Herzens geben konnte, denn er wurde sie nie wieder sehen. Doch dann wurde ihm klar, da? sie gar nicht wirklich darauf wartete, sondern eher auf seinen Spott, weil sie auch nur fluchtig die Unverschamtheit besessen hatte, sich fur von so gro?em Wert zu halten, da? er sie seines Dankes versichern wurde. Und sie wu?te, da? ihre stumme Bitte ihr nur Leid bringen wurde, und trotzdem flehten ihre Augen, denn eine Frau lebt von der Liebe, und sie war eine Frau von nahe drei?ig in einem Land, wo Madchen bereits mit funfzehn heirateten. Sie hatte sich bereits damit abgefunden, da? es in ihrem Leben keine dauerhafte Liebe geben wurde, da? sie sich mit den paar Krumen zufrieden geben mu?te, die man ihr bot.

Sein Herz schlug ihr entgegen, vielleicht ein wenig durch seine Selbstvorwurfe angetrieben. Und so sagte er naturlich eine der Lugen, wie Manner sie verwenden, um Frauen zu trosten, und die sie spater erst als Wahrheit erkennen.

Er ku?te sie und murmelte: „Das war nicht das Leben, Madchen, nur wozu das Leben gut ist.“

Spater, als er sich in den Sattel schwang und sich noch einmal zu ihr umdrehte, wahrend Tom seinem Madchen ein vergnugtes Lebewohl zuwinkte, sah er die Verzweiflung, ja fast Panik in ihren Augen und die Bitte um nur ein Funkchen Hoffnung. Und da erinnerte er sich, da? Tom gesagt hatte, selbst ein Funkchen ware bereits zuviel. Aber er wurde das Madchen ja nie wiedersehen.

„Sag mir deinen Namen, Madchen“, bat er.

Aber schon dieser Schimmer lie? ihr Gesicht zu einem Strahlen aufleuchten. „Ich hei?e Gwendylon, Mylord!“ rief sie.

Als sie um eine Stra?enbiegung gekommen und die Madchen nicht mehr zu sehen waren, seufzte Tom und brummte: „Ihr seid zu weit gegangen, Herr. Jetzt konnt Ihr sie nie wieder loswerden.“ Er gab seinem Pferd die Fersen und ritt voraus.

Rod folgte ihm schweigend, doch er sah weder ihn, noch die friedliche Landschaft, nur das Bild des Madchens mit dem flammendroten Haar und den smaragdgrunen Augen. Es beunruhigte ihn. „Gekab“, murmelte er. Und als der Roboter sich hinter seinem Ohr meldete: „Gekab, ich fuhle mich nicht, wie ich sollte.“

Gekab antwortete erst nach einer Weile: „Wie fuhlen Sie sich denn, Rod?“ Es klang irgendwie, als mache der Roboter sich uber ihn lustig. Rod schaute auf den Pferdeschadel hinunter.

„Gekab, lachst du mich vielleicht aus?“

„Rod, mu? ich Sie daran erinnern, da? ich nur eine Maschine bin, die keiner Gefuhle machtig ist? Mir fielen lediglich Unvereinbarkeiten auf.“

„Oh, und welcher Art?“ fragte Rod scharf.

„Nun, da? Sie sich einzureden versuchen, Sie seien emotional nicht von diesem Bauernmadchen abhangig.“

„Sie hei?t Gwendylon!“

„Mit ihr oder sonst einer Frau. Sie mochten von sich glauben, da? es Ihnen keinen Spa? mehr macht, verliebt zu sein.“

„Oh, ich halte sehr viel von der Liebe!“

„Das ist etwas anderes“, murmelte der Roboter, „als verliebt zu sein.“

„Verdammt, ich meine damit nicht das Korperliche.“

„Ich auch nicht.“

Rods Lippen wurden schmal. „Du denkst dabei also an Gefuhlsrausch? Und wenn es das ist, woran du denkst — nein, dann bin ich nicht verliebt und habe auch kein Verlangen danach, es zu sein! Und wenn ich auch nur ein Wortchen in dieser Sache mitzureden habe, werde ich mich auch nie mehr wie ein Dummkopf verlieben!“

„Genau, was ich sagte, da? Sie sich einreden wollen.“

Rod knirschte mit den Zahnen und wartete, bis sein Arger abklang. „Und wie sieht es in Wirklichkeit aus?“

„Sie sind verliebt!“

„Verdammt!“ Rod brullte nun fast. „Ich war schlie?lich schon ofter verliebt und wei?, wie es ist.“

„Und wie ist es?“ Der Roboter lie? nicht locker.

