Wie hart war darnieder nun ihr Übermut gelegen! (258)Den wohlerfahrnen Ärzten bot man reichen Sold,Silber ungewogen, dazu das lichte Gold,Wenn sie die Helden heilten nach des Streites NotDazu viel große Gabe der König seinen Gästen bot. (259)Wer wieder heimzureisen sann in seinem Mut,Den bat man noch zu bleiben, wie man mit Freunden tut.Der König ging zu Rate, wie er lohne seinen Bann:Sie hatten seinen Willen nach allen Ehren getan. (260)Da sprach der Herrne Gernot: “Lasst sie jetzt hindann:Über sechs Wochen, sei ihnen kund getan,Mögen sie wieder kommen zu einem Hofgelag:Heil ist dann mancher, der erst schwer verwundet lag.” (261)Da bat auch um den Urlaub Siegfried von Niederland.Als dem König Gunther sein Wille ward bekannt,Bat er ihn gar minniglich, noch bei ihm zu bestehn:Wenn nicht um seine Schwester, so wär es nimmer geschehn. (262)Dazu war er zu mächtig, dass man ihm böte Sold;Er hätt es wohl verdienet. Der König war ihm hold,Und alle seine Freunde, die das mit angesehn,Was da von seinen Händen in dem Kampfe war geschehn. (263)Um der Schönen willen er noch zu bleiben sann,Vielleicht, dass er sie sähe; was ward auch bald getan:Ganz nach seinem Wunsche ward ihm die Magd bekannt.Dann ritt er reich an Freuden heim in König Siegmunds Land. (264)Der Wirt bat alle Tage der Ritterschaft zu pflegen:Das tat mit gutem Willen mancher junge Degen;Auch ließ er Sitz' errichten vor Wormes an dem Strand,Denen die kommen sollten in der Burgonden Land. (265)Nun hatt auch in den Tagen, als sie sollten kommen,Kriemhild die schöne die Märe wohl vernommen,Er stellt ein Hofgelage mit lieben Freunden an:Da dachten schöne Frauen mit großem Fleiße daran, (266) Gewand und Band zu suchen, das sie da wollten tragen.Ute die Reiche vernahm die Märe sagenVon den stolzen Recken, die da sollten kommen:Da wurden aus der Lade viel reiche Kleider genommen. (267)Ihrer Kinder willen ließ sie bereiten manches Kleid,Womit gezieret wurden viel Fraun und manche Maid,Und viel der jungen Recken aus Burgondenland.Sie ließ auch manchem Fremden bereiten herrlich Gewand. (268)
5. Abenteuer
Wie Siegfried Kriemhilden zuerst ersah
Man sah der Helden täglich reiten an den Rhein,Die bei dem Hofgelage gerne wollten sein.Die Gunthern zu Liebe kamen in das Land,Deren bot man Etlichen so Rosse wie auch Gewand. (269)Da waren auch die Sitze allen schon erhöht,Den Höchsten und den Besten, wie die Sage geht,Zweiunddreißig Fürsten bei dem Hofgelag:Da zierten alle Frauen sich um die Wette für den Tag. (270)Da zeigte sich geschäftig der junge Geiselher.Die Heimischen und Fremden mit gütlicher GebehrEmpfing er sie mit Gernot und beider Fürsten Bann:Wohl grüßten sie die Degen, wie es nach Ehren ward getan. (271) Viel goldroter Sättel führten sie ins Land;Zierliche Schilde und herrlich GewandBrachten sie zum Rheine bei dem Hofgelag:Mancher Ungesunde der Freude von neuem pflag. (272)Die wund im Bette lagen und litten harte Not,