»Was hast du dann in der Nacht hier zu suchen? Woher hast du diese Borse? Weshalb hast du versucht zu fliehen? Weshalb hast du dein Gesicht mit Lehm beschmiert?«

Arnau betastete sein Gesicht. Der Lehm war getrocknet.

Die Borse! Der Soldat lie? sie vor seinen Augen hin und her baumeln. Inzwischen trafen immer mehr Bastaixos ein. Leise erzahlte einer dem anderen, was vorgefallen war. Arnau starrte auf die baumelnde Borse. Diese verfluchte Borse! Dann wandte er sich an den Pater.

»Da war ein Mann«, sagte er. »Ich habe versucht, ihn aufzuhalten, aber es ging nicht. Er war sehr stark.«

Erneut schallte das unglaubige Gelachter des Soldaten durch den Chorumgang.

»Arnau«, bat ihn Pater Albert, »beantworte die Fragen des Soldaten.«

»Nein … Ich kann nicht«, gestand er ein und sorgte damit fur abfallige Gesten bei den Soldaten und fur Aufruhr unter den Bastaixos.

Pater Albert schwieg. Er sah Arnau an. Wie oft hatte er diese Worte schon gehort? Wie viele Glaubige weigerten sich, ihm ihre Sunden zu offenbaren? »Ich kann nicht«, sagten sie zu ihm, Angst im Blick, »wenn das bekannt wird …« Naturlich, dachte der Priester dann, wenn Raub, Ehebruch oder Gotteslasterung bekannt wurden, konnte man sie verhaften. Dann musste er weiter in sie dringen und ihnen schworen, das Beichtgeheimnis zu wahren, bis sich ihr Gewissen Gott und seiner Vergebung offnete.

»Wurdest du es mir unter vier Augen erzahlen?«, fragte er.

Arnau nickte, und der Priester forderte ihn auf, in die Kapelle zu gehen.

»Wartet hier«, sagte er zu den Ubrigen.

»Es geht um die Kasse der Bastaixos«, war da eine Stimme hinter den Soldaten zu vernehmen. »Es sollte auch ein Bastaix anwesend sein.«

Pater Albert nickte und sah Arnau an.

»Ramon?«, schlug er ihm vor.

Der Junge nickte erneut, und die drei verschwanden in der Kapelle. Dort drinnen schuttete Arnau sein ganzes Herz aus. Er erzahlte von Tomas, dem Stallknecht, von seinem Vater, von Graus Borse, von dem Auftrag der Baronin, dem Aufstand, der Hinrichtung, dem Feuer … der Verfolgung, dem Dieb der Kasse und seinem aussichtlosen Kampf. Er sprach von seiner Angst, dass herauskommen konnte, dass die Borse Grau gehorte, oder dass man ihn verhaftete, weil er den Leichnam seines Vaters verbrannt hatte.

Es waren lange Erklarungen. Arnau konnte den Mann nicht beschreiben, der ihn niedergeschlagen hatte. Es sei dunkel gewesen, antwortete er auf die Fragen der beiden, aber er war gro? und von kraftiger Statur. Schlie?lich sahen sich der Priester und der Bastaix an. Sie glaubten dem Jungen. Doch wie sollten sie den Leuten, die vor der Kapelle zu murren begannen, beweisen, dass er es nicht gewesen war? Der Priester sah zur Jungfrau auf, betrachtete die aufgebrochene Kasse und verlie? dann die Kapelle.

»Ich glaube, der Junge sagt die Wahrheit«, verkundete er der kleinen Menge, die im Chorumgang wartete. »Ich glaube, dass er die Kasse nicht gestohlen hat. Vielmehr hat er versucht, den Raub zu verhindern.«

Ramon war hinter ihn getreten und nickte zustimmend.

»Warum kann er dann meine Fragen nicht beantworten?«, wollte der Soldat wissen.

»Ich kenne die Grunde.« Ramon nickte erneut. »Und sie sind hinreichend uberzeugend. Wenn mir jemand nicht glaubt, moge er sprechen.«

Niemand sagte etwas.

»Wo sind die Zunftmeister der Bruderschaft?«

Drei Bastaixos traten zu Pater Albert.

»Jeder von euch bewahrt einen der drei Schlussel zur Kasse auf, nicht wahr?«

Die Zunftmeister nickten.

»Schwort ihr, dass diese Kasse nur von euch dreien gemeinsam und in Anwesenheit von zehn Zunftbrudern geoffnet wurde, wie es die Regeln vorsehen?«

Die Zunftmeister schworen laut, im gleichen Ton, in dem der Priester sie befragte.

»Schwort ihr also, dass der letzte Eintrag im Kassenbuch mit der Summe ubereinstimmt, die sie enthalten sollte?«

Die drei Manner schworen erneut.

»Und Ihr, Soldat, schwort Ihr, dass dies die Borse ist, die der Junge bei sich trug?«

Der Soldat nickte.

»Schwort Ihr, dass der Inhalt derselbe ist wie zu dem Zeitpunkt, als Ihr sie fandet?«

»Ihr beleidigt einen Soldaten Konig Alfons'!«

»Schwort Ihr oder schwort Ihr nicht?«, herrschte der Priester ihn an.

Mehrere Bastaixos kamen auf den Soldaten zu und verlangten mit Blicken nach einer Antwort.

»Ich schwore.«

»Gut«, fuhr Pater Albert fort. »Ich gehe jetzt das Kassenbuch holen. Wenn dieser Junge der Dieb ist, muss der Inhalt der Borse genauso hoch oder hoher sein als der zuletzt eingetragene Betrag. Ist er geringer, muss man ihm Glauben schenken.«

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