“Willkommen, Herr Siegfried, ich bitte, sagt mir an: Wo habt ihr meinen Bruder den König hingetan? Brunhildens Stärke, fürcht ich, hat ihn uns benommen: Ihre hohe Minne wäre uns sehr zu Schaden gekommen.” (560) “Die Sorge lasset fahren: Euch und den Freunden sein Entbietet seine Dienste der Heergeselle mein: Ich verließ ihn wohl geborgen; er hat mich euch gesandt, Dass ich sein Bote würde, mit Mären her in euer Land. (561) “Nun helfet mir es fügen, wie es auch gescheh, Dass ich die Köngin Ute und eure Schwester seh: Die soll ich hören lassen, was ihnen zu wissen tut Gunther und Brunhilde: Um die Beiden steht es gut.” (562) Da sprach der junge Geiselher: “So sprecht bei ihnen an, Da habt ihr meiner Schwester einen Liebesdienst getan. Sie trägt noch große Sorge um den Bruder mein; Das Mägdlein seiht euch gerne: des will ich euch Bürge sein.” (563) Da sprach der Degen Siegfried: “Wo ich ihr dienen kann, Das soll immer treulich und willig sein getan. Wer sagt nun dass ich komme den beiden Frauen an?” Des wurde Bote Geiselher, dieser waidliche Mann. (564) Geiselher der junge sprach zu der Mutter da, Und auch zu seiner Schwester, als er die beiden sah: “Siegfried ist gekommen, der Held aus Niederland, Ihn hat mein Bruder Gunther her zu dem Rheine gesandt. (565) “Er bringt uns die Kunde, wie's um den König steht; Nun mögt ihr ihm erlauben, dass er zu Hofe geht: Er bringt die rechten Mären uns her von Isenland.” Noch war den edlen Frauen große Sorge nicht gewandt. (566) Sie sprangen nach dem Staate und kleideten sich drei Und luden Siegfrieden nach Hof zu kommen ein. Das tat der Degen williglich, weil er sie gerne sah. Kriemhild die edle sprach zu ihm in Güte da: (567) “Willkommen, Herr Siegfried, ein Ritter ohne Gleich: Wo ist mein Bruder Gunther, der edle König reich? Durch Brunhilds Stärke, fürcht ich, ist er uns verloren: O weh mir armen Mägdelein, dass ich jemals ward geboren!” (568) Da sprach der kühne Ritter: “Gebt mir Botenbrot, Ihr viel schönen Frauen weinet ohne Not. Ich verließ ihn wohl geborgen: Das tu ich euch bekannt; Sie haben mich euch Beiden mit der Märe hergesandt. (569) “Mit freundlicher Liebe, viel edle Königin mein, Entbeut euch seine Dienste er und die Traute sein: Nun lasset euer Weinen, sie wollen balde kommen.” Sie hatten lange Tage so liebe Märe nicht vernommen. (570) * Mit schneeweißem Kleide aus Augen wohlgetan Wischte sie die Tränen; zu danken hub sie an Dem Boten dieser Märe, die da war gekommen; Da war ihr große Trauer und auch ihr Weinen benommen. (571) Sie hieß den Boten sitzen: Des war er gern bereit. Da sprach die Minnigliche: “Es wäre mir nicht leid, Wenn ich euch geben dürfte zum Botenlohn mein Gold: Dazu seid ihr zu vornehm: so bleib ich sonst denn euch hold.” (572) “Und würden dreißig Lande,” sprach er, “mein genannt, So empfing' ich doch gerne Gab aus eurer Hand.” Da sprach die Tugendliche: “So soll es denn geschehn.” Da ließ sie ihren Kämmerer nach dem Botenlohne gehen. (573) Vierundzwanzig Spangen mit Edelsteinen gut Gab sie ihm zum Lohne. So stund des Helden Mut: Er wollt es nicht behalten; er gab es unverwandt Ihren schönen Maidern, die er in der Kammer fand. (574) Die Mutter bot ihm gütlich ihre Dienste an. “Ich will euch mehr berichten,” sprach der kühne Mann, “Um was der König bittet, gelangt er an den Rhein. Wenn ihr das, Fraue, leistet, er will euch stets gewogen sein. (575) “Seine reichen Gäste, hört ich ihn begehren,