Da sprach der reiche Degen: “So lang mein Leben währt Seit seintwegen, Fraue, von Sorgen unbeschwert. Ich bring ihn euch geborgen wieder an den Rhein: Das dürft ihr sicher glauben.” Da dankt' ihm schön das Mägdelein. (386) Die goldfarbnen Schilde trug man an den Strand, Und brachte zu dem Schiffe all ihr Rüstgewand; Ihre Rosse ließ man bringen; sie wollten nun hindann. Alsbald von schönen Frauen großes Weinen begann. (387) Da stand in den Fenstern manch minnigliches Kind; Das Schiff mit seinem Segel ergriff ein hoher Wind. Die stolzen Heergesellen saßen auf dem Rhein; Da sprach der König Gunther: “Wer soll nun Schiffmeister sein?” (388) “Ich will es sein,” sprach Siegfried, “ich kann euch auf der Flut Wohl von binnen führen, das wisset, Helden gut; Die rechten Wasserstraßen, die sind mir wohl bekannt.” So schieden sie fröhlich aus der Burgonden Land. (389) Eine Ruderstange Siegfried bald gewann: Vom Gestad zu schieben fing er kräftig an. Gunther der Kühne ein Ruder selber nahm. Da huben sich vom Lande die schnellen Ritter lobesam. (390) Sie führten reiche Speise, dazu guten Wein, Den besten, den sie finden mochten um den Rhein. Die Rosse standen eben; sie hatten gute Ruh. Das Schifflein auch ging eben: wenig Leid stieß ihnen zu. (391) Ihre starken Segelseile wurden angestrengt: Sie fuhren zwanzig Meilen, eh sich der Tag gesenkt, Mit einem guten Winde nieder nach der See: Ihr starkes Arbeiten tat noch schönen Frauen weh. (392) An dem zwölften Morgen, wie wir hören sagen, Da hatten sie die Winde weit hinweg getragen Nach Isenstein der Veste in Brunhildens Land. Das war der Degen keinem als Siegfrieden nur bekannt. (393) Als der König Gunther so viel der Burgen sah Und auch der weiten Marken, wie balde sprach er da: “Nun sagt mir, Freund Siegfried, ist euch das bekannt? Wem sind diese Burgen und alle das herrliche Land? (394) * “Ich hab in meinem Leben, das muss ich wohl gestehn, So wohl gebauter Burgen nie so viel gesehn, In irgend einem Lande, als wir hier ersahn: Der sie erbauen konnte war wohl ein mächtiger Mann.” (395) Antwort gab ihm Siegfried: “Es ist mir wohl bekannt; Es ist Brunhilden beides, die Burgen wie das Land, Und Isenstein die Veste, glaubt mir fürwahr: Da mögt ihr heute schauen schöner Frauen große Schar. (396) “Ich will euch Helden raten: Seid all von einem Mut Und sprecht in gleichem Sinne, so dünkt es mich gut; Wenn wir nun heute vor Brunhilden gehn, So müssen wir mit Sorgen vor der Königstochter stehn. (397) “Wenn wir die Minnigliche bei ihren Leuten sehn, Sollt ihr, erlauchte Helden, nur einer Rede stehn: Gunther sei mein Herre und ich sein Untertan; So wird ihm sein Verlangen nach seinem Wunsche getan.” (398) Sie waren all willfährig zu tun wie er sie hieß, In seinem Übermute es auch nicht einer ließ, Sie sprachen, wie er wollte; wohl frommt' es ihnen da, Als der König Gunther die schöne Brunhilde sah. (399) * “Wohl tu ichs nicht so gerne um den Willen dein, Als um deine Schwester, das schöne Mägdelein: Die ist mir wie die Seele und wie mein eigner Leib; Ich will es gern verdienen, dass sie werde mein Weib.” (400)

7. Abenteuer

Wie Gunther Brunhilden gewann

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