Ich dient euch bis zum Tode,” so sprach der listige Mann. (512) Er band auch Alberichen, wie den Riesen eh: Siegfriedens Kräfte taten ihm gar weh. Der Zwerg begann zu fragen: “Wie seid ihr genannt?” Er sprach: “Ich heiße Siegfried: Ich wähnt ich wär euch bekannt.” (513) Zwerg Alberich begann da: “O wohl mir dieser Mär' Nun hab ich wohl empfunden an euern Werken hehr, Dass ihrs verdienen möget des Landes Herr zu sein. Ich tu was ihr gebietet: Lasst mir nur das Leben mein.” (514) Da sprach der Degen Siegfried: “So macht euch auf geschwind, Und bringt mir her, der Besten die im Lande sind, Tausend Nibelungen: Ich wolle hier sie sehn: So lass ich euch kein Leides an euerm Leben geschehn.” (515) Da löst' er Alberichen und den Riesen von dem Band. Hin lief der Zwerg geschwinde, wo er die Recken fand. Er weckte wohl beflissen die in Niblungs Lehn, Und sprach: “Wohlauf ihr Helden, ihr sollt zu Siegfrieden gehn.” (516) Sie sprangen von den Betten und waren gleich bereit: Tausend schnelle Ritter, die standen bald im Kleid. Sie gingen hin zur Stelle, wo man Siegfried fand: Der grüßte schön die Degen und gab Manchem die Hand. (517) Viel der Kerzen brannten; man schenkt' ihm lautern Trank: Dass sie so bald gekommen, des sagt' er Allen Dank. Er sprach: “Ihr sollt von hinnen mir folgen über Flut.” Sie waren alle willig, diese Helden kühn und gut. (518) Wohl dreißig hundert Recken waren gleich gekommen: Aus ihnen wurden tausend der Besten da genommen. Denen brachte man die Helme und ander Rüstgewand, Als er sie führen wollte hin zu Brunhildens Land. (519) Er sprach: “Ihr guten Ritter, eins will ich euch sagen: Ihr sollt mir reiche Kleider dort am Hofe tragen, Denn uns muss da schauen manch minnigliches Weib: Darum sollt ihr zieren mit gutem Staate den Leib.” (520) * Nun möchten mich die Thoren vielleicht der Lüge zeihn: “Wie könnten so viel Ritter wohl beieinander sein? Wo nahmen sie die Speise? Wo nahmen sie Gewand? Und besäß er dreißig Länder, er brächt es nimmer zu Stand. (521) * Wie reich Siegfried gewesen, das ist euch wohl bekannt. Der Hort Niblungens dient' ihm und das Königsland: Drum gab er seinen Degen völliglich genug; Es ward ja doch nicht minder wie viel man von dem Schatze trug. (522) Eines Morgens frühe begannen sie die Fahrt; Was schneller Gefährten sich Siegfried da geschart! Sie führten gute Rosse und herrlich Gewand; Sie kamen ungefährdet hin zu Brunhildens Land. (523) Da stand in den Zinnen manch minnigliches Kind. Da sprach die Königstochter: “Weiß jemand, wer die sind, Die ich dort fließen sehe so fern auf der See? Sie führen reiche Segel, die sind noch weißer als der Schnee.” (524) Da sprach vom Rhein der König: “Mein Gefolg ist dies, Das ich auf der Reise nicht weit von hier verließ: Ich habe sie besendet: Nun sind sie, Frau, gekommen.” Der herrlichen Gäste ward mit Züchten wahrgenommen. (525) Da sah man Siegfrieden im Schiffe stehn voran, In herrlichem Gewande mit manchem andern Mann. Da sprach die Königstochter: “Herr König, wollt mir sagen: Soll ich die Gäst empfangen oder ihnen Gruß versagen?” (526) “Entgegen sollt ihr ihnen vor den Pallas gehn, Ob ihr sie gerne sehet, dass sie das wohl verstehn.” Da tat die Königstochter wir ihr der König riet: Siegfrieden mit dem Gruße sie von den andern unterschied. (527) Herberge gab man ihnen und wahrte ihr Gewand. Da waren so viel Gäste gekommen in das Land,