Er sprach in seinem Sinne: “Wie dacht ich je daran, Dass ich dich minnen sollte? Das ist ein eitler Wahn; Soll ich dich aber meiden so wär ich sanfter tot.” Er ward von Gedanken oft bleich und oft wieder rot. (290) Da sah man den Sieglinden-Sohn so minniglich da stehn, Als ob er wär entworfen auf einem Pergamen Von guten Meisters Händen: Gern man ihm gestand, Dass man nie im Leben so schönen Helden noch fand. (291) Die mit der Fraue gingen, die hießen aus den Wegen Jeden vor ihr weichen: dem folgte mancher Degen. Sie freuten sich im Herzen die Wonnigen zu schaun: Man sah in hohen Züchten viel der waidlichen Fraun. (292) Da sprach von Burgonden der Herre Gernot: “Dem Helden der so gütlich euch seine Dienste bot, Gunther, lieber Bruder, dem bietet hier den Lohn Vor allen diesen Recken: Des Rates spricht mir niemand Hohn. (293) “Heißet Siegfrieden zu meiner Schwester kommen, Dass ihn das Mägdlein grüße: Das bringt uns immer Frommen: Die niemals Recken grüßte, soll sein mit Grüßen pflegen, Dass wir uns so gewinnen diesen zierlichen Degen.” (294) Des Wirtes Freunde gingen, wo man den Helden fand; Sie sprachen zu dem Recken aus dem Niederland; “Der König hat erlaubet, ihr sollt zu Hofe gehn, Seine Schwester soll euch grüßen, die Ehre soll euch geschehn.” (295) Der Held in seinem Mute war da hoch erfreut, Er trug in seinem Herzen Liebe sonder Leid, Dass er der schönen Ute Tochter sollte sehn: Minniglicher Weise sie grüßte Siegfrieden schön, (296) Als sie den Hochgemuten vor sich stehen sah. Da erglühte seine Farbe; die Schöne sagte da: “Willkommen, Herr Siegfried, ein edler Ritter gut. Da ward ihm von dem Gruße wohl erhöhet der Mut. (297) Er neigte sich ihr minniglich, als er Dank ihr bot; Da zwnag sie zueinander sehnender Minne Not; Mit liebem Blick der Augen sahn einander an Der Held und auch das Mägdelein; das ward verstohlen getan. (298) Ward freundlich da geliebkos't ihre weiße Hand In rechter Herzensminne, das ist mir nicht bekannt. Doch kann ich auch nicht glauben, sie hättens nicht getan: Zwei liebende Herzen täten unrecht daran. (299) Zu des Sommers Zeiten und in des Maien Tagen Durft er in seinem Herzen nimmer wieder tragen So viel der hohen Wonne, als er da gewann, Da sie ihm ging zur Seite, die der Held zu minnen sann. (300) Da gedachte mancher Recke: “Hei! Wär mir so geschehn, Dass ich ihr ging zur Seite, wie ich ihn gesehn, Oder bei ihr läge! Das nähm ich gerne hin.” Es diente nie ein Recke so gut einer Königin. (301) Aus welchen Königs Landen ein Gast gekommen war, Er nahm im ganzen Saale nur dieser beiden wahr. Ihr ward erlaubt zu küssen den waidlichen Mann: Ihm ward auf dieser Erde nie so Liebes getan. (302) Von Dänemark der König begann und sprach sogleich: “Des hohen Grußes willen liegt mancher krank und bleich, Wie ich nun wohl gewahre, von Siegfriedens Hand: Gott lass ihn nimmer wieder kommen in der Dänen Land.” (303) Dass hieß man allenthalben weichen aus den Wegen Der schönen Kriemhilde: manchen kühnen Degen Sah man wohl gezogen mit ihr zur Kirche gehn. Da ward von ihr geschieden dieser Degen ausersehn. (304) Da ging sie zu dem Münster; ihr folgten viel der Fraun. Da war so wohl gezieret die Königin zu schaun, Dass da hoher Wünsche mancher ward verloren; Sie war zur Augenweide manchem Recken auserkoren. (305)
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