an.«

In der Halle oben zuckte einer der Darhel plotzlich in Richtung auf die Glaswand, ehe er aufstand und sich in einer flie?enden Bewegung aus dem Raum entfernte.

Unten zog sich der Butteltrupp aus dem Raum zuruck und lie? »Mahri« liegen, wo sie war. Offenbar wollten sie sich eine neue Taktik uberlegen. Die armen Teufel. Sie taten ihm richtig Leid!

Basis Titan, Frachthafen

Mittwoch, 19. Juni, 12:00

Tommy schlug sich mehrmals hintereinander mit der flachen Hand gegen die Stirn, als Papa O’Neal von den Planen des Militargefangnisses aufblickte.

»Sunday, was ist denn los?« Der Altere klopfte seine Taschen ab und fand schlie?lich einen leeren Beutel, seufzte und fing an, seinen Rucksack zu durchwuhlen.

»Papa, ich habe Mist gebaut. Ganz gro?en Mist. Das ist jetzt so lange her, dass ich ihn einfach nicht erkannt habe.« Seine Gesichtsfarbe war ganz grau geworden, er sah krank aus.

»Wen erkannt? Vielleicht tust du mir den Gefallen und fangst von vorne an, ich komm da namlich nicht mit.« Er fand einen frischen Beutel und schnitt sich geistesabwesend einen Priem ab, drehte sich dann um und sah seinen Teamkollegen mit geduldiger Miene an.

»Ich hatte wissen mussen, dass das eine Falle war. Und wenn ich aufgepasst hatte, hatten wir das auch. Mein Gott, hab ich Schei? gebaut!«

»Tommy, wenn du jetzt nicht von vorne anfangst, kriegst du es ernsthaft mit mir zu tun. Komm schon, tief durchatmen, und dann sag es mir.«

»Von Anfang an. Okay. Sarah, Hologramm von Lieutenant Joshua Pryce aus der ersten Einsatzbesprechung zeigen.« Das AID baute gehorsam das verlangte Bild vor ihnen in der Luft auf.

»Na und?« O’Neal machte eine ungeduldige Handbewegung.

»Und? Ich kenne den Mistkerl. Vor gut vierzig Jahren habe ich mit ihm zusammen bei den GKA gedient. Ja, vierzig Jahre ist das her … wir waren damals beide bei der Triple-Nickle, zusammen mit Mike junior. Er war der S-2 des Bataillons in Rabun. Wenn ich ihn erkannt hatte, hatten wir Cally nicht verloren.«

Papa O’Neal blieb ein paar Augenblicke lang stumm.

»Das ist ja ein dicker Hund.« Er verstummte erneut. »Aber nach vierzig Jahren … und au?erdem, wenn du ihn erkannt hattest, hatten wir Jay nicht erwischt. Dann hatten wir wer wei? wie viele andere Leute verloren, vielleicht sogar alle, je nachdem, wen Jay noch verraten hatte«, gab er mit ruhiger Stimme zu bedenken. »Also, wer zum Teufel ist das wirklich? Ein Runderneuerter ganz offensichtlich.«

»Jetzt ist er Major General James Stewart. Er hat gerade das Kommando uber die Dritte MP-Brigade ubernommen. Das ist der Mistkerl, der sie geschnappt hat, der Mistkerl, der fur alles das zustandig ist, was die ihr gerade antun. Und Mike ist fur ihn so etwas Ahnliches wie ein Vater

O’Neal starrte zwei, drei Minuten lang stumm ins Leere, und seine Kinnmuskeln arbeiteten. Dann atmete er tief ein und lie? die Luft langsam wieder entweichen.

»Das stimmt im Gro?en und Ganzen. Sag mir blo? nicht, du wusstest inzwischen nicht, dass die Darhel das Sagen daruber haben, was die ihr antun. Stewart erlebt wahrscheinlich jetzt gerade zum allerersten Mal, wie kurz die Zugel sind, an denen die ihn fuhren. Ich meine, er muss es gewusst haben. Aber es zu wissen und es am eigenen Leib zu erleben, sind zwei Paar Stiefel.« Er spuckte in seinen Becher und legte dann den Kopf etwas zur Seite, als ware ihm gerade etwas eingefallen.

»Mach dir keine Vorwurfe, Sunday. Vielleicht hast du uns gerade den Hebel geliefert, den wir brauchen, um sie dort rauszuholen. Lass mir … lass mir einfach ein paar Minuten Zeit, ja? Und hor gefalligst auf, dir Vorwurfe zu machen.«

Der Altere stand auf, ging nach hinten und fing an auf und ab zu gehen, Tommy konnte sogar horen, wie er leise vor sich hin summte, ohne dass eine Melodie zu erkennen gewesen ware.

