»Und Arnau?«, fragte Aledis schlie?lich.

Francesca gab keine Antwort.

Der erste Teil hatte ganz nach Plan funktioniert. In diesem Moment sollte sich Arnau mit den Bastaixos auf dem kleinen Kustenschiff befinden, das Guillem angemietet hatte. Die Abmachung mit Infant Don Juan hatte ihre Grenzen. Guillem erinnerte sich an den genauen Wortlaut: »Der Infant verspricht lediglich«, hatte Francesc de Perellos ihm mitgeteilt, nachdem er ihn angehort hatte, »sich nicht dem Burgerheer von Barcelona in den Weg zu stellen. Auf keinen Fall wird er die Inquisition herausfordern, sie unter Druck zu setzen versuchen oder ihre Entscheidungen infrage stellen. Wenn dein Plan gelingt und Estanyol freikommt, wird der Infant nicht fur ihn eintreten, sollte er erneut von der Inquisition verhaftet oder verurteilt werden. Ist das klar?« Guillem hatte zugestimmt und ihm die Schuldscheine des Konigs ausgehandigt.

Nun stand der zweite Teil bevor. Nicolau musste davon uberzeugt werden, dass Arnau ruiniert war und er nichts damit erreichen wurde, ihn zu verfolgen oder zu verurteilen. Sie hatten alle nach Pisa fliehen und Arnaus Besitz der Inquisition uberlassen konnen. Im Grunde hatte diese bereits die Verfugungsgewalt, und sollte Arnau, auch in Abwesenheit, verurteilt werden, wurde damit auch die Konfiszierung seines Vermogens verbunden sein. Deshalb versuchte Guillem Eimeric zu tauschen. Er hatte nichts zu verlieren, hingegen viel zu gewinnen: Arnaus Seelenfrieden namlich und die Gewissheit, dass ihn die Inquisition nicht ein Leben lang verfolgen wurde.

Nicolau lie? ihn mehrere Stunden warten. Schlie?lich erschien er in Begleitung eines kleinen Juden, der den ublichen schwarzen Uberrock mit dem gelben Zeichen trug. Der Jude hatte mehrere Bucher unter den Arm geklemmt und folgte dem Inquisitor mit kurzen, trippelnden Schritten. Er wich Guillems Blick aus, als Nicolau beide mit einer Geste in sein Arbeitszimmer befahl.

Er bot ihnen keinen Platz an. Er selbst setzte sich an seinen Schreibtisch.

»Wenn es stimmt, was du sagst«, wandte er sich zunachst an Guillem, »ist Estanyol bankrott.«

»Ihr wisst, dass es stimmt«, sagte Guillem. »Der Konig schuldet Arnau Estanyol keinen einzigen Sueldo mehr.«

»In diesem Fall konnte ich mich an den Magistrat wenden«, entgegnete der Inquisitor. »Es ware eine Ironie des Schicksals, wenn dieselbe Stadt, die ihn aus dem Kerker des Sanctum Officium befreit hat, ihn nun wegen Bankrotts hinrichten wurde.«

Das wird niemals geschehen, war Guillem versucht zu sagen. Er hatte Arnaus Freiheit in Handen. Er brauchte lediglich das von Abraham Levi unterschriebene Dokument vorzulegen … Doch Nicolau hatte ihn nicht empfangen, um ihm damit zu drohen, Arnau beim stadtischen Magistrat anzuzeigen. Er wollte sein Geld, das Geld, das er seinem Papst versprochen hatte, das Geld, das ihm dieser Jude, mit Sicherheit ein Freund von Jucef, in Aussicht gestellt hatte.

Guillem schwieg.

»Ich konnte es tun«, beteuerte Nicolau noch einmal.

Guillem hob gelassen die Hande. Der Inquisitor sah ihn forschend an.

»Wer bist du?«, fragte er schlie?lich.

»Mein Name ist …«

»Ja, ja«, fiel ihm Eimeric mit einer ungeduldigen Handbewegung ins Wort, »dein Name ist Sahat von Pisa. Was ich wissen will, ist, warum ein Handler aus Pisa in Barcelona einen Ketzer verteidigt.«

»Arnau Estanyol hat viele Freunde, auch in Pisa.«

»Unglaubige und Ketzer«, tobte Nicolau.

Guillem hob erneut die Hande. Wann wurde der Inquisitor endlich auf das Geld zu sprechen kommen? Nicolau schien zu verstehen. Er schwieg einen Moment.

»Welchen Vorschlag haben die Freunde Arnau Estanyols der Inquisition zu machen?«, fragte er schlie?lich.

»In diesen Buchern«, sagte Guillem mit einer Kopfbewegung zu dem kleinen Juden, der unverwandt auf Nicolaus Schreibtisch starrte, »sind zahlreiche Posten zugunsten eines Glaubigers von Arnau Estanyol verzeichnet. Ein Vermogen.«

Zum ersten Mal wandte sich der Inquisitor an den Juden.

»Stimmt das?«

»Ja«, bestatigte der Jude. »Seit Geschaftsbeginn gibt es Buchungen zugunsten eines gewissen Abraham Levi …«

»Noch ein Unglaubiger!«, warf Nicolau ein.

Die drei schwiegen.

»Fahr fort«, befahl der Inquisitor dann.

»Diese Posten haben sich im Laufe der Jahre vervielfacht. Zum heutigen Zeitpunkt mussten es uber funfzehntausend Libras sein.«

In den kleinen Auglein des Inquisitors erschien ein Funkeln, das weder Guillem noch dem Juden entging.

»Und?«, fragte Nicolau Eimeric, an Guillem gewandt.

»Arnau Estanyols Freunde konnten dafur sorgen, dass der Jude auf sein Geld verzichtet.«

Nicolau lehnte sich in seinem Stuhl zuruck.

»Euer Freund ist frei«, sagte er. »Und Geld verschenkt man nicht. Weshalb sollte jemand, bei aller Freundschaft, auf funfzehntausend Libras verzichten?«

»Arnau Estanyol wurde lediglich vorlaufig vom Burgerheer befreit.«

Guillem betonte das ›vorlaufig‹. Arnau konnte jederzeit wieder von der Inquisition belangt werden. Der Augenblick war gekommen. In den Stunden des Wartens hatte er immer wieder daruber nachgedacht, wahrend er

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