Manches Königs Lande.” Da fing der Held zu trauern an. (894) Da ließ man es bewenden und ging dem Kampfspiel nach. Hei! Was man starker Schäfte vor dem Münster brach Vor Siegfriedens Weibe bis an den Saal hinan! Darüber kam in Unmut mancher Held in Gunthers Bann. (895) Der König sprach: “Lasst fahren den mordlichen Zorn. Er ist uns zu Ehren und zum Heil geborn: Auch ist so stark und grimmig der wunderkühne Mann, Wenn ers inne würde, so dürfte niemand ihm nahn.” (896) “Nicht doch,” sprach Hagen, “da dürft ihr ruhig sein: Wir leiten in der Stille alles sorglich ein. Brunhildens Weinen soll ihm werden leid: Immer sei ihm Hagen zu Hass und Schaden bereit.” (897) Da sprach König Gunther: “Wie möchte das geschehn?” Zur Antwort gab ihm Hagen: “Das sollt ihr bald verstehn: Wir lassen Boten reiten her in dieses Land, Uns offnen Krieg zu künden, die hier niemand sind bekannt. (898) “Dann sagt ihr vor den Gästen, ihr wollt mit euerm Lehn Euch zur Heerfahrt rüsten. Sieht er das geschehn, So verspricht er euch zu helfen; dann gehts ihm an den Leib, Erfahr ich nur die Märe von des kühnen Recken Weib.” (899) Der König folgte leider seines Dienstmanns Rat So huben an zu sinnen Auf Untreu und Verrat, Eh es wer erkannte, die Ritter auserkoren: Durch zweier Frauen Zürnen ging da mancher Held verloren. (900)

15. Abenteuer

Wie Siegfried verraten ward

Man sah am vierten Morgen zweiunddreißig Mann Hin zu Hofe reiten da ward es kund getan Gunther dem reichen, es gelt ihm Krieg und Streit. Die Lüge schuf den Frauen großen Jammer und Leid. (901) Sie gewannen Urlaub an den Hof zu gehn. Da sagten sie, sie ständen in Lüdegers Lehn, Den einst bezwungen hatte Siegfriedens Hand Und ihn als Geisel brachte König Gunthern in das Land. (902) Die Boten er begrüßte und hieß sie sitzen gehn. Einer sprach darunter: “Herr König, lasst uns stehn, Dass wir die Mären sagen, die euch entboten sind: Wohl habt ihr zu Feinden, das wisset, mancher Mutter Kind. (903) “Euch widersagt Lüdegast und auch Lüdeger: Denen schuft ihr weiland grimmige Beschwer; Nun wollen sie mit Heereskraft reiten in dies Land.” Der Fürst begann zu zürnen, als ihm die Märe ward bekannt. (904) Man ließ die falschen Boten zu den Herbergen gehn. Wie mochte wohl Siegfried der Tücke sich versehn, Er oder anders jemand, die man so heimlich spann? Doch war es ihnen selber zu großem Leide getan. (905) Der König mit den Freunden ging raunend ab und zu; Herr Hagen von Tronje ließ ihm keine Ruh. Noch wollt es mancher wenden in des Königs Lehn; Doch nicht vermocht er Hagen von seinen Räten abzustehn. (906) Eines Tages Siegfried die Degen raunend fand. Da begann zu fragen der Held von Niederland: “Wie traurig geht der König und die in seinem Bann? Das helf ich immer rächen, hat ihnen jemand Leid getan.” (907) Da sprach König Gunther: “Wohl hab ich Herzeleid: Lüdegast und Lüdeger drohn mir Krieg und Streit. Mit Heerfahrten wollen sie reiten in mein Land.” Da sprach der kühne Degen: “Dem soll Siegfriedens Hand (908) Nach allen euern Ehren mit Kräften widerstehn; Von mir geschieht den Recken was ihnen einst geschehn:
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