„Nun…“ Rod lie? den Blick uber die Gegend schweifen. „Man wei?, da? es die Welt gibt, da? sie echt ist, aber das ist einem vollig egal. Wichtig ist nur, da? man sich selbst als ihr Mittelpunkt fuhlt.“

„Und hatten Sie vor kurzem diese Gefuhle?“

„Nun — ja, verdammt!“ Rod verzog die Lippen.

„Bei Catherine?“

Rod starrte wutend auf den Nacken des Pferdes. „Woher, zum Teufel, wei?t du das?“

„Logik, Rod. Und wie fuhlten Sie sich bei Gwendylon?“

„Oh…“ Rod warf die Schultern zuruck und reckte sich.

„Gro?artig, Gekab. Besser denn je. Die Welt ist schoner, der Tag heller. Ich fuhle mich so gesund und von so klarem Kopf, wie ich es mir nie hatte vorstellen konnen. Es ist genau das Gegenteil von dem Gefuhl, das ich empfinde, wenn ich verliebt bin.“

Gekab schwieg. Rod runzelte die Stirn. „Na?“

Es dauerte eine Weile, ehe der Roboter endlich antwortete. „Ich habe mich getauscht, Rod. Sie sind nicht verliebt — Sie lieben!“

„Aber weshalb bin ich dann nicht verliebt?“

Etwas wie ein Seufzen erklang hinter Rods Ohr. „Nennen Sie mir den Unterschied zwischen den beiden Frauen, Rod.“

„Nun…“ Rod kaute an seiner Wange. „Gwendylon ist menschlich. Ich meine, sie ist eine ganz normale, alltagliche Frau, so wie ich ein ganz normaler, alltaglicher Mann bin.“

„Und Catherine ist mehr?“

„Oh, sie ist eine Art von Frau, die ich auf ein Piedestal hebe -

eine, die man anbetet, nicht hofiert…“

„Und nicht liebt?“ fragte der Roboter. „Rod, welche von den beiden Frauen ist menschlich wertvoller?“

„Uh-Gwendylon.“

„Damit ist das Verhor beendet“, erklarte das Robotpferd.

Die Domane der Loguires war eine gewaltige Ebene zwischen den Bergen und dem Meer. Die Hugelkette befand sich im Norden und Osten, sanfter Strand in einem Halbkreis im Suden, und Steilkuste im Nordwesten, von ihr rauschte auf der anderen Seite ein Wasserfall ins Tal. Ein Flu? schlangelte sich durch die Ebene dem Meer entgegen. Die Ebene selbst wirkte von den Bergen oben wie zusammengenahte Flicken mit ihren Feldern und hier und da einer Ansammlung von Bauernkaten — Loguires Leibeigene.

Rod und Tom ritten am Rand eines der Bergwalder, wo die Stra?e aus dem Norden sich ins Tal hinabwand. Rod blickte sich um. „Wo ist denn die Burg?“ fragte er.

„Hinter dem Wasserfall, Herr.“

Rod blinzelte unglaubig, dann folgte er Toms Blick. Wo die Klippen zur Ebene abfielen, war ein gewaltiges Tor mit Fallgitter in den Fels gehauen und davor fuhrte eine Zugbrucke uber einen naturlichen Burggraben, den ein Bogen des Flusses bildete. Die Loguires hatten den Fels zu ihrer Behausung ausgehohlt.

Rod zog die Brauen zusammen. „Ist das wirklich ein Damm zu beiden Seiten der Zugbrucke, Tom?“

„Ja, Meister, und man sagt, er sei mit Schie?pulverladungen gespickt.“

Rod blickte nachdenklich. „Und das Land vor dem Fallgattertor fallt ab. Nahern sich unliebsame Besucher, wird der Damm in die Luft gejagt, und die Haustur steht zehn Meter unter Wasser. Sehr schlau! So kann man eine Belagerung schon aushalten. Der Wasserfall bietet mehr als genugend frisches Wasser, bleibt nur noch das Nahrungsproblem.“

„Es soll innerhalb des Burgkomplexes Garten geben.“

Rod nickte in stummem Respekt. „Wurde die Burg je eingenommen, Tom?“

Der Riese schuttelte den Kopf. „Nie Herr“ Er grinste.

„Glaubst du, man hat darin Platz fur zwei mude Wanderer?“

Tom zuckte eine Schulter. „Bestimmt, wenn wir Edelleute waren, Herr. Die Gastfreundschaft der Loguires ist sprichwortlich. Aber fur meinesgleichen, und selbst fur Euch, den man hochstens als Junker anerkennen wird, liegt die Gastfreundschaft in den Katen.“

Rod blinzelte in den Himmel. „Da ist dieser verdammte Vogel schon wieder! Sieht er denn nicht allmahlich ein, da? wir viel zu gro? fur eine Mahlzeit fur ihn sind?“ Er griff nach seiner Armbrust und legte einen Bolzen

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