns gegenseitig vaser schlechtes Benehmen, die Beleidigungen oder die unbeabsichtigten verletzenden Worte zu verzeihen?“

Ohne Zogern antwortete der Empath: „Ich kann Ihre Entschlossenheit spuren. Sie werden Creethar uber seine Entlassung informieren, egal, was ich antworte. Viel Gluck, mein Freund.“

Einen Augenblick lang sagte Gurronsevas nichts und versuchte, Worte zu finden, die passend waren und schon im voraus alles entschuldigten, womit er diesen seltsamen Wemarer, der sein Freund geworden war, moglicherweise verletzte. Dann sagte er: „Es gibt vieles, das ich Ihnen sagen mochte, Creethar, und eine Menge Fragen, die ich Ihnen gerne stellen wurde. Das habe ich bisher noch nicht getan, weil Sie jedes Mal, wenn ich es versucht habe, wutend geworden sind und nicht mehr mit mir sprechen wollten. Auch Remrath will kein Wort mehr mit mir wechseln und hat den Fremdweltlern aus Grunden, die wir nicht verstehen, sogar verboten, die Mine noch einmal zu betreten. Doch jetzt bleiben uns nur noch wenige Stunden, um uns zu unterhalten und um uns gegenseitig Fragen zu stellen und Antworten zu geben.“

„Seien Sie vorsichtig“, warnte ihn Prilicla. „Creethars emotionale Ausstrahlung verandert sich, und zwar nicht zum Besseren.“

„Ihre Verletzungen und Infektionen sind geheilt beziehungsweise abgeklungen“, fuhr Gurronsevas vorsichtig fort, „und Ihre korperliche Verfassung ist so gut, wie es in unseren Kraften steht. Sie werden noch vor der Mittagszeit zu Ihren Freunden zuruckkehren konnen.“

Plotzlich warf sich Creethar mit dem Korper gegen die Haltegurte — das hatte er schon seit vielen Tagen nicht mehr getan—, und wurde dann wieder ruhig. Ruckartig wandte er Gurronsevas das Gesicht zu, hielt die Augen dabei jedoch fest geschlossen. Der Tralthaner fragte sich, was fur eine dumme fremdenfeindliche Regung oder kulturelle Geisteshaltung eine derart heftige Reaktion in einem Kopf hervorrufen konnte, den er als intelligent und kultiviert kannte und in vieler Hinsicht bewunderte. Er war zwar kein Empath, doch Priliclas nachste Bemerkung bestatigte nur, was er bereits wu?te.

„Der Patient ist sehr beunruhigt“, erklarte der Cinrussker in eindringlichem Ton. „Die freundschaftlichen Gefuhle, die er Ihnen entgegenbringt, werden durch den Ausbruch eines Gefuhlsgemischs aus Angst, Wut und Verzweiflung verdrangt, das Creethar schon vorher einmal zu schaffen gemacht hat. Doch er bemuht sich mit aller Kraft, diese negativen Empfindungen Ihnen gegenuber zu uberwinden. Konnen Sie nicht irgend etwas sagen, das ihm dabei hilft? Seine Anspannung nimmt standig zu.“

Unhorbar stie? Gurronsevas ein Wort aus, das in den Mund zu nehmen ihm als Kind verboten worden war und das er auch als Erwachsener nur selten gebraucht hatte. Auf die eigentlich gute Nachricht reagierte der Patient vollig verkehrt, und plotzlich war der Tralthaner nicht nur vollig verunsichert, sondern auch wutend daruber, da? er einen Freund qualte, ohne zu wissen wie und weshalb. In jeder anderen Hinsicht verliefen Creethars Gedankengange und das Gesprach mit ihm ganz normal, doch in dieser einen Beziehung war der Wemarer Gurronsevas vollkommen fremd. Oder waren es die medizinischen Mitarbeiter und sogar er selbst, die in dieser Hinsicht etwas Fremdes an sich hatten? Und wenn ja, warum?

Er ubersah etwas, dessen war er sich ganz sicher — irgendeinen grundlegenden Unterschied, der sowohl einfach als auch au?erst wichtig war. In den Tiefen seines Gehirns begann ihm eine Ahnung aufzusteigen, doch der Versuch, sie ans Licht zu zerren, schien sie nur wieder weiter zuruckzudrangen. Er wollte Prilicla um Rat bitten, doch ihm war klar, da? Creethar denken wurde, er habe Geheimnisse vor ihm, wenn er den Translator zu diesem Zweck abschaltete — und das ware im Moment genau das Falsche gewesen.

Da Gurronsevas nicht wu?te, was er sagen sollte, sprach er einfach das aus, was er empfand.

„Creethar“, fuhr er fort, „ich bin verwirrt und habe Schuldgefuhle, weil ich Ihnen solche psychischen Qualen bereite. Es tut mir sehr, sehr leid. Irgendwie ist es mir nicht gelungen, Sie zu verstehen. Aber glauben Sie mir bitte, es ist weder jetzt noch fruher meine Absicht oder die der anderen auf dem Schiff gewesen, Sie zu verletzen. Trotzdem haben wir und insbesondere ich Ihnen aus Unwissenheit und mangelnder Sensibilitat damals wie heute psychischen Kummer bereitet. Kann ich mich dafur irgendwie entschuldigen oder etwas sagen oder tun, um Sie davon zu befreien?“

Creethars Korper spannte sich zwar an, zerrte diesmal aber nicht an den Haltegurten. „Fur ein derart furchteinflo?endes Lebewesen konnen Sie in manchen Momenten ganz schon sensibel sein, wenn Sie auch in anderen wieder schrecklich gefuhllos sind. Es gibt etwas, das Sie fur mich tun konnen, Gurronsevas, aber ich schame mich, es auszusprechen. Der Gefallen gehort nicht zu denen, um die man einen Verwandten oder einen engen Freund bittet, ja nicht einmal einen au?erplanetarischen Freund wie Sie, denn er ware fur den Betreffenden zu bedruckend.“

„Nennen Sie ihn mir, mein Freund, und ich werde Ihnen den Gefallen tun“, versprach Gurronsevas in bestimmtem Ton.

„Wenn. wenn meine Zeit kommt“, sagte Creethar mit kaum vernehmbarer Stimme, „wurden Sie mir dann weiterhin von den Wundern erzahlen, die Sie auf anderen Planeten gesehen haben, und bis zum Ende bei mir bleiben?“

Die kurze Stille, die sich nun anschlo?, wurde von Prilicla unterbrochen. „Gurronsevas, warum sind Sie so. so froh?“ fragte er.

„Lassen Sie mir ein paar Minuten Zeit, um mich mit Creethar zu unterhalten“, bat Gurronsevas. „Dann werden Creethar und Sie alle ebenfalls froh sein.“

32. Kapitel

Da man das Sonnenverdeck des Krankentransporters, in dem Creethar lag, ganz geschlossen hatte, war der Anfuhrer der Jager allen Blicken entzogen. Als Prilicla gesagt hatte, es sei nur angemessen, wenn Gurronsevas und niemand sonst Creethar zum Mineneingang begleite, waren einzig von Naydrad Einwande gekommen, die der Gedanke beunruhigt hatte, ein Fahrzeug mit Schwerkraftneutralisatoren von einem ungeubten Fahrer lenken zu lassen.

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