Der Schild war untern Buckeln, so hat man uns gesagt, Von dreier Spannen Dicke; den trug hernach die Magd. An Stahl und auch an Golde war er reich genug, Den ihrer Kämmrer einer mit Mühe selbvierter trug. (449) Als der Degen Hangen den Schild hertragen sah, Wie sprach mit gemeinem Mute der Held von Tronje da: “Wie nun, König Gunther? Wie verlieren wir den Leib? Die ihr begehrt zu minnen, die ist wohl des Teufels Weib.” (450) * Nun hört von den Gewanden, woran sie reich genug: Von Azagoger Seide einen Wappenrock sie trug, Der war reich und edel, davon warf hellen Schein Von der Königstochter gar mancher herrliche Stein. (451) Da brachte man der Frauen, schwer und übergroß, Einen scharfen Wurfspieß, den sie stets verschoss, Stark und ungefüge, mächtig und breit zumal: Der hatt an seinen Seiten zwei Schneiden von scharfem Stahl. (452) Von des Spießes Schwere höret Wunder sagen: Viertehalb Stab Eisen war dazu verschlagen. Ihn trugen kaum dreie von Brunhildens Bann; Gunther der edle darum zu sorgen begann. (453) * Er dacht in seinem Sinne: Was soll dieses sein? Der Teufel aus der Hölle, wie könnt er hier gedeihn? Wenn ich lebend wieder in Burgonden wär, Ihr schüfe meine Minne wohl selten große Beschwer. (454) * Er hatt in seinen Sorgen, das wisset, Leid genug. All sein Kampfgeräte man ihm zur Stelle trug: Bald stand der reiche König in seiner Waffen Hut; Vor Leide hatte Hagen fast gar verloren den Mut. (455) Da sprach Hagens Bruder, der kühne Dankwart: “Mich reuet in der Seele diese Hofesfahrt. Die immer Recken hießen, wie verlieren wir den Leib! Soll uns in diesem Lande nun verderben ein Weib? (456) Des bin ich sehr verdrossen, dass ich kam in dieses Land. Hätte Bruder Hagen seine Waffen an der Hand Und auch ich die meinen, so sollten sich in Hut Brunhildens Recken nehmen mit all ihrem Übermut. (457) * “Sie sollten sich bescheiden, das glaubet mir nur; Hätt ich den Frieden tausendmal bestärkt mit einem Schwur, Bevor ich sterben sähe den lieben Herren mein, Das Leben müsste lassen dieses schöne Mägdelein.” (458) “Wir möchten ungefangen wohl räumen dieses Land,” Sprach sein Bruder Hagen, “hätten wir das Gewand, Das wir zum Streit bedürften und die Schwerter gut, So sollte sich wohl geben der schönen Fraue Übermut.” (459) Wohl hörte was er sagte die Fraue wohlgetan; Sie sah ihn über Achsel lachenden Mundes an. “Nun er so kühn sich dünket, so bringt doch ihr Gewand, Ihre scharfen Waffen gebt den Degen an die Hand. (460) * “Es kümmert mich so wenig, ob sie gewaffnet sind, Als ob sie bloß da stünden,” so sprach das Königskind. “Ich fürchte niemands Stärke, den ich noch je gekannt; Ich mag auch wohl genesen im Streite vor des Königs Hand.” (461) Als sie die Schwerter hatten, nach der Maid Gebot, Dankwart der kühne ward vor Freuden rot. “Nun spielet, was ihr wollet,” so sprach der Degen wert, “Gunther ist unbezwungen, wir haben wieder unser Schwert.” (462) Brunhildens Stärke zeigte sich nicht klein: Man trug ihr zu dem Kreise einen schweren Stein, Groß und ungeheuer, rund und stark und breit. Ihn trugen kaum Zwölfe dieser Degen kühn im Streit. (463) Den warf sie allerwegen, wie sie den Spieß verschoss. Darüber war die Sorge der Burgonden groß. “Wen will der König werben?”, sprach Herr Hagen laut: “Sie mag wohl in der Hölle sein des bösen Teufels Braut.” (464) An ihre weißen Arme sie die Ärmel wand,