Allen die's begehrten gab man da Ross und Gewand. (783) Als dem edeln König zur Reise stand der Mut, Da ließ man wieder reiten die schnellen Degen gut. Seiner Frauen Brüdern entbot er an den Rhein; Er wolle herzlich gerne bei ihrem Hofgelage sein. (784) Siegfried und Kriemhild gaben, so hörten wir sagen, So viel diesen Boten, dass es nicht mochten tragen Die Pferde nach der Heimat: Er war ein reicher Mann. Ihre starken Säumer trieb man zur Reise fröhlich an. (785) Da schuf dem Volke Kleider Siegfried und Siegemund Eckewart der Markgraf ließ da gleich zur Stund Frauenkleider suchen, die besten die man fand, Und irgend mocht erwerben in Siegfriedens ganzem Land. (786) Die Sättel und die Schilde man da bereiten ließ. Den Rittern und den Frauen, die er sich folgen hieß, Gab man was sie wollten: Zu wünschen blieb nichts mehr. Er brachte seinen Freunden manchem stolzen Gast daher. (787) Nun wandten sich die Boten zurück und eilten sehr. Da kam von Norwegen Gere, der Degen hehr Und wurde wohl empfangen: Sie schwangen sich zu Tal Von Rossen und von Mähren dort vor König Gunthers Saal. (788) Die Jungen und die Alten kamen, wie man tut, Und fragten nach der Märe. Da sprach der Ritter gut: “Wenn ichs dem König sage, wird es auch euch bekannt.” Er ging mit den Gesellen dahin, wo er Gunthern fand. (789) Der König vor Freude von dem Sessel sprang: Dass sie so blad gekommen, sagt' ihnen Dank Brunhild die Schöne. Zu den Boten sprach er da: “Wie gehabt sich Siegried, von dem mir Liebe viel geschah?” (790) Da sprach der kühne Gere: “Er ward der Freude rot, Er und eure Schwester. So holde Mär entbot Seinen Freunden wahrlich nie zuvor ein Mann Als euch König Siegfried und sein Vater hat getan.” (791) Da sprach zum Markgrafen des reichen Königs Weib: “Nun sagt mir, kommt euch Kriemhild? Hat noch ihr schöner Leib Die hohe Zier behalten, deren sie mochte pflegen?” Sie wird euch sicher kommen,” sprach da Gere der Degen. (792) Ute ließ den Boten gar balde vor sich gehn. Da war es ohn ihr Fragen wohl an ihr zu verstehn Was sie zu wissen wünsche: “War Kriemhild noch wohlauf?” Das sagt' er, und sie komme nach kurzer Stunden Verlauf. (793) Auch wurde nicht verhohlen am Hof der Botenfold, Den ihnen Siegfried schenkte, die Kleider und das Gold: Die ließ man alle schauen in der drei Fürsten Bann. Um seine große Milde pries man höchlich den Mann. (794) “Er mag wohl,” sprach da Hagen, “mit vollen Händen geben; Er könnt es nicht verschwenden und sollt er ewig leben. Den Hort der Nibelungen beschließt des Königs Hand; Hei! Dass er jemals käme in der Burgonden Land!” (795) Das ganze Hofgesinde freute sich dazu, Dass sie kommen sollten: Da waren spät und früh Die Herren sehr befließen in der drei Könge Bann: Gar viel der hohen Sitze man zu errichten begann. (796) Haunolt der kühne und Sindold der Degen Hatten wenig Muße: Sie mussten stündlich pflegen Des Schenk- und Truchsess-Amtes, und richten manche Bank; Auch Ortwein war behilflich: Des sagt' ihnen Gunther Dank. (797) Rumolt der Küchenmeister, wie herrscht' er in der Zeit Ob seinen Untertanen! Gar manchen Kessel weit, Häfen und Pfannen, hei, was man deren fand! Denen ward da Kost bereitet, die da kamen in das Land. (798) * Der Frauen Arbeiten waren auch nicht klein: Sie zierten ihre Kleider, worauf manch edler Stein. Des Strahlen ferne glänzten, gewirkt war in das Gold; Wenn sie die anlegten, ward ihnen männiglich hold. (799)