fort.

Rod lie? sich auf ein Knie fallen.

„Ja, wahrhaftig bin ich glucklich zu schatzen“, wiederholte Catherine. „Ihr habt mir das Leben gerettet, und ich glaube, da? ich nicht so leicht in der Gegenwart eines anderen Soldaten so sicher ware wie in Eurer.“

Rod wand sich innerlich.

Sie lachelte, und einen fluchtigen Moment glitzerten ihre Augen boshaft und zufrieden, doch dann senkte sie den Blick.

„Geht jetzt, ich habe morgen einen schweren Tag vor mir und mu? ausgeruht sein.“

„Euer Wunsch ist mir Befehl!“ Rod drehte sich um und stapfte zur Tur hinaus. Doch langer konnte er sich nicht mehr beherrschen. Er hieb mit der Faust gegen die Wand.

„Nun, mu? ich mich vor dir als dem nachsten Konig zu Boden werfen?“ knirschte Brom O'Berin zwischen den Zahnen hervor.

Rod hielt sich nur muhsam zuruck. „Ich mu? meine Zeit besser nutzen, als die konigliche Wiege an mich zu rei?en.“

Die Wut schwand aus Broms Augen. „Ich glaube dir“, murmelte er.

Rod pre?te die Lider und Zahne zusammen und ballte hilflos die Fauste. Viel langer konnte er sich nicht mehr beherrschen.

Wie aus weiter Ferne horte er Brom sagen: „Er hat eine Botschaft aus dem Hexenturm fur dich…“

Rod zwang sich, die Augen zu offnen. Zu Broms Fu?en sa? im Schneidersitz ein Elf: Puck.

Rod straffte die Schultern. Wenn die Hexen ihm eine Botschaft schickten, war sie zweifellos wichtig. Er mu?te seiner Wut spater Luft machen. „Also, heraus mit der Sprache“, forderte er den Troll auf. „Was lassen die Hexen mir sagen?“

Aber Puck schuttelte lediglich den Kopf und murmelte: „Gro?er Gott, welche Dummkopfe diese Menschen sind!“ Er sprang hastig zur Seite, ehe Rods Faust einen Sekundenbruchteil spater gegen die Wand schlug, an die er sich gerade noch gelehnt hatte. Rod heulte vor Schmerz auf und wirbelte herum. Er sah Puck und holte erneut gegen ihn aus.

„Nicht so heftig“, murmelte Robin Goodfellow, und schon fullte ein riesiger, grell rosa und gruner Drache den ganzen Korridor.

Rod sperrte die Augen auf, dann grinste er und fletschte in wilder Freude die Zahne. Er duckte sich unter den Flammen und scho? unter dem Schadel des Ungeheuers hoch. Seine Finger legten sich um den Schuppenhals und die Daumen druckten in die Halsschlagader. Der Drache ri? vor Schmerz heulend den Schadel hoch und schlug damit wie eine Peitsche um sich. Aber Rod lie? nicht locker, auch nicht, als der Drache seinen Kopf gegen die Wand hammerte. Dann beugte er den machtigen Hals, und die gewaltigen Krallen der Hinterbeine rissen Rods Seite vom Schlusselbein bis zu der Hufte auf. Blut spritzte heraus. Rod spurte, wie Schwarze ihn einzuhullen drohte, aber er war entschlossen, den Drachen mit sich in den Tod zu nehmen.

Grimm erfullte ihn, da? ihm ein Wutanfall, einer Frau wegen, das Leben kosten sollte. Da schwand die Schwarze wieder, die ihn schon fast ubermannt hatte. Der Drache war verschwunden. Nur noch die brokat- behangenen Granitwande waren zu sehen. Blinzelnd starrte Rod an sich hinab. Sein Wams war unbeschadigt, von Blut oder auch nur der geringsten Verletzung keine Spur. Und plotzlich war sein Kopf wieder vollig klar und er schaute hinab auf den Elf. Puck erwiderte seinen Blick ernst. „Zauber?“ fragte Rod ihn.

Puck nickte. „Es war notwendig. Doch begleitet mich jetzt zu den Hexen. Sie beriefen eine Versammlung ein, und als Zauberer mu?t Ihr daran teilnehmen.“

Rod war es leid, wieder einmal zu erklaren, da? er keiner war. Als Versammlung konnte man diese Zusammenkunft der Hexen wohl nicht bezeichnen. Sie feierten noch ausgelassener als in der vergangenen Nacht. „Weshalb die neue Party?“ erkundigte sich Rod. „Wir feiern, weil unsere Konigin lebt!“ brullte Roby vergnugt.

„Und Ihr seid der Held! Ihr habt das Gespenst vertrieben!“

„Held…“ Rod griff nach dem angebotenen Krug, nahm einen tiefen Schluck und fing plotzlich heftig zu husten an.

„Was habt Ihr?“ erkundigte sich Toby besorgt und klopfte dem Alteren kraftig auf den Rucken.

