»Die Rudersklaven?« Im Halbdunkel konnten Arnau und Guillem den erstaunten Gesichtsausdruck des Offiziers erkennen. Was interessierten den Konig hundert Straflinge? »Sie konnten hier gebraucht werden«, sagte er schlie?lich.

»In diesem Fall bleibe ich hier«, erklarte Arnau. »Es ist mein Schiff und es sind meine Manner.«

Der Offizier zuckte mit den Schultern und teilte weiter seine Truppen ein.

»Mochtest du von Bord gehen?«, fragte Arnau Guillem.

»Gehore ich denn nicht zu deinen Mannern?«

»Nein, und das wei?t du.«

Die beiden schwiegen. Ringsum huschten Schatten vorbei, man horte die Schritte der Soldaten, die ihre Positionen einnahmen, und die leisen, beinahe geflusterten Befehle der Offiziere.

»Du wei?t, dass du schon langst kein Sklave mehr bist«, fuhr Arnau schlie?lich fort. »Du musst nur deinen Freilassungsbrief verlangen, und du wirst ihn bekommen.«

Mehrere Soldaten bezogen neben ihnen Stellung.

»Geht unter Deck zu den anderen«, zischte ihnen einer der Soldaten zu, wahrend er versuchte, seinen Platz einzunehmen.

»Auf diesem Schiff gehen wir dahin, wo wir wollen«, entgegnete Arnau.

Der Soldat beugte sich uber sie.

»Oh, Verzeihung«, entschuldigte er sich dann. »Wir alle sind Euch dankbar fur das, was Ihr getan habt.«

Damit suchte er sich ein anderes Platzchen an der Reling.

»Wann wirst du endlich deine Freiheit wollen?«, fragte Arnau weiter.

»Ich glaube, ich wusste nicht, wie das geht – frei sein.«

Die beiden schwiegen. Als sich alle Soldaten an Bord des Walfangers befanden und ihre Posten eingenommen hatten, stand ihnen eine lange Nacht bevor. Wahrend ringsum gehustet und geflustert wurde, dosten Arnau und Guillem vor sich hin.

Im Morgengrauen befahl Pedro der Grausame den Angriff. Die kastilische Armada naherte sich den Sandbanken, und die Soldaten des Konigs begannen ihre Armbruste sowie Steine von kleinen Katapulten abzufeuern, die an der Reling angebracht waren. Die katalanische Flotte auf der anderen Seite der Barriere tat das Gleiche. Entlang der ganzen Kustenlinie wurde gekampft, vor allem aber rings um Arnaus Walfanger. Pedro III. durfte nicht zulassen, dass die Kastilier das Schiff enterten, und so bezogen mehrere Galeeren, darunter auch die des Konigs, neben ihm Stellung.

Viele Manner starben im Pfeilhagel von beiden Seiten. Arnau erinnerte sich an das Zischen der Pfeile aus seiner Armbrust, als er damals hinter einem Felsen vor der Burg Bellaguarda lag.

Schallendes Gelachter riss ihn aus seinen Gedanken. Wer lachte da mitten in der Schlacht? Barcelona war in Gefahr, Manner starben. Wie konnte man da lachen? Arnau und Guillem sahen sich an. Ja, da lachte jemand, und das Lachen wurde immer lauter. Die beiden suchten sich einen sicheren Platz, um die Schlacht beobachten zu konnen. Die Besatzungen vieler katalanischer Schiffe, die, geschutzt vor den Pfeilen, in zweiter oder dritter Reihe lagen, machten sich uber die Kastilier lustig, sie riefen ihnen unflatige Dinge zu und lachten uber sie.

Von ihren Schiffen aus versuchten die Kastilier, mit den Katapulten zu treffen, doch sie zielten so ungenau, dass die Steine einer nach dem anderen ins Wasser fielen. Einige verursachten eine Wasserfontane, bevor sie im Meer versanken. Arnau und Guillem sahen sich grinsend an. Die Manner auf den Schiffen spotteten erneut uber die Kastilier, und der ganze Strand von Barcelona, an dem sich die kampfbereiten Burger versammelt hatten, brach in Gelachter aus.

Den ganzen Tag verhohnten die Katalanen die kastilischen Schutzen, die immer wieder ihre Ziele verfehlten.

»Ich ware jetzt nicht gerne auf der Galeere Pedros des Grausamen«, sagte Guillem zu Arnau.

»Nein«, antwortete dieser lachend. »Ich mag mir gar nicht vorstellen, was er mit diesen Anfangern machen wird.«

Diese Nacht verlief ganz anders als jene davor. Arnau und Guillem halfen, die zahlreichen Verwundeten auf dem Walfanger zu versorgen, ihre Wunden zu verbinden und ihnen in die Boote zu helfen, die sie an Land bringen sollten. Eine frische Abteilung Soldaten kam an Bord, und als die Nacht schon fast voruber war, versuchten sie, ein wenig fur den nachsten Tag auszuruhen.

Mit dem ersten Tageslicht erwachten auch die Kehlen der Katalanen und erneut hallten Schmahrufe und Hohngelachter durch den Hafen von Barcelona.

Arnau hatte alle seine Pfeile verschossen und ging in Deckung, um mit Guillem die Schlacht zu beobachten.

»Sieh nur, sie kommen viel naher heran als gestern«, sagte sein Freund und deutete zu den kastilischen Galeeren.

Tatsachlich. Der Konig von Kastilien hatte beschlossen, dem Spott der Katalanen ein Ende zu bereiten, und hielt direkt auf den Walfanger zu.

»Sag ihnen, sie sollen aufhoren zu lachen«, sagte Guillem, den Blick auf die herannahenden kastilischen Galeeren gerichtet.

Das Schiff Pedros III. kam so nahe heran, wie es die Sandbanke zulie?en, um den Walfanger zu verteidigen. Nun entbrannte die Schlacht rings um Guillem und Arnau. Die konigliche Galeere war zum Greifen nahe. Sie konnten ganz deutlich den Konig und seine Ritter erkennen.

Die beiden gegnerischen Galeeren auf beiden Seiten der Sandbanke drehten bei. Die Kastilier feuerten mehrere Katapulte ab, die am Bug befestigt waren. Arnau und Guillem sahen zu der koniglichen Galeere. Es hatte keine Schaden gegeben. Der Konig und seine Manner standen an Deck und das Schiff schien nicht von den Schussen getroffen worden zu sein.

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