Mar wollte zu ihnen sturzen, doch einer der Bastaixos stellte sich ihr in den Weg. Guillems Anweisungen waren unmissverstandlich gewesen: Niemand sollte Arnaus Aufenthaltsort kennen.

»Lass mich los!«, schrie Mar und strampelte mit den Fu?en in der Luft.

Der Bastaix hatte sie um die Taille gefasst und versuchte, ihr nicht wehzutun. Sie wog nicht einmal halb so viel wie die Steine und Lasten, die er jeden Tag trug.

»Arnau! Arnau!«

Wie oft hatte er davon getraumt, diese Stimme zu horen? Als er die Augen offnete, sah er, wie er von einigen Mannern davongetragen wurde, deren Gesichter er kaum erkennen konnte. Sie brachten ihn irgendwohin, hastig, schweigend. Was ging hier vor sich? Wo war er? »Arnau!« Ja, es war die Stimme des Madchens, das er damals auf dem Hof von Felip de Ponts verraten hatte.

»Arnau!« Er war am Strand. Die Erinnerungen verschmolzen mit dem Rauschen der Wellen und der salzigen Brise. Was machte er am Strand?

»Arnau!«

Die Stimme kam von weit weg.

Die Bastaixos wateten durch das Wasser zu einem Boot, das Arnau zu der Felucke bringen sollte, die Guillem angemietet hatte und die drau?en im Hafen wartete. Das Meerwasser spritzte an Arnau hoch.

»Arnau!«

»Wartet«, stammelte er und versuchte sich aufzurichten. »Diese Stimme … Wer ist das?«

»Eine Frau«, antwortete einer der Manner. »Sie wird keine Probleme machen. Wir mussen uns beeilen …«

Arnau stand neben dem Boot, gestutzt von den Bastaixos, und blickte zum Strand zuruck. »Mar wartet auf dich.« Die Erinnerung an Guillems Worte brachte alles um ihn herum zum Schweigen. Guillem, Nicolau, die Inquisition, der Kerker – alles sturzte wie in einem Strudel auf ihn ein.

»Meine Gute!«, rief er. »Bringt sie her, ich flehe euch an!«

Einer der Bastaixos watete rasch zu der Stelle, wo Mar noch immer festgehalten wurde.

Arnau sah sie auf sich zulaufen.

Die Bastaixos beobachteten sie ebenfalls, bis Arnau sich von ihnen losriss. Er sah aus, als konnte ihn die kleinste Welle davonspulen.

Das Madchen blieb vor Arnau stehen, der mit hangenden Armen dastand. Eine Trane rollte uber seine Wange. Mar trat zu ihm und kusste sie weg.

Sie wechselten kein Wort, wahrend Mar den Bastaixos half, ihn in das Boot zu heben.

Eine direkte Auseinandersetzung mit dem Konig wurde ihn nicht weiterbringen.

Seit Guillem gegangen war, lief Nicolau in seinem Arbeitszimmer auf und ab. Wenn Arnau kein Geld mehr besa?, wurde es ihm nichts nutzen, ihn zu verurteilen. Der Papst wurde ihn niemals von dem Versprechen entbinden, das er ihm gegeben hatte. Der Unglaubige hatte ihn am Wickel. Wenn er die Erwartungen des Papstes erfullen wollte …

Als es an der Tur klopfte, hielt er kurz inne, doch nach einem fluchtigen Blick auf die Tur setzte Nicolau seine Wanderung fort.

Ja, eine geringere Strafe wurde seinen Ruf als Inquisitor retten, eine Konfrontation mit dem Konig vermeiden und ihm genugend Geld einbringen, um …

Es klopfte wieder.

Nicolau warf erneut einen Blick zur Tur.

Er hatte diesen Estanyol nur zu gerne auf den Scheiterhaufen gebracht. Und seine Mutter? Was war aus der alten Frau geworden? Bestimmt hatte sie die allgemeine Verwirrung genutzt, um sich davonzustehlen.

Wieder hallte das Klopfen durch den Raum. Nicolau, der in der Nahe der Tur stand, riss diese ungestum auf.

»Was gibt es?«

Jaume de Bellera stand mit geballter Faust da und wollte soeben ein weiteres Mal anklopfen.

»Was wollt Ihr?«, fragte der Inquisitor. Dann sah er den Soldaten, der im Vorraum Wache halten sollte und nun, von Genis Puigs Schwert bedroht, in einer Ecke kauerte. »Wie konnt Ihr es wagen, einen Soldaten der Inquisition zu bedrohen?«, wetterte er.

Genis senkte das Schwert und sah seinen Begleiter an.

»Wir warten schon lange«, antwortete der Herr von Navarcles.

»Ich habe doch gesagt, dass ich niemanden sehen will«, sagte Nicolau zu dem Soldaten, der nun von Genis' bedrohlichen Schwert befreit war.

Der Inquisitor wollte die Tur zuschlagen, doch Jaume de Bellera hinderte ihn daran.

»Ich bin ein katalanischer Baron«, sagte er, jedes Wort betonend, »und ich verdiene den Respekt, der meiner Position zusteht.«

Genis nickte zu den Worten seines Freundes und stellte sich mit gezucktem Schwert erneut dem Soldaten in den Weg, der dem Inquisitor zu Hilfe kommen wollte.

Nicolau sah dem Herrn von Bellera in die Augen. Er konnte um Hilfe rufen – die ubrigen Soldaten waren gleich

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