„Hor auf!“ krachzte Rod. „Mir fehlt nichts. Mir ist blo? plotzlich etwas klar geworden: das Gespenst ist gar nicht echt!“

„Was sagt Ihr da?“ brullte Toby durch den Larm der Feiernden.

„Das Gespenst soll doch nur erscheinen, wenn jemand stirbt!“

brullte Rod zuruck. „Richtig?“

„Ja“, erwiderte Toby verwirrt.

„Wenn jemand stirbt!“ betonte Rod. „Nicht, wenn jemand in Gefahr ist. Also schlie?e ich, da? es kein echtes Gespenst ist — jemand la?t es erscheinen. Die Frage ist nur, wer?“

Tobys Kinn klappte hinunter. „Aldis!“ rief er. Und als Rod nickte, fuhr er fort: „Lausch auf Durers Gedanken!“

Das Madchen nickte und schlo? die Augen. Nach einer kurzen Weile offnete sie sie wieder und starrte Rod verangstigt an.

„Sie sind sehr wutend, da? die Konigin nicht starb, aber noch wutender, weil sie nicht wissen, wer heute nacht das Gespenst auf die Zinnen geschickt hat.“

Rod nickte und pre?te die Lippen zu einem dunnen Strich zusammen. Dann nahm er einen tiefen Schluck aus seinem Krug und schritt zur Treppe. Toby flog ihm nach und griff nach seinem Armel. „Wohin eilt Ihr?“

„Zu den Zinnen“, erwiderte Rod. „Wo sollte ich sonst nach dem Gespenst Ausschau halten?“

Der Nachtwind schnitt durch seine Kleider, als er hinaus auf die Zinnen trat. Ein Mond warf seinen Schatten vor ihm her und lie? die Zinnen wie luckenhafte Zahne aufleuchten. Rod entsann sich, da? das Gespenst bisher noch jedesmal unter dem Ostturm erschienen war. Er blickte hinunter auf die Stadt. Eine lange wei?e Stra?e wand sich dort zur Zugbrucke hoch. Und genau in der Mitte der Stadt erhob sich wie ein riesiger

Grabstein aus Basalt das Haus Clovis.

Plotzlich horte Rod ein stolperndes, scharrendes Gerausch hinter sich. Sofort duckte er sich und zog den Dolch. Tom kam mit etwas um den Arm gewunden schweratmend die Wendeltreppe hoch. Als er Rod sah, leuchtete sein Gesicht auf.

„O Herr, es ist Euch nichts passiert!“ rief er erleichtert.

„Was sollte mir schon passiert sein?“ entgegnete Rod und schob den Dolch in die Scheide zuruck. „Was machst du denn hier?“

Der Riese blieb stehen. Er schaute verlegen zu Boden. „Ich -

ich horte, Meister, da?…“ Dann blickte er hoch und die Worte uberschlugen sich fast: „Ihr durft Euch nicht mit dem Gespenst anlegen, Herr! Doch wenn Ihr es tut, sollt Ihr es nicht allein!“

Rod musterte das Gesicht des Giganten und fragte sich, wie er diese tiefe Verehrung verdient hatte, dann lachelte er weich.

„Deine Knie sind zu Gummi geworden, allein bei dem Gedanken an das Gespenst, und trotzdem hast du den Mut, mich zu begleiten.“

Tom grinste verlegen und starrte wieder auf den Boden. Rod konnte sich im Mondlicht nicht sicher sein, aber ihm war, als hatte eine schwache Rote das Gesicht des Riesen uberzogen. Er machte sich in Richtung auf den Ostturm auf den Weg. Tom stapfte neben ihm her. Plotzlich warf er ihm seinen Umhang, den er um den Arm gewunden gehabt hatte, uber die Schultern.

„Damit Ihr nicht friert, Herr“, brummte er.

Rod war von dieser Geste geruhrt, doch gleichzeitig wurde ihm klar, da? der Umhang ihn in einem eventuellen Kampf behindern wurde — und genauso klar wurde ihm, da? das auch Tom bewu?t war.

„Habt Ihr denn keine Angst vor dem Gespenst, Meister?“

Rod dachte nach. „Nein, warum auch? Diese Art von Gespenstern hat noch nie jemandem etwas angetan, es ist nur so eine Art Todesbote, verstehst du?“

„Trotzdem ist es ein Wunder, da? Ihr keine Angst habt. Wollt

Ihr nicht lieber in den Schatten des Zinnengangs gehen, Meister? Ihr seid dort sicherer. In der Mitte, wo Ihr Euch befindet, konnt Ihr von beiden Seiten angegriffen werden.“

„Ich ziehe die Mitte vor“, erklarte ihm Rod. „Wenn die Stra?e richtig gebaut ist, ist sie in der Mitte am hochsten, und der Wanderer sieht, was von links und rechts kommt. Die Seiten dagegen konnen trugerisch sein.

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