Eine grabestiefe, betrubte Stimme antwortete ihm stohnend aus der Luft. „Verla?t uns, Sterblicher. Gonnt uns den Frieden unserer Gruft. Wir tun niemandem etwas in unseren kalten

alten Gewolben.“

„Niemanden, au?er denen, die hierherkommen“, schnaubte Rod. „Und die totet ihr, genau wie ihr mich getotet hattet -

durch die Furcht, die sie vor euch empfinden.“

„Nur Wahnsinnige und Toren kommen hierher. Und wurdet nicht auch Ihr Euer Zuhause verteidigen?“

„Welches Recht habt ihr auf diese Gewolbe?“

Plotzlich zeigte sich einer der Geister uber ihm. „Ich I war einst Horatio, der erste Herzog Loguire!“ donnerte er wutend. „Ich erbaute diese Burg! Habe ich da kein Recht auf ein armseliges, kaltes Platzchen in ihren Mauern?“

„Doch, ich glaube schon. Aber wie viele habt Ihr getotet, bis man Euren Anspruch anerkannte?“

„Keinen.“ Es klang bedauernd. „Sie sind alle furcht erfullt geflohen.“

„Ich beabsichtige nicht, Euch etwas anzutun, Horatio.“ Rod grinste sarkastisch. „Selbst wenn ich es wollte, wie konnte ich?“

„Das wi?t Ihr nicht, Sterblicher?“

„Ein Geist“, erklarte Gekab hastig hinter Rods Ohr, „genau wie alle ubernaturlichen Wesen, scheuen kaltes Eisen und Silber.

Selbst Gold erfullt seinen Zweck, wird jedoch aufgrund seines Preises selten fur eine Geisterjagd verwendet.“

Horatio richtete sich in voller Geistesgro?e auf und kam naher.

Rod zog den Dolch. „Halt!“ rief er. „Kaltes Eisen, seht!“

„Au?erdem kennen Sie das Geheimnis ihrer Macht. Sie konnten eine ganze Armee hierherbringen, solange jeder sich etwas in die Ohren stopft“, unterrichtete Gekab Rod.

„Ich kenne das Geheimnis eurer Macht“, sagte Rod laut, „und kann eine ganze Armee hierherbringen, solange jeder sich etwas in die Ohren stopft.“

Der Geist hielt enttauscht an. „Aber Ihr sagtet doch, Ihr wu?tet nicht…“

„Ich wei? es jetzt. Also, zuruck!“

Zogernd wich Horatio zuruck. „Welches Phantom berat Euch?“

Rod grinste. „Ein schwarzes Pferd aus kaltem Eisen. Es steht im Stall der Burg, aber es kann von dort aus mit mir sprechen.“

„Ein Puka? Ein Geisterpferd! Ein Verrater der Welt der Geister!“

„Nein. Es ist kein Geist. Ich sagte doch, da? es aus Eisen ist!“

„So etwas gibt es nicht!“

„Es gibt es, das durft Ihr mir glauben, Horatio. Aber das ist unwichtig. Euch sollte nur interessieren, da? ich nicht beabsichtige, gegen euch vorzugehen. Ich suche blo? nach etwas. Sobald ich es gefunden habe, verschwinde ich, einverstanden?“

„Ihr habt die Oberhand! Weshalb fragt Ihr?“ brummte der Geist.

„Reine Hoflichkeit“, murmelte Rod. Plotzlich kam ihm eine Idee. „Oh, ubrigens, ich bin Minnesanger…“

Der Geist ri? den O-Mund noch weiter auf, dann kam er mit ausgestreckten Armen auf Rod zu. „Musik! Su?e Musik! Spielt fur uns, Mann, dann konnt Ihr uber uns befehlen!“

„Einen Augenblick!“ Rod hob eine Hand, „Ihr habt die Burg erbaut, Horatio Loguire, deshalb ersuche ich Euch, mir zu gestatten, in Frieden durch all Eure Raume zu wandeln.

Gewahrt Ihr es mir, werde ich fur euch spielen.“

„Ihr durft wandeln, wohin Ihr wollt!“ versprach der Geist vor Aufregung zitternd. „Nur spielt fur uns, Mann!“

Sehr gut, dachte Rod. Er hatte sein Gesicht gerettet. Und schlie?lich hat es keinen Sinn, sich Feinde zu machen, wenn es sich verhindern lie?. Er schaute hoch und zuckte erschrocken zuruck. Er war von einer dichten Mauer von Geistern umgeben, die ihn alle hungrig anstarrten. Er schluckte und holte die Harfe von seinem Rucken. Nur gut, da? er nicht dazu gekommen war, sie in der Dachkammer abzustellen.

