unbedingt tun. Vielleicht konnte ich in Anbetracht meiner augenblicklich reichlichen Freizeit anfangen, eine Liste zu machen. Ah, vielleicht besser nicht. Schlecht fur die Moral. Besser, ich tue das, nachdem die mich rausgeholt haben, falls sie das tun. Gott versteht. Das hat Schwester Mary Francis immer gesagt. Zuruck zu meinem Anker. Selbst wenn ich nicht auf dem Boden tanzen kann, dann kann ich immerhin im Kopf tanzen. Los geht’s … Augenblick mal … das hier ist locker — oh, vorher war es das wahrscheinlich nicht, aber mit dem Bruch und wo Blut doch schlupfrig ist — wahrscheinlich war ich eine Weile weggetreten — ein richtig fester Ruck …

Basis Titan, Militargefangnis Fleet Strike

Donnerstag, 20. Juni, 08:00

»Sir, ich empfehle, dass wir die Schwerkraft wieder auf Titan Umwelt schalten, wenn wir Licht machen. Ware doch schlecht, wenn sie auf den Kopf fallen oder sonst einen vorzeitigen todlichen Unfall hatte.« Ob Senior Chief Yi Chang Ho damit zu seinem Lieutenant oder zu General Stewart selbst sprach, war schwer zu erkennen. Der Lieutenant nickte ihm jedenfalls fur den Bruchteil einer Sekunde zu.

»Tun Sie’s«, befahl der General. Der Chief war eine unangenehme Type, und Stewart wurde ihn nicht noch einmal auf Cally loslassen, wenn er das vermeiden konnte. Cally. Das passte zu ihr.

Die Lichter flammten auf, und Cally und die Bahre plumpsten sanft auf den Boden. Sie rollte sich sofort ab, kam auf die Fu?e zu stehen und nahm Kampfhaltung ein.

»Du gro?e Schei?e, wie ist die denn rausgekommen?«, hauchte Keally, einer der MPs.

»Ich denke, ich konnte sie vielleicht brechen. Ich wurde das gern versuchen, ehe ihr wieder anfangt. Bestenfalls fangt sie zu reden an, und wir sparen uns etwas Zeit. Im schlimmsten Fall macht sie das … etwas aufnahmefahiger fur Ihre Bemuhungen.« Stewart blickte auf sie hinab. Dass sie von ihren Fesseln frei war, konnte das alles ein wenig erleichtern. Wenn sie ihn nicht einfach aus Prinzip sofort umbrachte.

»Sie war Ihre Geliebte, nicht wahr?«, sagte Yi. Von einem Unteroffiziersdienstgrad war das eine grobe Unverschamtheit, aber er hatte nicht vor, beleidigt zu sein.

»Ich war ihrer. Am Ende hat sie das demaskiert.« Er zuckte die Achseln. »Schade, ich hatte euch Boys einen Blow Job von ihr gegonnt.« Er grinste schief, als die Manner zu schmunzeln begannen.

»General, ich mache mir gro?e Sorgen, dass sie Sie verletzen konnte. Besonders in Anbetracht Ihrer vorangegangenen Verletzungen …«, begann der Arzt.

»Richtig. Sie haben Recht. Keally, Baker, kommen Sie mit. Keine Waffen — wir durfen schlie?lich nicht riskieren, dass sie sie uns wegnimmt, oder?« Er drehte seinen Rollstuhl herum in Richtung Serviceaufzug. »Oh, das sollte nicht lange dauern. Entweder klappt es und sie fangt zu reden an, oder es klappt eben nicht. Ich versuch’s zuerst auf die Tour ›guter Cop‹, und wenn sie nicht redet, werde ich eine Weile mit ihrem Kopf spielen, ehe ich sie Ihnen zuruckgebe.«

Er stand jetzt an der Tur und winkte seine Manner zuruck.

»Ich brauche kein Kindermadchen, mein Sohn. Ich sitze heute nur auf dem Stuhl, um die verdammten Wei?kittel zu befriedigen. Und in ein paar Minuten sitze ich wieder drauf.« Er rausperte sich, hielt sich eine Hand uber den Mund. »Horen Sie zu. Wenn wir zur Tur reingehen, bleibe ich zuerst mit Ihnen zusammen zuruck. Ich werde erst dann weitergehen, wenn ich mir einigerma?en sicher bin, dass das ungefahrlich ist, aber wenn ich auf die Gefangene zugehe, mussen Sie an der Tur bleiben.«

»General Stewart, Sir, ich fuhle mich bei diesem Plan hochst unbehaglich«, sagte Baker.

»Zur Kenntnis genommen. Wenn sie uns angreift, konnen Sie meinen Ruckzug decken.« Er legte die Hand auf die Sensorplatte der Tur, die sofort den Brigade-CO erkannte und gehorsam zur Seite glitt.

Als sie drinnen waren, traten Baker und Keally links und rechts neben ihn, und Cally musterte sie argwohnisch. Er trat zwei Schritte vor, winkte den Mannern, zuruckzubleiben, und bemuhte sich nicht zusammenzuzucken, als er die rotbraunen Flecken sah, die sich so deutlich von dem wei?en Fu?boden abhoben. Der Raum roch nach Schwei?, Rost und irgendwelchen Chemikalien.

