Der gienge drauf! «Mein Gluck!» Die Tauben von San Marco seh ich wieder: Still ist der Platz, Vormittag ruht darauf. In sanfter Kuhle schick' ich mussig Lieder Gleich Taubenschwarmen in das Blau hinauf — Und locke sie zuruck, Noch einen Reim zu hangen in's Gefieder — mein Gluck! Mein Gluck! Du stilles Himmels-Dach, blau-licht, von Seide, Wie schwebst du schirmend ob des bunten Bau's, Den ich — was sag ich? — liebe, furchte, neide… Die Seele wahrlich trank' ich gern ihm aus! Gab' ich sie je zuruck? — Nein, still davon, du Augen-Wunderweide! — mein Gluck! Mein Gluck! Du strenger Thurm, mit welchem Lowendrange Stiegst du empor hier, siegreich, sonder Muh! Du uberklingst den Platz mit tiefem Klange Franzosisch, warst du sein accent aigu? Blieb ich gleich dir zuruck, Ich wusste, aus welch seidenweichem Zwange… — mein Gluck! Mein Gluck! Fort, fort, Musik! Lass erst die Schatten dunkeln Und wachsen bis zur braunen lauen Nacht! Zum Tone ist's zu fruh am Tag, noch funkeln Die Gold-Zieraten nicht in Rosen-Pracht, Noch blieb viel Tag zuruck, Viel Tag fur Dichten, Schleichen, Einsam-Munkeln — mein Gluck! Mein Gluck! Nach neuen Meeren. Dorthin- will ich; und ich traue Mir fortan und meinem Griff. Offen liegt das Meer, in's Blaue Treibt mein Genueser Schiff. Alles glanzt mir neu und neuer, Mittag schlaft auf Raum und Zeit Nur dein Auge — ungeheuer Blickt mich's an, Unendlichkeit! Sils-Maria. Hier sass ich, wartend, wartend, — doch auf Nichts, Jenseits von Gut und Bose, bald des Lichts Geniessend, bald des Schattens, ganz nur Spiel, Ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel. Da, plotzlich, Freundin! wurde Eins zu Zwei — Und Zarathustra gieng an mir vorbei… An den Mistral. Ein Tanzlied. Mistral-Wind, du Wolken-Jager, Trubsal-Morder, Himmels-Feger, Brausender, wie lieb' ich dich! Sind wir Zwei nicht Eines Schoosses Erstlingsgabe, Eines Looses Vorbestimmte ewiglich? Hier auf glatten Felsenwegen Lauf' ich tanzend dir entgegen, Tanzend, wie du pfeifst und singst: Der du ohne Schiff und Ruder Als der Freiheit freister Bruder Ueber wilde Meere springst. Kaum erwacht, hort' ich dein Rufen, Sturmte zu den Felsenstufen, Hin zur gelben Wand am Meer. Heil! da kamst du schon gleich hellen Diamantnen Stromesschnellen Sieghaft von den Bergen her. Auf den ebnen Himmels-Tennen Sah ich deine Rosse rennen, Sah den Wagen, der dich tragt, Sah die Hand dir selber zucken, Wenn sie auf der Rosse Rucken Blitzesgleich die Geissel schlagt, — Sah dich aus dem Wagen springen, Schneller dich hinabzuschwingen, Sah dich wie zum Pfeil verkurzt Senkrecht in die Tiefe stossen, — Wie ein Goldstrahl durch die Rosen Erster Morgenrothen sturzt. Tanze nun auf tausend Rucken, Wellen-Rucken, Wellen-Tucken — Heil, wer neue Tanze schafft! Tanzen wir in tausend Weisen, Frei — sei unsre Kunst geheissen,
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