“Deiner Schwester Tugend, ihr wohl gezogner Mut, So oft ich dran gedenke, wie wohl mirs immer tut; Wie mir beisammen saßen, als du mich nahmst zum Weib! Sie mag mit Ehren minnen des kühnen Siegfriedes Leib.” (751) Da hat sie ihn so lange bis der König sprach: “Wisst, dass ich nimmer Gäste lieber sehen mag. Ihr braucht nicht viel zu bitten: Ich will die Boten mein Zu ihnen beiden senden, dass sie kommen an den Rhein.” (752) Da sprach zu ihm die Königin: So sollt ihr mir sagen, Wann ihr sie wollt besenden und zu welchen Tagen Unsre lieben Freunde sollen kommen in dies Land; Die ihr dahin wollt senden, die macht zuvor mir bekannt.” (753) Der König sprach: “Das will ich: Dreißig in meinem Lehn. Lass ich hinreiten.” Er hieß sie vor sich gehn: Durch sie entbot er Märe in Siegfriedens Land. Da beschenkte sie Brunhilde mit manchem reichen Gewand. (754) Der König sprach: “Ihr Recken sollt von mir sagen, Und nichts von dem verschweigen was ich euch aufgetragen, Siegfried dem Starken und der Schwester mein. Ihnen dürft auf Erden nimmer jemand holder sein. (755) “Und bittet, dass sie beide, uns kommen an den Rhein: Dafür will ich und Brunhild ihnen stets gewogen sein. Vor dieser Sonnenwende soll er mit seinem Bann Hier manchen bei mir schauen, der ihm Ehr erweisen kann. (756) Entbietet auch dem König Siegmund die Dienste mein: Dass ich und meine Freunde ihm stets gewogen sei'n. Und erbittet meine Schwester, dass sie ihm folgen mag, Wenn je ihr ziemen solle eines Königs Hofgelag.” (757) Brunhild und Ute und was man Frauen fand, Die entboten ihre Dienste in Siegfriedens Land Den minniglichen Frauen und manchem kühnen Mann. Auf Wunsch des Königs schickten zur Fahrt die Boten sich an. (758) Sie standen reisefertig; ihr Ross und ihr Gewand War ihnen angekommen: Da räumten sie das Land. Sie eilten zu dem Ziele, dahin sie wollten fahren; Der König durch Geleite hieß die Boten wohl bewahren. (759) Sie kamen in drei Wochen geritten in das Land. In Nibelungens Veste (wohin man sie gesandt) In der Mark zu Norweg fanden sie den Degen: Ross und Leute waren müde von den langen Wegen. (760) Siegfried und Kriemhilden ward beiden hinterbracht, Dass Ritter kommen wären, sie trügen solche Tracht Wie man in Burgonden trug der Sitte nach. Sie sprang von einem Bette, darauf die Ruhende lag. (761) Zu einem Fenster ließ sie eins ihrer Mägdlein gehn; Die sah den kühnen Gere auf dem Hofe stehn, Ihn und die Gesellen, die man dahin gesandt Ihr Herzeleid zu stillen, wie liebe Kunde sie fand! (762) Sie sprach zu dem Könige: “Seht ihr sie da stehn, Die mit dem starken Gere dort auf dem Hofe gehn, Die uns mein Bruder Gunther nieder schickt den Rhein?” Da sprach der starke Siegfried: “Die sollen uns willkommen sein.” (763) All ihr Ingesinde lief hin, wo man sie sah. Jeder an seinem Teile gütlich sprach er da Das Beste was er konnte zu den Boten hehr. Ihres Kommens freute der König Siegmund sich sehr. (764) Da schuf man Herbergen Geren und seinem Bann Und ließ der Rosse warten. Die Boten gingen dann Dahin, wo Herr Siegfried bei Kriemhilden saß: Ihnen war der Hof erlaubet; darum so taten sie das. (765) Der Wirt mit seinem Weibe erhob sich gleich zur Hand. Wohl ward empfangen Gere aus Burgondenland Mit seinen Heergesellen in König Gunthers Bann. Gere dem reichen bot man da den Sessel an. (766) “Lasst uns die Botschaft sagen, eh wir sitzen gehn: Uns wegemüde Gäste, lasst uns die Weile stehn. Wir sagen euch die Märe, die euch zu wissen tut
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