Die fahrbare Bahre lag auf der von der Beobachtungstribune abgewandten Seite des Raums umgekippt auf dem Boden. Er drehte den Kopf halb zu Cally hinuber und kniff kurz ein Auge zu. Baker und Keally konnten das nicht sehen. Aus dem Beobachtungsraum oben, falls es dort jemand bemerkt hatte, wurde es wie ein normaler Lidschlag ausgesehen haben. Nur Cally konnte beide Augen sehen. Falls sie es bemerkt hatte, lie? sie sich nichts anmerken.

»Sind! Bitte, Honey, lass nicht zu, dass die dir das antun. Wenn du nicht redest, kann ich dich nicht beschutzen. Wenn du denen alles sagst, Honey, ich bin schlie?lich ein Major General — ich kann einen Deal mit denen machen, damit dein Teil an der ganzen Geschichte verschwindet.« Er ging einen Schritt auf sie zu.

Eine ihrer Augenbrauen uber ihrem schwarz und gelb angeschwollenen Auge zuckte skeptisch nach oben. Sie ruhrte sich nicht von der Stelle.

»Honey, die wollen nicht dich, die wollen blo? die Radelsfuhrer. All diese schrecklichen Dinge sind so unnotig — aber wenn du nicht redest, kann ich dich nicht beschutzen.« Er stand jetzt dicht vor ihr und strich mit einer Hand uber eine unverletzte Stelle ihrer Wange und betete im Stillen darum, dass sie nicht ihm fur das, was sie ihr bereits angetan hatten, die Schuld gab. Nun ja, jedenfalls brachte sie ihn nicht sofort um. Gutes Zeichen.

Er beugte sich vor und kusste sie, legte ganz sanft die Arme um sie. Keiner der Beobachter konnte die Pille sehen, die dabei von seinem Mund in den ihren wanderte. Sie wurde sie zerdrucken mussen, ehe sie schluckte, aber Tommy hatte ihm gesagt, dass sie das ahnen wurde.

»Bitte, Liebes, wie ist dein richtiger Name?«, fragte er fur die Kameras.

Sie erstarrte in seinen Armen, und er konnte nicht erkennen, ob sie zugebissen hatte oder nicht. Offenbar. Sie schluckte hart.

»Nein«, sagte sie.

Er stie? sie unsanft von sich und ging zur Tur zuruck und drehte sich dort um.

»Was, du hast dir wirklich eingebildet, ich wurde dich blo? wegen ein paarmal bumsen hier rauslassen, ohne dass du uns sagst, was du wei?t? Tut mir Leid, Honey. Oh, du hast dir wirklich Muhe gegeben, aber ich hab schon Bessere gehabt.« Er musterte ihren nackten, misshandelten Korper von oben bis unten. »Oh, und Schluss mit den Spielchen mit den Mannern. Wenn du genugend angeturnt bist, um zu reden, kannst du ja vielleicht einen zuruckkriegen. Aber nicht mich. Ich halte nicht viel von beschadigter Ware.«

Baker und Keally schafften es gerade noch, ihn aus dem Raum zu rei?en und die Tur zu schlie?en, ehe sie sich dagegenwarf und ein paar so kreative Verwunschungen ausstie?, dass der Private dazu einen bewundernden Pfiff ausstie?.

Wenn sie nicht fast eine Sekunde lang mit herunterhangendem Unterkiefer dagestanden hatte, hatten sie es nie geschafft.

»Ich glaube, Sie haben sie verargert, Sir.« Der MP half ihm auf seinen Rollstuhl.

»Yeah, Keally, sieht so aus. Wieder nach oben.« Er rollte zum Lift und hoffte, dass sie begreifen wurde, warum er so schlimme Dinge hatte sagen mussen. Er sah sich nicht um.

Basis Titan, Militargefangnis Fleet Strike

Donnerstag, 20. Juni, 12:32

Die Wirkung der Pille setzte etwa vier bis funf Stunden spater ein, so wie Stewart es versprochen hatte. Der Mistkerl von Fleet bearbeitete gerade ihre Fingernagel, als sie plotzlich in Schockzustand geriet. Ihr Zustand verschlechterte sich rapide, so sehr sich der Arzt auch bemuhte, sie wiederzubeleben. Er hatte das nicht gewusst, aber Mikes Dad hatte ihm gesagt, dass diese ganz spezielle Pille ziemlich exakt den Folterfallen entsprach, wo eine bisher nicht bekannte Herzschwache das Opfer dazu veranlasst, einfach abzuschalten.

Der Arzt war offensichtlich verzweifelt. Und das mit gutem Grund. Dass er die »Herzschwache« nicht entdeckt hatte, wurde man mit Sicherheit ihm zur Last legen. Der Mann konnte einem wirklich Leid tun.

Sie versuchten sie in die Intensivstation zu verlegen, einem Raum aus grunem GalPlas und Chirurgenstahl. Die Station enthielt jegliches GalTech-Gerat, das ein Arzt sich wunschen konnte, roch aber dennoch nach Desinfektionsmittel. Als sie dort eintraf, waren ihre Lebenszeichen erloschen. Flatline. Wenn es einmal so weit

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