Basis Titan, Militargefangnis, Sektion Fleet Strike

Mittwoch, 19. Juni, 18:30

James Stewart war schon lange gegen all das abgestumpft, was man Sinda antat. Dazu trugen zu gleichen Teilen seine Wut, das Entsetzen und ganz besonders die Notwendigkeit bei, sein Pokergesicht zu wahren, falls er je Gelegenheit bekommen sollte, Sinda zu retten. Er war nicht bereit, sie »Mahri« zu nennen — das war der Name, den die benutzten. Sinda hie? sie auch nicht, aber so hatte sie sich ihm gegenuber genannt, und einen anderen Namen kannte er nicht.

Als GKA-Soldat hatte er unbeschreiblich schreckliche Dinge erlebt, die die Posleen Menschen und die umgekehrt auch Menschen Posleen angetan hatten. Und noch fruher, in seiner Gang, hatte er wahrscheinlich auch recht schlimme Dinge gesehen, die Menschen anderen Menschen angetan hatten. Jedenfalls ein paar Morde.

Aber er hatte noch nie erlebt, wie eine Gruppe von Menschen einem anderen menschlichen Wesen so etwas antat. Dabei hatte er geglaubt, es gebe nichts, was ihn noch erschuttern konnte. Damit hatte er Unrecht gehabt. Trotzdem, wenn er nicht die Fahigkeit besa?e, abzuschalten und sein Bewusstsein an jenen kalten, effizienten Ort zu verlagern, wo es Barrieren gegen all das Schreckliche gab, dann befande er sich jetzt vermutlich in einer Zelle oder man hatte ihn erschossen — na schon, erneut auf ihn geschossen — und wurde niemandem nutzen konnen.

Der Chief, Yi, lieferte gerade seinen Tagesbericht uber den Zustand der Gefangenen. Die Liste von Verletzungen — zerquetschte und »lediglich« gebrochene Knochen, Schnitte, Prellungen und Verbrennungen — lie? vor seinem inneren Auge schreckliche Bilder entstehen. Zuallererst hatten sie die Serie von Vergewaltigungen fortgesetzt, ihr aber vorher einen Knebel in den Mund gesteckt. Das machte es ihr zwar unmoglich, Informationen zu liefern, aber offenbar hatten diese Mistkerle entschieden, dass sie ihr einfach den Triumph nicht gonnen durften, jene psychologische Schlacht zu gewinnen. Und wenn er sich in die Gedankengange dieser Dreckskerle hineinversetzte, konnte er das sogar begreifen. Trotzdem wurde er jeden Einzelnen von ihnen umbringen, auch wenn er begriff, weshalb sie es getan hatten.

Das Schlimmste, was ihm seit Jahren widerfahren war, abgesehen davon naturlich, dass er zuallererst die MPs auf sie hatte ansetzen mussen, war, am Ende des Tages nach Hause gehen zu mussen und dabei vollig normal zu wirken. Er hatte ihnen zugesehen, wie sie das Licht ausschalteten, die Schwerkraft fur die Nacht auf null herunterfuhren und sie auf ihrer fahrbaren Trage festgeschnallt lie?en. Sie hatten ihr galaktisches Decameth injiziert — das C von Provigil-C minus Provigil. Und dann hatte er kehrtmachen und mit seinem Rollstuhl durch die Tur hinausfahren mussen, gefolgt von seinem eigenen Arzt, der neben dem Monstrum von Fleet wie ein Heiliger aussah.

Basis Titan

Mittwoch, 19. Juni, 19:00

Tommy sa? in dem kleinen Raum auf dem Bett und wartete. Er hielt einen kleinen wei?en, an einer Seite offenen Behalter von der Gro?e einer Zigarrenschachtel in der Hand. An seinem Gurtel hing ein sauberes AID, es sah aus wie jedes andere AID. Heute war das seine wichtigste Aufgabe. Er trug graue Seide mit den Rangabzeichen und den Bezeichnungen seiner Einheit, der er vor langer Zeit angehort hatte. Wenn ihn uberlebende Angehorige der Triple-Nickel-GKA sahen, wurde das auf sie wirken, als sahen sie ein Gespenst. Er hatte seine damalige Haar- und Augenfarbe wiederhergestellt, wobei er ohnehin nicht so viele Anderungen im Gesicht gebraucht hatte wie Cally oder Papa. Oh, er war anders — aber nicht so anders, wenn er das nicht sein wollte. Und sein Korperbau war ohnehin ziemlich schwer zu tarnen.

Von den beiden leer stehenden Raumen am Flur, wo fruher Lieutenant Pryce und jetzt ein General wohnten, dem das System bis zur Stunde noch keine neuen Raume hatte zuweisen konnen, hatten er und Papa den gewahlt, der am nachsten bei der Transitstation lag. Nicht, dass es viel zu bedeuten gehabt hatte. Einer war so gut wie der andere. Oben am Turstock klebte eine winzige Kamera.

Papa O’Neal sa? auf dem Stuhl und beobachtete den Flur auf dem Bildschirm seines PDA. Tatsachlich sah er die letzten funf Minuten im Schnellvorlauf, da die Kamera ihre verschlusselte Sendung nur dann durchgab, wenn

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