wir Maria erzogen, und so haben wir sie dir zur Frau gegeben.«

Die Tage vergingen, und Maria tat weiterhin alles fur Arnau, doch der dachte nur an Aledis.

»Diese Steine werden dir noch den Rucken ruinieren«, stellte Maria fest, wahrend sie die wunde Stelle, die Arnau oben am Schulterblatt hatte, mit Salbe einrieb.

Arnau antwortete nicht.

»Heute Abend werde ich mir deine Capcana ansehen. Es kann nicht sein, dass die Steine dir so ins Fleisch schneiden.«

Arnau antwortete nicht. Er war erst in der Abenddammerung nach Hause gekommen. Maria hatte ihm die Schuhe ausgezogen, ihm ein Glas Wein eingeschenkt und ihn aufgefordert, sich zu setzen, damit sie ihm den Rucken massieren konnte, wie sie es ihre ganze Kindheit hindurch bei ihrer Mutter und ihrem Vater gesehen hatte. Arnau hatte sie gewahren lassen, wie immer. Jetzt horte er ihr schweigend zu. Diese Verletzung hatte weder mit den Steinen fur die Jungfrau Maria zu tun noch mit der Capcana. Maria reinigte und versorgte eine Wunde der Schande, die Kratzspuren einer anderen Frau, der Arnau einfach nicht widerstehen konnte.

»Diese Steine werden euch allen den Rucken ruinieren«, sagte seine Frau noch einmal.

Arnau trank einen Schluck Wein, wahrend er spurte, wie Marias Hande sanft uber seinen Rucken strichen.

Seit ihr Mann sie in die Werkstatt gerufen hatte, um ihr die Striemen des Lehrlings zu zeigen, der es gewagt hatte, sie anzusehen, beschrankte sich Aledis darauf, den jungen Burschen aus der Werkstatt heimlich nachzuspionieren. Sie entdeckte, dass diese haufig nachts in den Garten schlichen, wo sie sich mit Frauen trafen, die fur ein Schaferstundchen uber die Gartenmauer kletterten. Die Jungen verfugten uber das Material, das Werkzeug und die notigen Kenntnisse, um eine Art Haubchen aus feinstem Leder herzustellen, die sie, ordentlich eingefettet, uber ihr Glied zogen, bevor sie mit den Frauen schliefen. Es fiel Aledis nicht schwer, sich in die Schlafkammer der Lehrlinge zu schleichen und einige dieser Haubchen an sich zu nehmen. Dass sie ohne Risiko mit Arnau zusammen sein konnte, lie? ihrer Lust vollig freien Lauf.

Aledis behauptete, dank dieser Haubchen konnten sie keine Kinder bekommen. Arnau sah zu, wie sie es uber seinen Penis stulpte. War es das Fett, das danach an seinem Glied haftete? War es eine Strafe, weil er sich den Bestimmungen der gottlichen Natur widersetzte? Jedenfalls wurde Maria einfach nicht schwanger. Sie war ein kraftiges, gesundes Madchen. Woran, wenn nicht an Arnaus Sunde, konnte es liegen, dass sie nicht schwanger wurde? Welchen anderen Grund sollte der Herrgott haben, ihm den ersehnten Sprossling zu versagen? Bartolome brauchte einen Enkel. Pater Albert und Joan wollten Arnau als Vater sehen. Die ganze Zunft wartete gespannt darauf, dass die jungen Eheleute die freudige Nachricht verkundeten. Die Manner machten ihre Spa?e mit Arnau, und die Frauen der Bastaixos statteten Maria Besuche ab, um ihr Ratschlage zu geben und von den Freuden des Familienlebens zu erzahlen.

Auch Arnau wollte ein Kind.

»Ich will nicht, dass du mir das uberziehst«, widersetzte er sich eines Tages, als Aledis ihm wieder einmal auf dem Weg zum Steinbruch auflauerte.

Aledis lie? sich nicht beirren.

