* Sie frug nicht, wie ihm wäre, da sie in Ruhe lag. Da musst er hangen bleiben die Nacht bis an den Tag, Bis der lichte Morgen durchs Fenster warf den Schein: Hatt er je Kraft besessen, die ward an seinem Leibe klein. (656) “Nun sagt mir, Herr Gunther, ist euch das etwas leid, Wenn euch gebunden finden,” sprach die schöne Maid, “Eure Kämmerlinge von einer Frauen Hand?” Da sprach der edle Ritter: “Das würd euch übel gewandt. (657) Auch wär mirs wenig Ehre,” sprach der edle Mann: “Um eurer Tugend willen, nehmt mich nun bei euch an. Ist euch meine Minne denn so mächtig leid, Ich will mit meinen Händen selten rühren euer Kleid.” (658) Sie löste seine Bande: Er ging, da er befreit, Wieder an das Bette zu der edeln Maid; Er legte sich so ferne, dass er ihr Hemde fein Selten mehr berührte; auch wollte sie des ledig sein. (659) Nun kam auch ihre Gesinde, das brachte neu Gewand; Des war heute Morgen genug für sie zur Hand. Wie froh man da gebahrte, traurig war sein Mut; Der König des Landes, ihre Freude däucht ihn nicht gut. (660) Nach des Landes Sitte, die man mir Recht beging, Gunter und Brunhilde nicht länger das verhing: Sie gingen nach dem Münster, wo man die Messe sang. Dahin auch kam Herr Siegfried: Da hob sich mächtiger Drang. (661) Nach königlichen Ehren war da für sie bereit Was sie haben sollten, die Krone wie das Kleid. Da wurden sie geweiht: Als das war geschehn, Da sah man unter Krone alle viere herrlich stehn. (662) Viel Knappen wurden Ritter, sechshundert oder mehr, Das sollt ihr sicher glauben, den Königen zur Ehr. Da hob sich große Freude in Burgondenland; Man hörte Schäfte hallen an der Schwertdegen Hand. (663) Da saßen in den Fenstern die schönen Mägdelein; Sie sahen vor sich leuchten manches Schildes Schein. Da hatte sich der König getrennt von seinem Bann: Was jemand da begonnte, er sah es trauernd mit an. (664) Ihm und Siegfrieden ungleich stand der Mut; Wohl wusste was ihm fehlte der edle Ritter gut. Da ging es zu dem Könige, zu fragen er begann: “Wie ists euch heunt gelungen? Das sagt, Herr Gunther, mir an.” (665) Da sprach der Wirt zum Gaste: “Den Spott zu dem Schaden Hab ich an meiner Frauen in mein Haus geladen. Ich wähnte sie zu minnen, als sie mich mächtig band: Zu einem Nagel trug sie mich, und hing mich hoch an die Wand. (666) “Da hing ich sehr in Ängsten die Nacht bis an den Tag Eh sie mich wieder löste: Wie sanft sie da lag! Das sei dir in der Stille geklagt in Freundlichkeit.” Da sprach der starke Siegfried: “Das ist mir sicherlich leid.” (667) “Das will ich euch beweisen, verschmerzt ihr den Verdruss. Ich schaffe, dass sie heunte so nah euch liegen muss, Dass sie euch ihre Minne nicht länger vorenthält.” Die Rede hörte gerne nach seinem Leide der Held. (668) * “Nun schau meine Hände, wie die geschwollen sind: Die drückte sie so mächtig, als wär ich ein Kind, Dass das Blut mir allwärts aus den Nägeln drang. Ich hegte keinen Zweifel, mein Leben währe nicht lang. (669) * Da sprach der Degen Siegfried: “Es wird noch alles gut: Uns beiden war wohl ungleich heute Nacht zu Mut. Deine Schwester Kriemhild ist mir lieber als der Leib; Es muss Frau Brunhilde noch heute werden dein Weib.” (670) Er sprach: “Noch heunte komm ich zu euerm Kämmerlein Also wohl verborgen in der Tarnkappe mein, Dass sich meiner Künste niemand mag versehn, Lasst die Kämmerlinge zu den Herbergen gehn; (671) “So lösch ich den Kindern die Lichter an der Hand: Dass ich herein getreten sei euch dabei bekannt.