schoben.

Unten tanzte »Mahri« immer noch wie besessen und ohne Unterlass in dem fluoreszierend orangefarbenen Overall, den sie anstelle ihrer grauen Seide trug. Es schmerzte ihn tief in der Brust.

Als das Fleet-Team wieder in den Raum marschierte, beobachtete Stewart sie mit seinem besten Pokergesicht — und sein bestes Pokergesicht war wirklich sehr gut. Tartaglia, der vielleicht die vermutlichen Wunsche seines neuen Vorgesetzten ahnte, hatte Baker gegen null einhundert zum Schlafen nach Hause geschickt und sich selbst dafur entschieden, fur den Rest der Nacht das Kommando uber die Beobachtung der Gefangenen zu ubernehmen. Als der Arzt Stewart am Morgen hereingerollt hatte, war Baker demzufolge hier gewesen, munter, wach und bereit, ihm personlich den Lagebericht zu erstatten. Bakers Beispiel folgend, hatte Stewart dem Arzt sein AID gereicht und dem sich sichtlich unbehaglich fuhlenden Mann befohlen, einen kleinen Spaziergang zu machen.

Auf die Weise hatte Baker Stewart im Detail uber das Personal von Fleet, die Darhel-Delegation und die Ereignisse der vergangenen Nacht informieren konnen. Und das bedeutete, dass er, als jetzt Fleet mit frischem Fleisch und Dr. Mengele einmarschiert kam, genau wusste, mit wem er es zu tun hatte.

Baker war Mitte vierzig. Alt genug, um zu glauben, er habe die Welt gesehen und sei meistens im Recht, aber in mancher Hinsicht war er bemerkenswert »eingeengt«. In Bakers Welt waren die MPs und die guten Soldaten die Guten und die Tongs und die Kotzbrocken die Bosen. Man verfolgte die einen und die anderen halfen einem dabei. Na ja, mehr oder weniger.

Ohne jeden Zweifel hatte Baker keine Ahnung, was jetzt kommen wurde. Oder wenn er eine Ahnung gehabt hatte, dann allenfalls ganz schwach und schemenhaft, etwas, das man mit einem Achselzucken abtun konnte. Stewart, der ein wesentlich komplexeres Verstandnis von der Welt und ihren Schattenseiten besa?, wusste genau, was geschehen wurde; er wusste auch ganz genau, wie wenig er dagegen unternehmen konnte.

Au?erdem wurde er auf Baker aufpassen mussen und ihn schutzen. Unter der rauen Schale des Agenten war Baker in Wirklichkeit genau der Pfadfinder, als den Pryce sich ausgegeben hatte. In seiner Arbeit mit den Tongs war das von gro?em Vorteil gewesen und hatte ihn vollig unbestechlich gemacht. In der augenblicklichen Situation war die Wahrscheinlichkeit gro?, dass ihn das umbringen oder zumindest seine Karriere vernichten wurde, falls er zu dem Schluss kommen sollte, etwas tun zu mussen.

Zu verhindern, dass dies geschah, war eine jener kleinen Extrakomplikationen, die ihm das Leben so gerne servierte. In diesem Fall war er freilich dafur dankbar, weil es ihn immerhin ablenkte. Man hatte ihn ausgesandt, um den Spion zu fangen, und er hatte sie gefangen. Womit er nicht gerechnet hatte war, dass ihn das personlich betreffen wurde. Andererseits war es auch verdammt dumm gewesen, sich unter den vorliegenden Umstanden mit jemandem im Buro einzulassen, und was er im Augenblick empfand, war seine eigene Schuld. Seine ganz personlichen Schuldgefuhle mit eingeschlossen. Das Madchen hatte sich geopfert, um seine Haut zu retten! Damit wurde er leben mussen.

Er musste heftig schlucken, als die Folterknechte in der Liftkabine verschwanden, um gleich darauf in dem Raum unter ihm wieder aufzutauchen. Da wusste er sofort, weshalb die SPs einen im Lazarett und zwei bereits in der Leichenhalle hatten. Ob sie sie nun kommen gehort hatte oder sich blo? in einer gunstigen Position befunden hatte, jedenfalls beendete sie ihren Tanz so flie?end und ubergangslos, dass zwei SPs auf dem Boden lagen, ehe Stewarts Gehirn auch nur Zeit gehabt hatte, zu registrieren, dass sie zu tanzen aufgehort hatte. Nun, sozusagen aufgehort hatte.

Diesmal war einer von den SPs entweder ein wenig intelligenter oder ein wenig schneller und schaffte es, ihr einen gut gezielten Schlag mit seinem Gummiknuppel zu versetzen, sodass sie sie auf die Bahre schnallen konnten, solange sie von dem KO-Schlag noch benommen war.

Dem Mann mit dem Gummiknuppel trug das freilich ein paar sehr scharfe Worte des Chief ein, vermutlich weil er damit ihr Leben gefahrdet hatte.

Stewart bemerkte nicht, als seine Hand sich so um die Armlehne seines Rollstuhls krallte, dass seine Fingerknochel wei? hervortraten, bis er spurte, wie sein Babysitter ihm die Spritze einstach.