»Ich denke nicht daran, dich aufzugeben«, sagte sie. »Eher wurde ich den Alten verlassen und dich fur mich verlangen. Alle wurden erfahren, was zwischen uns war, du wurdest in Ungnade fallen. Man wurde dich aus der Zunft und vielleicht auch aus der Stadt jagen, und dann hattest du nur noch mich. Nur ich ware bereit, mit dir zu gehen. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen, wenn ich schon dazu verurteilt bin, bei diesem aufdringlichen, tattrigen Schlappschwanz zu bleiben.«

»Du wurdest mein Leben ruinieren? Warum wurdest du mir das antun?«

»Weil ich wei?, dass du mich liebst«, erwiderte Aledis mit Bestimmtheit. »Im Grunde wurde ich dir nur dabei helfen, einen Schritt zu tun, fur den du nicht den Mut aufbringst.«

Im Gebusch am Hang des Montjuic versteckt, lie? Arnau sie gewahren. Stimmte das, was sie sagte? Stimmte es, dass er im Grunde seines Herzens mit Aledis leben wollte und seine Frau und alles, was er besa?, zurucklassen wurde, um mit ihr durchzubrennen? Was hatte diese Frau nur, das ihn so vollig willenlos machte? Arnau war versucht, ihr die Geschichte von Joans Mutter zu erzahlen, ihr zu sagen, dass der Alte sie womoglich lebenslang einsperrte, wenn sie ihr Verhaltnis offentlich machte … Doch stattdessen gab er sich ihr ein weiteres Mal hin.

25

Auf seinem Thron sitzend, bat Konig Pedro mit einer Handbewegung um Ruhe. Flankiert von seinem Onkel und seinem Bruder – den Infanten Don Pedro und Don Jaime – zu seiner Rechten sowie dem Grafen von Terranova und Pater Ot de Monteada zu seiner Linken, wartete der Konig, dass die Mitglieder des Kronrats verstummten.

Sie befanden sich im Konigspalast von Valencia, wo sie Pere Ramon de Codoler empfangen hatten, Majordomus und Botschafter Konig Jaimes von Mallorca. Codoler zufolge hatte der Konig von Mallorca, Graf von Roussillon und Sardinien und Herr von Montpellier, beschlossen, Frankreich wegen der standigen Angriffe der Franzosen auf sein Herrschaftsgebiet den Krieg zu erklaren. Als Vasall Pedros bat er diesen darum, sich am 21. April des folgenden Jahres 1341 mit den katalanischen Truppen in Perpignan einzufinden, um ihn im Krieg gegen Frankreich zu unterstutzen.

Den ganzen Vormittag hindurch hatten Konig Pedro und seine Ratgeber uber die Bitte seines Vasallen beraten. Wenn sie dem Herrscher von Mallorca nicht zu Hilfe kamen, wurde dieser seine Gefolgschaft aufkundigen und ware frei. Leisteten sie der Aufforderung indes Folge – darin waren sich alle einig –, so gingen sie in eine Falle: Sobald die katalanischen Truppen vor Perpignan erschienen, wurde sich Jaime mit dem franzosischen Konig gegen sie verbunden.

Als Ruhe eingekehrt war, sprach der Konig: »Ihr alle habt die Umstande abgewogen und nach einer Moglichkeit gesonnen, wie man dem Konig von Mallorca die Bitte abschlagen konnte, die er an Uns herangetragen hat. Ich glaube, Wir haben sie gefunden: Wir ziehen nach Barcelona und berufen die Cortes ein. Ist dies geschehen, so bestellen Wir den Konig von Mallorca zum 25. Marz nach Barcelona ein, damit er an den Cortes teilnimmt, wie es seine Pflicht ist. Und was kann geschehen? Entweder er ist dort oder er ist nicht dort. Kommt er, hat er seiner Pflicht Genuge getan, und in diesem Fall werden auch Wir seiner Bitte entsprechen …« Einige Ratgeber traten nervos von einem Fu? auf den anderen. Wenn der Konig von Mallorca bei den Cortes erschien, mussten sie gegen Frankreich in den Krieg ziehen, wahrend sie gleichzeitig schon mit Genua im Krieg lagen! Der eine oder andere wagte es sogar, laut zu widersprechen, doch Pedro brachte sie mit einer Handbewegung zum Schweigen und lachelte, bevor er die Stimme erhob und weitersprach. »Wir werden uns mit Unseren Vasallen beraten. Sie mogen entscheiden, was am besten zu tun sei.« Auch auf den Gesichtern einiger Ratgeber zeigte sich ein Lacheln, andere nickten beifallig. Die Cortes waren fur die Politik Kataloniens zustandig und konnten

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