Als von des Drachen Wunden floss das heiße Blut, Da badet' in dem Blute sich der Ritter gut: Da fiel ihm auf die Achsel ein Lindenblatt gar breit: Da kann man ihn verwunden, das schafft mir Sorgen und Leid.” (926) Da sprach von Tronje Hagen: “So näht auf sein Gewand Mir ein kleines Zeichen: Daran ist mir bekannt, Wo ich sein hüten müsste, wenn wir in Stürmen stehn.” Sie wollte sein Leben fristen: Auf seinen Tod wars abgesehn. (927) Sie sprach: “Mit feiner Seide näh ich auf sein Gewand Insgeheim ein Kreuzchen: Da soll, Held, deine Hand Meinen Mann beschirmen, wenns ins Gedränge geht, Und wenn er in den Stürmen dann vor seinen Feinden steht.” (928) “Das tu ich,” sprach da Hagen, “viel liebe Fraue mein.” Wohl wähnte da die Königin, sein Frommen sollt es sein: Da war hiemit verraten der Kriemhilde Mann. Urlaub nahm da Hagen: Da ging er fröhlich hindann. (929) * Was er erfahrne hätte? Bat ihn sein Herr zu sagen. “Ich will die Reise wenden, wir wollen reiten jagen; Wohl weiß ich nun die Märe, wie ich ihn töten soll. Wollt ihr die Jagd bestellen?” “Das tu ich,” sprach der König, “wohl.” (930) Des Königs Ingesinde war froh und wohlgemut. Gewiss, dass solche Bosheit kein Recke wieder tut Bis zum jüngsten Tage, als da von ihm geschah, Als sich seiner Treue die schöne Königin versah. (931) Am folgenden Morgen mit tausend Mannen gut Ritt der Degen Siegfried davon mit frohem Mut: Er wähnt', er solle rächen seiner Freunde Leid. So nahe ritt ihm Hagen, dass er beschaute sein Kleid. (932) Als er ersah das Zeichen, da schickt' er ungesehn, Andre Mär zu bringen, zwei aus seinem Lehn: In Frieden solle bleiben König Gunthers Land; Es habe sie Lüdeger zu dem Könige gesandt. (933) Wie ungerne Siegfried abließ von dem Streit, Eh er gerochen hatte seiner Freunde Leid! Kaum hielten ihn zurücke die in Gunthers Bann. Da ritt er zu dem König, der ihm zu danken begann. (934) “Nun lohn euch, Freund Siegfried, den guten Willen Gott, Dass ihr so gerne tatet was ich mir wähnte Not; Das will ich euch vergelten, wie ich billig soll. vor allen meinen Freunden vertrau ich euch immer wohl. (935) “Da wir des Heerzugs uns so entledigt sehn, So rat ich, dass wir Bären und Schweine jagen gehn Nach dem Wasgauwalde, wie ich oft getan.” Das hatte Hagen geraten, dieser ungetreue Mann. (936) “Allen meinen Gästen soll man das nun sagen, Ich denke früh zu reiten: Die mit mir wollen jagen, Dass sie sich fertig halten; die aber hier bestehn, Kurzweilen mit den Frauen: So sei mir Liebes geschehn.” (937) Mit herrlichen Sitten sprach da Siegfried: “Wenn ihr jagen reitet, da will ich gerne mit. So sollt ihr mir leihen einen Jägersmann Mit etlichen Bracken; so reit ich mit euch in den Tann.” (938) “Wollt ihr nur einen?”, fragte der König gleich zur Hand: “Ich leid euch, wollt ihr, viere, denen wohlbekannt Der Wald ist und die Steige, wo viel Wildes ist, Dass ihr nicht waldverwiesen zu den Herbergen reiten müsst.” (939) Da ritt zu seinem Weibe der Degen unverzagt. Derweilen hatte Hagen dem Könige gesagt, Wie er verderben wolle den tapferlichen Degen: So großer Untreue sollt ein Mann nimmer pflegen. (940) *Als die Ungetreuen geschaffen seinen Tod, Da wussten sie es alle. Geiselher und Gernot Wollten nicht mitjagen. Weiß nicht aus welchem Groll sie ihn nicht gewarnet; doch des entgalten sie voll. (941)
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