die ubrigen elf Hohen Lords und folgten Loguire ins Exil. „Also, wie hat sie den Fall der beiden Bauern entschieden?“ fragte Gekab, den Rod ausritt, um sich ungestort mit ihm unterhalten zu konnen, denn in der Kaserne war er selten allein, und dem Roboter nur durch das Mikrophon zu lauschen, war unbefriedigend.
„Oh“, antwortete Rod. „Sie erklarte die Entscheidung des Priesters fur richtig. Dem alten Bauern gefiel das nicht so recht, aber Catherine hatte ein As im Armel, sie sagte, der Junge musse seinen Schwiegervater im Alter unterstutzen. Woraufhin der alte Bauer grinste, und der Junge so aussah, als ware er sich gar nicht mehr sicher, da? er den Fall gewonnen hatte.“ „Eine gro?artige Entscheidung“, lobte Gekab. „Die junge Dame konnte als Richter eine Karriere machen.“ „Wenn sie nur die Finger von der Politik lie?e“, murmelte Rod. Sie ritten der untergehenden Sonne entgegen, die den Himmel blutrot farbte. Das erinnerte Rod an etwas. „Sagtest du nicht, es bestunde die Gefahr eines weiteren Attentats auf die Konigin?“ „Ja, durch die Ratgeber der Hohen Lords, die zweifellos alle der gleichen au?erplanetaren Rasse angehoren, was allein schon ihr Aussehen beweist, das auf eine Kultur mit langlebigem Alter schlie?en la?t, und das wiederum auf hohe Technologie. Sie sind auf totale Anarchie auf diesem Planeten aus, und da steht ihnen Catherine naturlich im Weg. Doch nicht nur die Ratgeber sind ihr Feinde, sondern auch der Spotter.“ „Wa-as?“
„Wie, wurden Sie sagen, sieht er aus?“
„Absto?end ha?lich!“ Rod schuttelte sich.
„Sein Korperbau? Sein Hocker kann vorgetauscht sein.“
„Du meinst doch nicht… Ja, du magst recht haben. Er ist genauso gro? und durr wie die Ratgeber, und wenn man uber die vielleicht betonte Ha?lichkeit hinwegsieht, hat er tatsachlich unverkennbare Ahnlichkeit mit den Ratgebern! Was bedeutet, da? auch er aus einer Kultur mit hochentwickelter Technologie stammt, wenn auch nicht unbedingt von derselben wie die Ratgeber.“
„Das hei?t aber nicht, da? sie zusammengehoren“, gab Gekab zu bedenken. „Er ist vielleicht nicht an totaler Anarchie, sondern an der Errichtung einer Diktatur interessiert. Aber deshalb steht auch ihm Catherine im Weg. Er sieht lieber jemanden auf dem Thron, den er beherrschen kann.“
„Tuan!“ rief Rod.
„Ja, doch zuerst mu? er, wie gesagt, die Konigin eliminieren.“
„Also sind sowohl die Ratgeber als auch das Haus Clovis auf Catherines Blut aus!“
„Richtig. Doch bis jetzt gibt es keine Anzeichen, da? sie zusammenarbeiten, eher gegeneinander…“
„Aber was wollen sie hier, Gekab?“
„Wir konnen annehmen, da? sie getrennt voneinander hierherkamen, um etwas an sich zu bringen, das es hier auf Gramayre gibt.“
Rod zog die Brauen zusammen. „Es gibt hier doch, soviel ich wei?, keine seltenen Bodenschatze…“
„Ich dachte dabei an Schatze menschlicher Art.“
Rods Augen weiteten sich. „Die Esper! Naturlich! Sie sind der Hexen wegen hier!“
„Oder der Elfen!“ meinte Gekab.
„Was konnten sie denn mit den Elfen anstellen?“ fragte Rod stirnrunzelnd.
„Ich habe noch keine Hypothese dafur, aber die logische
Moglichkeit darf nicht au?er acht gelassen werden.“
„Na gut, du bleibst bei der logischen Moglichkeit, und ich bei den Hexen. Wer uber Telepathen verfugt, konnte die Macht in der Galaxis an sich rei?en. He!“ rief er erschrocken. „Das ware tatsachlich moglich!“
Ein schrilles Heulen erhob sich von den Burgzinnen, unmittelbar unter dem Ostturm. Rod konnte die Einzelheiten der Gestalt dort erkennen, obwohl sie verschwommen, eben wie ein Gespenst war. Aber dazu mu?te sie riesig sein, wenn man die Entfernung in Betracht zog. Sie trug die Fetzen eines Leichentuchs, hatte die Figur einer uppigen Frau, aber den Kopf eines Kaninchens mit Sto?zahnen.
„Beeilung, Gekab!“ brullte Rod und galoppierte zur Burg zuruck, wo er auf dem Weg zu den Gemachern der Konigin funf Paar Wachen uberrannte. Brom O'Berin wartete bereits mit verschrankten Armen vor der Tur auf ihn. „Du hast lange gebraucht!“ brummte er finster, aber seine Augen verrieten die Angst. Du mu?t heute nacht neben ihrem Bett Wache halten, Zauberer.“
Rod erstarrte. „Ich bin kein Zauberer, sondern Soldner!“
„Es ist nicht die richtige Zeit, mir zu widersprechen. Du kannst dich nennen, wie du willst, aber jedenfalls hast du die Krafte eines Zauberers. Also, marsch, hinein mit dir!“
Catherine sa? in einem riesigen Bett und schaute ihnen uberrascht entgegen. „Was wollt ihr hier?“ rief sie emport.
