Sie umschloss mit Armen den tapferlichen Degen, Und wollt ihn auch in Bande wie den König legen, Dass sie im Bette läge mit Gemächlichkeit. Wie grimmig sie das rächte, dass er zerzerret ihr Kleid! (689) Was half ihm da die Stärke und seine große Kraft? Sie bewies dem Degen ihres Leibes Meisterschaft: Sie trug ihn übermächtig, das musste schon so sein, Und drückt' ihn ungefüge bei dem Bett an einen Schrein. (690) “Weh,” dachte Siegfried, “soll ich Leben hier und Leib Von einer Maid verlieren, so mag ein jedes Weib In allen künftgen Zeiten tragen Frevelmut Dem Manne gegenüber, die sonst wohl nimmer es tut.” (691) Der König hörte alles, er bangte für den Mann. Siegfried sich schämte, zu zürnen hub er an. Mit ungefügen Kräften ihr entgegen setzt' er sich, Dass er sich versuche an Frau Brunhilden ängstliglich. (692) * Wie sie ihn niederdrückte, sein Zorn bewirkte das Und seine starken Kräfte, dass er trotz ihrem Hass Sich aufrichten konnte; seine Angst die war groß. Sie gaben in der Kammer sich hin und her manchen Stoß. (693) * Auch litt der König Gunther Sorgen und Beschwer: Er musste manchmal flüchten vor ihnen hin und her. Sie rangen so gewaltig dass es Wunder nahm, Wenn eines vor dem andern mit dem Leben noch entkam. (694) * Den König Gunther mühte beiderseits die Not: Doch fürchtet' er am meisten Siegfriedens Tod. Wohl hätte sie dem Degen das Leben schier benommen: Durft er nur, er wäre ihm gern zu Hilfe gekommen. (695) * Gar lange zwischen ihnen dauerte der Streit, Doch bracht er an das Bette zuletzt zurück die Maid: Wie sehr sie sich auch wehrte, die Wehr ward endlich schwach. Der König in seinen Sorgen hing manchem Gedanken nach. (696) Dem König währt' es lange bis er sie bezwang. Sie drückte seien Hände, dass aus den Nägeln sprang Das Blut von ihren Kräften; das war dem Helden leid: Des starken Siegfried Kräfte, gewaltig schmerzten sie die. (697) Da griff sie nach der Seite, wo sie die Borte fand, Um ihn damit zu binden: da wehrt' es seine Hand, Dass ihr die Glieder krachten, dazu der ganze Leib. Da war der Streit entschieden: da wurde sie Gunthers Weib. (698) Sie sprach: “Edler König, das Leben schenke mir. Es wird wohl versühnet was ich getan an dir: Ich wehre mich nicht wieder der edeln Minne dein: Nun hab ichs wohl befunden, dass du magst Frauen Meister sein.” (699) Siegfried ging von dannen (liegen bleib die Maid), Als ob er abzuwerfen gedächte nur das Kleid. Er wusst ihr von den Händen einen goldnen Reif zu ziehn, Dass es nicht inne wurde diese edle Königin. (700) Auch nahm er ihren Gürtel, eine Borte gut; Ich weiß nicht, obs geschehen aus hohem Übermut. Er gab sie seinem Weibe, das ward ihm später leid. Da lagen beieinander der König und die schöne Maid. (701) * Er pflag der Frauen minniglich, wie ihm das wohl zu kam: Da musste sie verschmerzen ihren Zorn und ihre Scham. Von seinen Heimlichkeiten ihre lichte Farbe erblich; Hei! Wie von der Minne die große Kraft ihr entwich! (702) Da war auch sie nicht stärker als ein ander Weib. Minniglich liebkost' er ihren schönen Leib; Wenn sie ihm widerstände, was könnt es sie versahn? Das hatt ihr alles Gunther mit seinem Minnen getan. (703) Wie minniglich der Degen da bei der Frauen lag, In freundlicher Liebe bis an den lichten Tag! Nun ging der Herre Siegfried wieder hindann: Er wurde wohl empfangen von einer Frauen wohlgetan. (704) Er widerstand der Frage, die sie da begann;
Добавить отзыв
ВСЕ ОТЗЫВЫ О КНИГЕ В ИЗБРАННОЕ

2

Вы можете отметить интересные вам фрагменты текста, которые будут доступны по уникальной ссылке в адресной строке браузера.

Отметить Добавить цитату