“Wem die Märe kund ist, der lasse sich befragen. Wo ich den König finde, das soll man mir sagen, Gunther den reichen aus Burgondenland.” Da saget' es ihm einer, dem es wohl war bekannt. (80) “Wollt ihr den König finden, das mag gar wohl geschehn. In jenem weiten Saale hab ich ihn gesehn Unter seinen Helden; da geht zu ihm hinan, So mögt ihr bei ihm finden manchen herrlichen Mann.” (81) Nun war auch dem König die Märe schon gesagt, Dass gekommen wären Ritter unverzagt: Sie führten reiche Harnische und herrliche Gewand; Sie erkenne niemand in der Burgonden Land. (82) Den König nahm es Wunder, woher gekommen sei'n Die herrlichen Recken im Kleid von lichtem Schein, Und mit so guten Schilden, so neu und so breit: Dass ihm das niemand sagte, das war König Gunthern leid. (83) Da sprach zu dem König von Metz Herr Ortewein, Reich und kühnes Mutes mochte der wohl sein: “Da wir sie nicht erkennen, so heißet jemand gehn Nach meinem Oheim Hagen: dem sollt ihr sie lassen sehn. (84) “Dem sind wohl kund die Reiche und alles fremde Land: Hat er von ihnen Kunde, das mach er uns bekannt.” Der König ließ ihn holen und die in seinem Lehn: Man sah ihn stolzes Schrittes mit Recken nach Hofe gehn. (85) Warum nach ihm der König, frug Hagen da, gesandt? “Es sind in meinem Hause Degen unbekannt, Die niemand weiß zu nennen: Habt ihr sie je gesehn, Das sollst du mir, Hagen, nach der Wahrheit gestehn.” (86) “Das will ich,” sprach Hagen. Zum Fenster schritt er drauf, Da ließ er nach den Gästen den Augen freien Lauf. Es gefiel ihm ihr Geräte und auch ihr Gewand; sie waren ihm gar fremde in der Burgonden Land. (87) Er sprach: “Woher die Recken auch kamen an den Rhein, Es mögen selber Fürsten oder Fürstenboten sein. Schön sind ihre Rosse und ihr Gewand ist gut; Von wannen sie auch kommen, es sind Helden hochgemut.” (88) Also sprach da Hagen: “Ich will euch gestehn, Ob ich gleich im Leben Siegfrieden nicht gesehn, So will ich doch wohl glauben, wie es damit auch steht, Dass er es sei, der Degen, der so herrlich dorten geht. (89) “Er bringet neue Märe her in dieses Land: Die kühnen Nibelungen schlug des Helden Hand, Die reichen Königssöhne Silbung und Nibelung; Er wirkte große Wunder mit des starken Armes Schwung. (90) “Als der Held alleine ritt ohne Hilf und Macht, Fand er an einem Berge, so ward mir hinterbracht, Bei König Niblungs Horte gar manchen kühnen Mann; Sie waren ihm gar fremde, bis er hier die Kunde gewann. (91) “Der Hort König Niblungs ward hervor getragen aus einem hohlen Berge: Nun höret Wunder sagen, Wie ihn teilen wollte der Nibelungen Bann. Das sah der Degen Siegfried, den es zu wundern begann. (92) “So nahe kam er ihnen, dass er die Degen sah Und ihn die Helden wieder. Der eine sagte da: Hier kommt der starke Siegfried, der Held aus Niederland. Seltsame Abenteuer er bei den Nibelungen fand. (93) “Den Recken wohl empfingen Schilbung und Nibelung. Einhellig baten die edeln Fürsten jung, Dass ihnen teilen möchte den Hort der werte Mann: Das begehrten sie, bis endlich ers zu geloben begann. (94) “Er sah so viel Gesteines, wie wir hören sagen, Hundert Doppelwagen, die möchten es nicht tragen; Noch mehr des roten Goldes von Nibelungenland: Das alles sollte teilen des kühnen Siegfriedes Hand. (95) “Sie gaben ihm zum Lohne König Niblungs Schwert: Da wurden sie des Dienstes gar übel gewährt,