Hatte sie das Geheul des Gespensts wirklich nicht gehort?
Sie streckte die Hand aus, um sich einen Kelch mit dampfendem Gluhwein von einer Leibmagd reichen zu lassen.
Hastig sprang Rod dazwischen und fa?te nach dem Kelch, wahrend er mit der Linken das „Einhorn-horn“ vom Gurtel loste.
„Mein Herr, was soll das!“ fauchte Catherine.
Gekabs Stimme drang aus dem Mikrophon: „Substanz der Analyseneinheit ist schadlich fur menschlichen Metabolismus.“
Aber die konische Hulle war leer. Rod hatte den Wein uberhaupt noch nicht hineingegossen. Nur Luft befand sich in ihr! Nur Luft!
Rod druckte den Knopf. Die Scheide farbte sich purpurrot. Die Konigin starrte auf das Einhornhorn. „Was bedeutet das?“ fragte sie erschrocken.
„Vergiftete Luft!“ stie? Rod hervor und druckte den Kelch in die Hand einer Leibmagd. Er sah sich um. Etwas hier stromte Giftgas aus. Der Kamin! Er rannte zu den Flammen und hielt die Scheide daruber, doch das Purpur verbla?te ein wenig. „Nicht hier!“ brummte Rod. Er hielt das Horn hoch und stapfte damit kreuz und quer durch das Gemach. Die Scheide blieb lavendelfarbig. Er naherte sich dem Bett, und sie farbte sich wieder dunkler.
Grauenerfullt, aber fasziniert schaute Catherine auf das Horn. Rod buckte sich und schaute unter das Bett. Auf dem Steinboden darunter stand eine dampfende Warmpfanne. Er packte den langen Griff, zog sie hervor und hielt die Scheide uber das Loch, aus dem der Dampf stieg. Soviel er sich erinnerte, hatten Warmpfannen normalerweise au?er dem normalen Verschlu? keine Offnungen. Das Horn farbte sich fast schwarz. Rod schaute zur Konigin hoch. Sie hatte sich die Fingerkno chel einer Hand zwischen die Lippen geschoben, um nicht zu schreien.
Rod drehte sich um und streckte die Pfanne einem Posten entgegen. „Schnell, wirf es in den Burggraben!“ befahl er ihm. Dann wandte er sich erneut Catherine zu. „Wir haben das Gespenst wieder einmal hereingelegt, Eure Majestat!“ Catherines Hand zitterte, als sie sie vom Mund nahm. Ein wildes Licht glitzerte in ihren Augen. „Meister Gallowglass, bleibt bei mir. Ihr anderen, zieht euch zuruck, sofort!“ Rod schluckte und seine Knie wurden weich. Sie war in diesem Augenblick die schonste Frau, die er je gesehen hatte. Wachen und Leibmagde drangten sich zogernd durch die Tur.
Nur der Zwerg blieb. „Brom O'Berin“, befahl die Konigin, „la? auch du uns allein!“
Emport wollte der Troll aufbegehren, doch dann schluckte er seinen Arger und schlo? die Tur hinter sich.
Catherine legte sich auf die weichen Seidenkissen zuruck und griff mit einer Hand nach Rods. „Ihr habt mir nun zum zweitenmal das Leben gerettet, Meister Gallowglass.“ Sie drehte sich auf die Seite, da? die Samtrobe, in die sie sich gehullt hatte, weit klaffte. Offenbar zog sie es vor, nackt zu schlafen.
Rod bi? die Lippen zusammen. Du bist nicht hier, dich von einer Konigin verfuhren zu lassen, Junge, mahnte er sich, sondern um fur Demokratie zu sorgen.
Catherine spielte mit einem Anhanger um den Hals und betrachtete Rod wie eine Katze den Kanarienvogel. „Soldner haben einen bestimmten Ruf“, murmelte sie. Ihre Lippen glanzten feucht.
„So wie meine Konigin ihr Land reformieren will, hoffe auch ich, den Beruf des Soldaten zu reformieren und so seinen Ruf zu bessern.“
Einen Augenblick mu?te Catherines Herz ausgesetzt haben, so reglos lag sie. Dann verharteten sich ihre Zuge, und das Schweigen im Zimmer wurde angespannt. Sie zog die Samtrobe uber dem Busen zusammen. „Euch gilt hochstes Lob, Meister Gallowglass“, sagte sie gepre?t. „Ich bin wahrhaft glucklich zu schatzen, solch getreue Manner um mich zu haben.“
Unter den gegebenen Umstanden war sie fur diese Worte zu bewundern, obgleich Rod ein wenig Spott aus ihrer Stimme zu horen glaubte. Sie schaute ihm in die Augen. „Nehmt den Dank der Konigin entgegen“, fuhr sie