»General Stewart, Sir, wenn Sie mir nicht sagen, wenn Sie Schmerzen haben, kann ich Ihnen nicht helfen. Bitte, sagen Sie es mir das nachste Mal, ehe es so schlimm wird«, sagte der Mann.

»Haben Sie in Ihrer Tasche etwas gegen meine Benommenheit? Hoffentlich.« Na gro?artig. Fehlt ja gerade noch, dass ich in diesem politischen Minenfeld irgendetwas Indiskretes, Dummes und vollig der Wahrheit Entsprechendes sage. Die Schmerzen in seinem Bauch verschwanden. Die in seiner Brust nicht, aber die hatten ja auch nichts mit seinen korperlichen Verletzungen zu tun.

Der Arzt jagte ihm etwas anderes in den Arm, und sein Kopf wurde plotzlich wieder klar.

»Danke. Freundchen, wenn Sie mir jemals wieder irgendwo bei Bewusstsein eine bewusstseinsverandernde Droge reinjagen, ohne dass ich das erlaubt habe, durfen Sie sich darauf einstellen, dass Sie Ihre eigene Spritze als Einlauf bekommen. Quer. Ist das klar?«

Die Lippen des Mannes pressten sich zusammen, und er gab sich alle Muhe, nicht mit den Augen zu rollen, sagte aber »Yes, Sir« und senkte den Blick, ehe Stewart wegsah.

Als er bemerkte, dass sie ihr die Beine an den beiden au?ersten Ecken der Bahre angeschnallt und den Gefangnisoverall abgeschnitten und unter den Anschnallgurten weggezogen hatten, brach ihm der kalte Schwei? aus.

Der Arzt beugte sich dicht an ihr Ohr, aber die Mikrofone im Raum fingen seine Stimme klar und deutlich auf und lie?en sie aus den Lautsprechern im Beobachtungsraum tonen.

»Warum sparen wir uns das nicht? Wie hei?en Sie?«

Sie drehte den Kopf leicht zur Seite und starrte zur Decke. Sie wirkte … gelangweilt.

Ihr Ausdruck veranderte sich nicht, als der Chief den ersten Mann zu ihr hin winkte. Uber sie.

Stewart fing an, sich eine Liste der Leute zu machen, die er umbringen musste. Der Erste schien irgendwie Probleme zu haben. Jedenfalls fluchte er in einer asiatischen Sprache. Die automatische wortliche Ubersetzung, die die AIDs lieferten, war ziemlich farbenprachtig. Etwas von wegen Affenkotze.

Der Arzt winkte ihn schlie?lich weg und trat zwischen ihre Beine, uberprufte dort etwas, ehe er ihr etwas in den Oberschenkel injizierte, auf die Uhr sah, ein paar Augenblicke wartete und dann zwischen ihre Beine griff.

»Miss, Sie sind offenbar nicht immun gegen ein Muskelrelaxans. Wie hei?en Sie?«, fragte er.

Nach ein paar Sekunden des Schweigens winkte er den Matrosen wieder herein.

Die Gefangene stellte Augenkontakt mit ihm her und sprach.

»Tut mir Leid, fur dich wird das ungefahr so aufregend sein, wie wenn man einen nassen Waschlappen bumst«, sagte sie.

»Ich mag Blondinen.« Er packte brutal ihre Brust.

»Wenn du nach deinem Kimtschi starke Pfefferminzgelatine essen wurdest, wurdest du vielleicht mehr Frauen kennen lernen.« Sie wirkte ungemein gelangweilt. Er hielt plotzlich in seinen Bewegungen inne, fluchte erneut und schlug ihr dann mit dem Handrucken ins Gesicht, zog den Rei?verschluss zu und wandte sich ab. Ihre Wange rotete sich, aber ihr Kopf hatte sich keinen Millimeter bewegt.

Sie lachte.

»Oh, schade! Der Nachste?« Wenn ihre Stimme flussig gewesen ware, hatte sie sich wie Saure ein Loch in den Boden gebrannt.

Zu behaupten, dass der nachste Matrose, den der Chief sich aussuchte, nicht gerade begeistert wirkte, ware stark untertrieben gewesen.

»Du wirst nachher Therapie brauchen. So etwas gibt es fur Vergewaltigungsopfer. Die Tongs konnen dir jemand Diskreten nennen.« Ihre Stimme klang kuhl und klinisch.

»Chief, die soll aufhoren!« Er sah den Unteroffizier mit einem Ausdruck verlegener Verzweiflung an.

Oben prustete Baker in seinen Kaffee. Stewart hatte es bisher geschafft, ihn unter Kontrolle zu halten, indem er ihn mit der Hand am Arm gepackt hielt und jedes Mal zudruckte, wenn er den Eindruck hatte, er wurde jetzt die Fassung verlieren.

Die Darhel an der Glasscheibe hechelten wie die Hunde. Stewart war froh, dass er keine Waffe trug.

Der Chief packte sie am Kinn und riss es herum. »Du wirst hier vergewaltigt, du blode Schlampe, kapierst du das nicht?! Wie hei?t du?«

»Ich werde nicht vergewaltigt. Er wird das. Ich liege doch blo? hier und sehe mir die Amateurnacht

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