Da sprach die schöne Kriemhild: “So wär mir übel geschehn. (845) Wie hätten so geworben die edeln Brüder mein, Dass ich des Eigenmannes Gemahl sollte sein? Drum will ich, Brunhilde, gar freundlich dich bitten, Lass mir zu Lieb die Rede hinfort mit gütlichen Sitten.” (846) “Ich kann sie nicht lassen,” die Königin begann; “Wozu sollt ich entsagen so manchem Rittersmann, Der uns mit dem Degen zu Dienst ist untertan?” Die schöne Kriemhilde da sehr zu zürnen begann. (847) “Dem musst du wohl entsagen, dass er in der Welt Dir irgend Dienste leiste. Werter ist der Held Als mein Bruder Gunther, der Degen unverzagt; Erlasse mich der Dinge, die du mir jetzo gesagt. (848) Auch muss mich immer wundern, wenn er dein Dienstmann ist Und du ob uns beiden so gewaltig bist, Warum er dir so lange den Zins verseßen hat? Deines Übermutes bin ich in Wahrheit nun satt.” (849) “Du willst dich überheben,” sprach die Königin, “Wohlan, ich will doch schauen, ob man dich künftighin So hoch in Ehren halte als man mich selber tut.” Da waren beide Frauen in sehr zornigem Mut. (850) Da sprach Frau Kriemhilde: “Das wird dir wohl bekannt: Da du meinen Siegfried dein eigen hast genannt, So sollen heut die Degen der beiden Könge sehn, Ob vor des Königs Weibe ich zur Kirche möge gehn. (851) “Du musst noch heute schauen, dass ich bin edelfrei, Und dass mein Mann viel werter als der deine sei; Auch denk ich, wird mich deshalb niemand Hochmuts zeihn. Du sollst noch heute schauen, wie die Eigenholdin dein (852) Zu Hof geht vor den Helden in Burgondenland. Ich selbst will höher gelten, als man je gekannt Eine Königstochter, die hier die Krone trug.” Unter den Frauen hob sich da großen Neides genug. (853) Da sprach Brunhilde wieder: “Willst du nicht eigen sein, So musst du dich scheiden mit den Frauen dein Von meinem Ingesinde, wenn wir zum Münster gehn.” Zur Antwort gab Kriemhilde: Das soll in Wahrheit geschehn.” (854) “Nun kleidet euch, ihr Maide,” sprach Siegfriedens Weib, “Ich will hier frei von Schande behalten meinen Leib. Lasst es heute schauen, besitzt ihr reichen Staat: Sie soll es noch verleugnen was sie mir vorgehalten hat.” (855) Ihnen war das leicht zu raten; sie suchten reiches Kleid. Bald sah man wohlgezieret viel Fraun und manche Maid. Da ging mit dem Gesinde des edeln Königs Weib; Da ward auch wohlgezieret der schönen Kriemhilde Leib, (856) Mit dreiundvierzig Maiden, die sie zum Rhein gebracht; Die trugen lichte Zeuge, in Arabia gemacht. So kamen zu dem Münster die Mägdlein wohlgetan: Ihrer harrten vor dem Hause die Degen in Siegfrieds Bann. (857) Die Leute nahm es Wunder, warum das geschah, Dass man die Königinnen so geschieden sah, Und dass sie nicht zusammen gingen so wie eh. Das geriet noch manchem Degen zu Sorgen und großem Weh. (858) Da stand vor dem Münster König Gunthers Weib: Da fanden manche Ritter holden Zeitvertreib Bei den schönen Frauen, die sie da nahmen wahr. Da kam die schöne Kriemhild mit mancher herrlichen Schar. (859) Was Kleider sie getragen eines edeln Ritters Kind, Gegen ihr Gesinde war alles nur ein Wind. Sie war so reich an Güte, dass dreißig Königsfraun Die Pracht nicht zeigen mochten, die an der einen war zu schaun. (860) Was man sich wünschen möchte, niemand konnte sagen, Dass er so reiche Kleider je gesehen tragen, Als da zur Stunde trugen ihre Mägdlein wohlgetan. Brunhilden wars zu Leide, sonst hätt es Kriemhild nicht getan. (861)
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