hatte nichts erzahlt. Joan, der ebenfalls vorbeigekommen war, betrachtete ihn so schweigsam wie immer.

Mar war uberrascht, als sich Arnau heftiger als gewollt aus ihrer Umarmung befreite. Joan wollte ihn begluckwunschen, doch Arnau achtete nicht auf ihn. Schlie?lich lie? er sich neben Guillem auf einen Stuhl fallen. Die Ubrigen sahen ihn an, trauten sich aber nicht, etwas zu sagen.

»Was ist denn mit dir los?«, fragte Joan schlie?lich.

»Ich soll heiraten!«, entfuhr es Arnau. »Der Konig hat beschlossen, mich zum Baron zu machen und mir sein Mundel zur Frau zu geben. Das ist sein Dank dafur, dass ich ihm geholfen habe, seine wichtigste Stadt zu retten. Eine Heirat!«

Joan dachte kurz nach, dann wiegte er den Kopf und lachelte.

»Woruber beklagst du dich?«, fragte er.

Arnau warf ihm einen ungnadigen Blick zu. Mar, die neben ihm stand, hatte zu zittern begonnen. Lediglich Donaha, die in der Kuchentur stand, bemerkte ihre Verfassung und eilte zu ihr, um sie zu stutzen.

»Was missfallt dir daran?« Joan lie? nicht locker. Arnau sah ihn nur an. Als Mar die Worte des Monchs horte, wurde ihr ubel. »Was ist schlecht daran zu heiraten? Und dann die Ziehtochter des Konigs. Du wirst Baron von Katalonien werden.«

Aus Angst, sich ubergeben zu mussen, verschwand Mar mit Donaha in der Kuche.

»Was ist mit Mar los?«, fragte Arnau.

Der Monch antwortete nicht gleich.

»Ich werde dir sagen, was mit ihr los ist«, sagte er schlie?lich. »Sie sollte ebenfalls heiraten! Ihr solltet beide heiraten. Zum Gluck hat der Konig mehr Verstand als du.«

»Bitte lass mich jetzt in Ruhe, Joan«, sagte Arnau mude.

Der Monch zuckte mit den Schultern und verlie? die Wechselstube.

»Sieh mal nach, was mit Mar los ist«, bat Arnau Guillem.

»Ich wei? nicht, was sie hat«, sagte dieser einige Minuten spater zu seinem Herrn, »aber Donaha sagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Frauengeschichten«, setzte er hinzu.

Arnau sah ihn an.

»Erzahl mir nichts von Frauen.«

»Gegen den Willen des Konigs konnen wir nicht viel ausrichten, Arnau. Vielleicht finden wir mit etwas Zeit eine Losung.«

Aber ihnen blieb keine Zeit. Pedro III. wollte am 23. Juni in See stechen, um den Konig von Kastilien nach Mallorca zu verfolgen, und ordnete an, dass sich seine Flotte an diesem Tag im Hafen von Barcelona einfinden sollte. Vorher aber wollte er die Angelegenheit bezuglich der Hochzeit seines Mundels Elionor mit dem wohlhabenden Arnau geklart haben. So teilte es ein Beamter des Konigs dem ehemaligen Bastaix in seiner Wechselstube mit.

»Mir bleiben nur noch neun Tage«, klagte Arnau bei Guillem, als der Beamte gegangen war, »vielleicht weniger!«

Wie mochte diese Elionor wohl sein? Arnau konnte nicht schlafen, wenn er blo? daran dachte. War sie alt? Jung? Schon? Hasslich? Freundlich und umganglich oder hochmutig und zynisch wie alle Adligen, die er bislang kennengelernt hatte? Wie sollte er eine Frau heiraten, die er nicht einmal kannte?

»Finde heraus, wie diese Frau ist«, bat er Joan. »Du wirst das hinbekommen. Ich muss standig daran denken, was mich erwartet.«

Noch am selben Tag, nachdem der konigliche Beamte in der Wechselstube vorstellig geworden war, erstattete Joan Bericht: »Angeblich ist sie die uneheliche Tochter eines Onkels des Konigs, auch wenn sich niemand zu sagen getraut, welcher von ihnen. Ihre Mutter starb bei der Geburt, deshalb wurde sie bei Hof aufgenommen …«

»Aber wie ist sie, Joan?«, unterbrach ihn Arnau.

»Sie ist dreiundzwanzig Jahre alt und bildschon.«

»Und ihr Charakter?«

»Sie ist eine Adlige«, sagte Joan nur.

Warum sollte er Arnau erzahlen, was er uber Elionor gehort hatte? Gewiss, sie ist schon, hatte man ihm gesagt, doch aus ihrem Gesicht spricht standiger Verdruss auf die ganze Welt. Sie ist launisch und verwohnt, hochmutig und ehrgeizig. Der Konig hatte sie mit einem Adligen vermahlt, der kurz darauf starb, und da sie keine Kinder hatte, war sie an den Hof zuruckgekehrt. War dies wirklich eine Ehrerweisung fur Arnau? Koniglicher Gro?mut? Joans Vertraute lachten. Der Konig konnte Elionor nicht langer ertragen. Gab es denn eine bessere Partie fur sie als einen der reichsten Manner Barcelonas, einen Geldwechsler, an den der Konig sich wenden konnte, wenn er Geld brauchte? Konig Pedro gewann in jeder Hinsicht: Er schaffte sich Elionor vom Hals und versicherte sich Arnaus Unterstutzung. Doch warum sollte Joan Arnau das alles erzahlen?

»Was willst du damit sagen – sie ist eine Adlige?«

»Na, genau das«, antwortete Joan, wahrend er Arnaus Blick auswich. »Dass sie eine vornehme Dame ist, auch von noblem Charakter.«

Auch Elionor hatte ihre Erkundigungen angestellt, und mit jeder weiteren Nachricht wuchs ihr Zorn. Ein ehemaliger Bastaix, ein Angehoriger jener Zunft, die aus den Hafensklaven entstanden war. Wie konnte der Konig sie mit einem Bastaix verheiraten? Ja, er war reich, sehr reich, wie ihr alle bestatigt hatten, aber was interessierte sie sein Geld? Sie lebte bei Hofe und es fehlte ihr an nichts. Als sie erfuhr, dass Arnau der Sohn eines geflohenen Leibeigenen und von Geburt gleichfalls ein Unfreier gewesen war, beschloss sie, zum Konig zu gehen. Wie konnte der Konig verlangen, dass sie, die Tochter eines Infanten, eine solche Person ehelichte?

Doch Pedro III. empfing sie nicht. Die Hochzeit wurde auf den 21. Juni festgesetzt, zwei Tage vor seiner

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