Da kamen auf den Rossen die kühnen Helden überall. (830) Da hob sich in dem Lande ein hohes Ritterspiel Von manchem guten Recken: Da sah man ihrer viel, Deren junge Herzen füllte froher Mut. Man sah da unter Schilden viel Ritter zierlich und gut. (831) Da saß in den Fenstern manch herrliches Weib Und viel der schönen Maide: Gezieret war ihr Leib. Da sahen sie turnieren manchen kühnen Mann: Der Wirt mit seinen Freunden zu reiten selber begann. (832) So vertrieben sie die Weile, die däuchte sie nicht lang. Da lud sie zum Dome mancher Glockenklang: Den Frauen kamen Rosse, da ritten sie hindann; Den edeln Königinnen folgte mancher kühne Mann (833) Sie stiegen vor dem Münster nieder auf das Gras. Noch hegte zu den Gästen Brunhilden keinen Hass. Sie gingen unter Krone in das Münster weit: Bald schied sich diese Liebe: Das wirkte heftiger Neid. (834) Da sie gehört die Messe, sah man sie weiter ziehn Unter hohen Ehren. Sie gingen heiter hin Zu des Königs Tischen. Ihre Freude nicht erlag Bei diesen Lustbarkeiten bis gegen den elften Tag. (835) * Die Königin gedachte: “Ich wills nicht länger tragen. Wie ich es fügen möge, Kriemhilde muss mir sagen Warum uns doch so lange den Zins versaß ihr Mann: Der ist doch unser Eigen: Der Frag ich nicht entraten kann.” (836) * So harrte sie der Stunde, bis es der Teufel riet, Dass sie das Hofgelage und die Lust mit Leide schied. Was ihr lag am Herzen, zu früh nur musst es kommen: Drum ward in manchen Landen durch sie viel Jammer vernommen. (837)

14. Abenteuer

Wie die Königinnen sich schalten

Es war vor einer Vesper als man den Schall vernahm, Der von manchem Recken auf dem Hofe kam: Sie stellten Ritterspiele Kurzweil halber an. Da eilten es zu schauen der Frauen viel und mancher Mann. (838) Da saßen beisammen die Königinnen reich Und gedachten zweier Recken, die waren ohne Gleich. Da sprach die schöne Kriemhild: “Ich hab einen Mann: Alle diese Reiche wären ihm billig untertan.” (839) Da sprach Frau Brunhilde: “Wie könnte das wohl sein? Wenn anders niemand lebte, als du und er allein, So möchten ihm die Reiche wohl zu Gebote stehn: So lange Gunther lebet, so kann es nimmer geschehn.” (840) Da sprach Kriemhilde wieder: “Siehst du, wie er steht, Wie er da so herrlich vor allen Recken geht, Wie der lichte Vollmond vor den Sternen tut! Darob mag ich wohl immer tragen fröhlichen Mut.” (841) Da sprach Frau Brunhilde: “Dein Mann sei noch so schön, So waidlich und bieder, so muss doch drüber gehn Gunther der Recke, der edle Bruder dein: Der muss vor allen Königen, das wisse du wahrlich, sein.” (842) Da sprach Kriemhilde wieder: “So teuer ist mein Mann, Dass er nicht unverdienet dies Lob von mir gewann. An gar manchen Dingen ist seine Ehre groß: Das glaube mir, Brunhilde, er ist wohl Gunthers Genoss!” (843) “Das sollst du mir, Kriemhilde, im Argen nicht verstehn, Es ist auch meine Rede nicht ohne Grund geschehn: Ich höre es beide sagen, als ich zuerst sie sah, Und als des Königs Willen in meinen Spielen geschah, (844) Und da er meine Minne so ritterlich gewann, Da sagt' es Siegfried selber, er sei des Königs Mann: Drum halt ich ihn für eigen, ich hört es ihn gestehn.”
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