Als er versuchshalber uber die Saiten strich, erhob sich ein ekstatisches Stohnen von den Geistern. Da wurde Rod erst richtig klar, da? er die Situation ausnutzen konnte. „Hort, Lord Horatio, wurdet Ihr mir fur zwei Lieder verraten, wo die Geheimgange sind?“

„Gewi?! Gewi?!“ kreischte der Geist. „Die Burg ist Euer, meine ganze Domane, alles, was ich besitze! Ja, das Konigreich, wenn Ihr es wollt! Nur spielt fur uns, Mann! Seit zehnhundert Jahren haben wir keine menschliche Musik mehr gehort!“

Rods Finger zupften die Saiten, und die Geister erschauderten wie ein Schulmadchen beim ersten Ku?. Er spielte und sang, was ihm gerade einfiel, Volksweisen, Marsche, Seemannslieder, sogar Beethovens Sechste, die auf einer Miniaturharfe gar nicht leicht wiederzugeben war. Als die letzten Echos verhallten, seufzten die Geister zufrieden, doch traurig, da? er schon aufhorte. „Das war eine reiche Auswahl, Mann“, sagte Lord Horatios Stimme zu Rods Linker. „Aber vielleicht noch eine kleine, ganz kurze Weise?“ Rod schuttelte bedauernd den Kopf. „Die Nacht schreitet voran, Mylord, und ich habe vor dem Morgengrauen noch viel zu tun. Ich werde in einer anderen Nacht wiederkommen.“ „Wir haben Euch sehr zu danken, Mann, und werden uns dafur erkenntlich zeigen. Kommt mit mir und ich zeige Euch alle Geheimgange und — turme der Burg.“ Er schwebte Rod voran. Alle anderen Geister hatten sich inzwischen bereits zuruckgezogen.

Rod zahlte seine Schritte. Nach funfzig bog der Geist um eine Ecke in einen riesigen Raum. „Das war unsere Banketthalle“, erklarte er seufzend. „Herrliche Feste feierten wir hier. Und nun sind sie alle tot, alle meine Freunde und die lieblichen Maiden, die uns bei frohlicher Musik unterhielten. Und seither herrschten sechzig Sohne meines Blutes an meiner Stelle uber die Marschen. Doch jetzt haben andere das Wort in meiner herrlichen Halle — Schakale, Hyanen, eine Schande fur meine alten Kameraden und mich, da? sie in Menschengestalt wandeln.“

Rod spitzte die Ohren. „Wie meint Ihr das, Mylord? Jemand hat Euch Eure Halle gestohlen?“ „Verkummerte, gemeine Niederlinge!“ knirschte der Lord. „Eine Brut verderbter, gemeiner Feiglinge — und ihr Fuhrer ist Ratgeber eines Sprosses meines Geschlechts, des Herzogs Loguire.“ „Durer!“ hauchte Rod.

„Nennt er sich so? Hort mich an, Mann. Sein Herz ist hart und seine Seele sprode wie Eisen. Aber wie Ihr wi?t, kann hartes, sprodes Eisen durch einen starken Hieb mit geschmiedetem Eisen zerschlagen werden. Und genauso konnen diese bosartigen Zerrbilder von Menschen durch einen Mann gebrochen werden, der wahrhaft ein Mann ist.“ Der Geist lie? die Schultern hangen und beugte den Kopf. „Wenn es in diesem dunklen Zeitalter noch wahre Manner gibt!“ Rods Blick loste sich von dem Geist und wanderte durch den gewaltigen Raum, aber es war zu dunkel, viel zu sehen. „Mein Lord Loguire“, sagte er. „Wenn ich der Mann sein soll, der die Ratgeber bricht, so mu? ich soviel wie moglich uber sie erfahren. Sagt mir deshalb, was sie in dieser Halle tun.“ „Hexerei uben sie aus!“ knurrte der Geist. „Schwarzeste Magie! Auf eine Weise, wie ich sie Euch kaum beschreiben kann…“ Er stohnte. „Wisset, da? diese verkummerten Wichte hier einen Altar aus glanzendem Metall errichteten — es ist weder Silber noch Gold, auch kein anderes Metall, wie ich es kenne —, genau hier in der Mitte der Halle, wo einst meine Hoflinge tanzten.“

„Oh! Wen beten sie vor diesem Altar an?“ fragte Rod. „Anbeten?“ Der Geist hob den Kopf. „Mir dunkt, sie opfern sich selbst, denn sie steigen in diesen Altar des Bosen. Sie verschwinden darin, und dann plotzlich kehren sie zuruck! Ich kann mir nur vorstellen, da? sie ihr Lebensblut dem Damon in diesem glanzenden Altar darbringen, denn sie kommen hager und zitternd wieder heraus. Ja, wahrlich“, murmelte er uberlegend, „weshalb waren sie sonst so ausgemergelt und klein?“ Rods Nacken prickelte. „Ich mu? diesen Altar sehen, mein Lord.“ Er fummelte nach seinem Dolch. „Ich brauche Licht.“

„Nein!“ Der kreischende Schrei drohte Rods Trommelfell zu durchlochern. Der Geist pulsierte schwankend. „Es wurde mich zerstoren, Mann, und mich schreiend in finsterere Gefilde als diese schicken.“

„Verzeiht, Lord Loguire, ich hatte nicht daran gedacht. Ich werde meine Fackel nicht entzunden, doch dann mu? ich Euch bitten, mich zu diesem merkwurdigen Altar zu fuhren, damit ich ihn mit meinen Fingern betrachten kann.“ Er folgte dem Geist mit ausgestreckten Handen, bis sie etwas Hartes, Kaltes beruhrten.

„Vorsicht, Mann“, brummte der Geist. „Denn hier ruhen dunkle Machte.“

Rod betastete das Metall, das im gespenstischen Schimmern des Geistes schwach leuchtete, bis er glaubte, die Umrisse einer Tur, oder vielmehr einer Turoffnung erreicht zu haben.

„Was liegt dahinter, Mylord?“ erkundigte er sich. „Ein Sarg“, stohnte der Geist. „Ein metallener Sarg ohne

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