Sie eilten sich zu rüsten. Als man die Fahrt begann, Die Fahne musste führen Volker der kühne Mann; So wollten sie von Wormes reiten überrhein: Hagen von Tronje, der musste Scharmeister sein. (177) “Herr König,” sprach da Siegfried, “bleibet ihr zu Haus, Da mir eure Degen folgen zu dem Strauß, So weilet bei den Frauen und traget hohen Mut: Ich will euch wohl behüten die Ehre und auch das Gut. (178) Die euch heimsuchen wollen zu Wormes an dem Rhein, Dass sie zu Hause bleiben, will ich ihr Hüter sein: Wir wollen ihnen reiten so nah ins eigne Land, Dass ihnen bald in Sorge der Übermut wird gewandt.” (179) Vom Rheine sie durch Hessen mit ihren Helden ritten Nach dem Sachsenlande: da wurde bald gestritten. Mit Raub und mit Brande verheerten sie das Land, Dass bald den Fürsten beiden ward Not und Sorge bekannt. (180) Sie kamen an die Marke; die Knechte rückten an. Siegfried der Starke zu fragen da begann: “Wer soll nun der Hüter des Gesindes sein?” Wohl konnte nie den Sachsen ein Heerzug übler gedeihn. (181) Sie sprachen: “Lasst des Volkes hüten auf den Wegen Dankwart den kühnen, das ist ein schneller Degen: Wir verlieren desto minder durch die in Lüdgers Lehn; Lasst ihn mit Ortweinen hie die Nachhut versehn.” (182) “So will ich selber reiten,” sprach Siegfried der Degen, “Den Feinden gegenüber der Warte zu pflegen, Bis ich recht erkunde, wo die Recken sind.” Da stand bald in den Waffen der schönen Sieglinde Kind. (183) Das Volk befahl er Hagen als er zog hindann, Und auch Gernoten, diesem kühnen Mann. So ritt er ganz alleine in der Sachsen Land; Da ward von ihm verhauen des Tages manches Helmes Band. (184) Er sah ein groß Geschwader, das auf dem Felde zog, Und eines einzeln Kräfte gewaltig überwog: Es waren vierzigtausend oder wohl noch mehr; Siegfried in hohem Mute sah gar fröhlich das Heer. (185) Auch hatte sich ein Recke aus der Feinde Schar Erhoben auf die Warte, der Macht heilt immerdar: Den sah der Degen Siegfried, und ihn der kühne Mann; Jedweder da des andern mit Zorn zu hüten begann. (186) Ich sag euch, wer der wäre, der hier der Warte pflag; Ein lichter Schild von Golde vor der Hand ihm lag; Es war der König Lüdegast, der hütete sein Heer. Der edle Fremdling sprengte gewaltig auf ihn daher. (187) Nun hatt auch ihn sich Lüdegast feindlich auserkoren; Ihre Rosse reizten beide zur Seite mit den Sporen, Sie neigten auf die Schilde den Schaft mit aller Kraft: Da kam der reiche König davon in großer Sorgen Haft. (188) Dem Stich gehorsam trugen die Rosse pfeilgeschwind Die Könge zueinander, als wehte sie der Wind: Dann mit den Zäumen lenkten sie ritterlich zurück: Die grimmen zwei versuchten da mit dem Schwerte das Glück. (189) Da schlug der Degen Siegfried, dass rings das Feld erklang. Da stoben aus dem Helme, als ob man Brände schwang, Die feuerroten Funken von des Helden Hand; Den seinen jedweder an dem andern wieder fand. (190) Da schlug auch ihm Herr Lüdegast gar manchen grimmen Schlag; Jedweder auf dem Schilde mit allen Kräften lag. Da hatten es wohl dreißig gewahrt aus seinem Bann: Eh die zu Hilfe kamen den Sieg doch Siegfried gewann. (191) Mit dreien starken Wunden, die er dem König schlug, Durch einen weißen Harnisch; der war doch fest genug. Das Schwert mit seiner Schärfe entlockte Wunden Blut; Da gewann der König Lüdegast einen traurigen Mut. (192) Er bat ihn um sein Leben und bot ihm all sein Land,