Und sagt' ihm wie er wäre Lüdegast genannt. Da kamen seine Recken, die hatten wohl gesehn Was da von ihnen beiden war auf der Warte geschehn. (193) Er wollt ihn führen dannen: Da ward er angerannt Von dreißig seiner Mannen: Doch wehrte seine Hand Seinen reichen Geisel mit ungestümen Schlägen: Bald tat noch größern Schaden Siegfried der zierliche Degen. (194) Die Dreißig da zu Tode der Degen wehrlich schlug; Ihrer einen ließ er leben: Der ritt da schnell genug Und brachte hin die Märe von dem was hier geschehn; Auch konnte man die Wahrheit an seinem roten Helme sehn. (195) Gar leid war das den Recken aus dem Dänenland, Als ihres Herrn Gefängnis ihnen ward bekannt; Man sagt' es seinem Bruder: der fing zu toben an In ungestümem Zorne, denn ihm war wehe getan. (196) Lüdegast der Recke ward hinweggebracht Zu Gunthers Ingesinde von Siegfriedens Macht; Er übergab ihn Hagen. Als ihnen ward gesagt, Dass es der König wäre, da wurde mäßig geklagt. (197) Man gebot den Burgonden: die Fahne bindet an. “Wohlauf,” sprach da Siegfried, “hier wird noch mehr getan Eh der Tag sich neiget, verlier ich nicht den Leib: Das betrübt in Sachsen noch manches waidliche Weib. (198) Ihr Helden von dem Rheine, ihr sollt mein nehmen wahr: Ich kann euch wohl geleiten zu Lüdegers Schar; Da gilts ein Helmverhauen von guter Helden Hand: Eh wir uns wieder wenden, wird ihnen Sorge bekannt.” (199) Zu den Rossen sprangen Gernot und die in seinem Bann. Bald trug die Heerfahne der kühne Fiedelmann, Volker der Herre, und ritt der Schar vorauf. Da war auch das Gesinde zum Streite mutig und wohlauf. (200) Es waren doch der Degen nicht mehr als tausend Mann, Darüber zwölf Recken. Zu stieben da begann Der Staub von den Straßen. Sie ritten über Land, Man sah von ihnen glänzen manchen schönen Schildesrand. (201) Nun waren auch die Sachsen mit ihrer Schar gekommen, Mit Schwertern wohl gewachsen, das hab ich wohl vernommen; Die Waffen schnitten mächtig den Helden an der Hand: Da wollten sie die Gäste von Burgen wehren und Land. (202) Der Herren Scharmeister führten das Volk hindann. Da war auch Siegfried kommen mit den zwölf Mann, Die er mit sich führte aus dem Niederland. Des Tags sah man im Sturme manche blutige Hand. (203) Sindold und Haunolt und auch Gernot, Sie schlugen in dem Streite viel der Helden tot, Eh sie recht erkundeten wie kühn war ihr Leib; Das musste bald beweinen gar manches waidliche Weib. (204) Volker und Hangen und auch Ortewein Löschten in dem Streite manches Helmes Schein Mit fließendem Blute, die Kühnen in der Schlacht. Von Dankwarten wurden viel große Wunder vollbracht. (205) Die vom Dänenlande versuchten ihre Hand; Von Stößen laut erschallte mancher Schildesrand, Und auch von scharfen Schwertern, deren man viel zerschlug; Die streitkühnen Sachsen taten Schadens auch genug. (206) Als die Burgonden drangen in den Streit, Von ihnen ward gehauen manche Wunde weit; Da sah man über Sättel fließen das Blut: So warben um die Ehre diese Helden kühn und gut. (207) Man hörte laut erhallen den Helden an der Hand Ihre scharfen Waffen, als die von Niederland Ihrem Herrn nachdrangen in die dichte Schar: Die Zwölfe kamen ritterlich zugleich mit Siegfrieden dar. (208) Deren von dem Rheine kam ihnen niemand nach.