diesen Gang zu betreten.“

„Aber eine Begegnung mit einem Geist lie?e sich zu einer guten Ballade ausschlachten.“

Der Kleine starrte ihn verachtlich an. „Tut nicht so, als wart Ihr wirklich ein Minnesanger. Ihr seid ein Spion, nichts weiter!“

Rods Hand tastete nach dem Dolchgriff.

„Ein Spion aus dem Hause Clovis!“ brullte Durer.

Rod seufzte unhorbar erleichtert auf. „Ob du dich da nicht tauschst, kleiner Mann?“

Durer runzelte die Stirn. „Nicht vom Haus Clovis? Aber dann… Nein, Ihr seid sehr wohl ihr Spion!“

Rod lehnte sich mit verschrankten Armen gegen die Wand.

„Welches Interesse hast du denn am Haus Clovis, teurer Ratgeber? Und weshalb sollte es das Haus Clovis interessieren, was du hier machst?“

„Ihr seid ein Narr, wenn Ihr glaubt, ich wurde Euch eine solche Frage beantworten… Ah, da? ich nicht eher daran dachte! Ihr seid ein Spion der Konigin!“

Rod trat naher an den Kleinen heran und lockerte den Dolch in der Scheide. Es war ihm egal, ob Durer wu?te, da? Catherine ihn geschickt hatte, aber er wollte eine Antwort. „Ich stellte dir eine Frage!“ sagte er sanft.

Furcht sprach aus den Augen des Kleinen. Er sprang zur Wand zuruck. „Ich warne Euch, bei meinem Ruf eilen zwei Dutzend Soldaten herbei!“

„Das wird dir nicht mehr viel helfen, wenn du bei ihrer Ankunft schon tot bist“, sagte Rod spottisch. Er deutete auf den dunklen Korridor.

Grauenerfullt starrte der Ratgeber ihn an und begann am ganzen Leib zu zittern. Bebend sagte er: „Vielleicht seid Ihr wirklich nicht von Clovis! Und wenn Ihr von der Konigin kommt, seid Ihr uns hier willkommen. Ich werde Euch alles sagen, was Ihr zu wissen begehrt!“ In pathetischem Eifer hob er die Hande. Ein seltsames Licht flackerte in seinen Augen.

„Ja, ich werde Euch alles sagen, selbst den Tag, da wir zur Residenz der Konigin marschieren. Ihr konnt sie darauf hinweisen, dann kann sie uns entgegenziehen. Alles werde ich Euch sagen, nur bitte, kommt heraus aus diesem Gang!“ Er rang verzweifelt die Hande. „Wenn Euch die Konigin geschickt hat, mochte ich nicht, da? Ihr sterbt.“

Rods Gesicht wirkte steinern. „Ich werde mich in dem Gang umsehen. Ich bin uberzeugt, da? ihr darin etwas verborgen habt, das wichtiger ist als das Datum eurer Rebellion.“ Er betrat den Korridor.

Durer rannte ihm handeringend ein paar Schritte nach.

„Kommt zuruck! Ihr mu?t den Norden warnen. Kommt heraus, Ihr Narr!“

Rod kummerte sich nicht um ihn, sondern stapfte weiter.

Vor Arger schrillte der Kleine hinter ihm: „So geht denn in

Euren Tod! Wir brauchen Euch nicht! Ich selbst werde das Wort in den Norden tragen. So sterbt als Narr, der Ihr seid!“ Rod bog um eine dunkle Krummung. Offenbar war Durer von seinem Tod in diesem Teil der Burg uberzeugt — es war sehr merkwurdig, da? er trotzdem versucht hatte, ihn am Betreten zu hindern. Das konnte nur bedeuten, er wollte tatsachlich, da? er, Rod, Catherine von der bevorstehenden Rebellion berichtete. Aber weshalb hatte er vor, die Rebellen zu verraten? Zweifellos war hier in diesem Teil etwas verborgen, das Rod nicht finden sollte, da es ihm vielleicht doch gelingen mochte, lebend wieder herauszukommen. Doch daran glaubte er offenbar nicht, was bedeutete, da? Durers gro?es Geheimnis von automatischen Verteidigungsmechanismen geschutzt war… Au?er naturlich… Rod hielt abrupt an. Ihm wurde bewu?t, da? er den Ruckweg gar nicht mehr finden wurde. Um zu viele Ecken in alle Richtungen war er wahrend seines Grubelns achtlos gebogen. Seine Stimme zitterte ein wenig, als er murmelte: „Gekab.“

„Ja, Rod?“ Die Stimme hinter seinem rechten Ohr war ungemein beruhigend.

„Gekab, ich befinde mich im Teil der Burg, wo es spuken soll.“ „Spuken? Rod, eine Analyse Ihrer Stimmenmuster deutete auf leichte Angst. Sie glauben doch nicht wirklich an Geister?“ „Nein, aber ich erinnerte mich gerade, da? ich fruher auch nicht an Elfen glaubte. Und wenn es hier Elfen gibt, kann es auf diesem verruckten Planeten doch auch Geister geben, oder nicht?“

Nach kurzer Pause murmelte Gekab verlegen, wie es schien: „Es gibt nichts, was direkt gegen diese Hypothese spricht.“ Ein Achzen so tief, da? Rod es kaum horen konnte, und so laut, da? es ihn korperlich schmerzte, erschutterte die Wande des Gewolbes, in dem er sich gerade befand. „Was war das? „keuchte Rod. „Ein komplexes Wellenmuster niedriger Frequenz und hoher Schwingungsweite“, antwortete Gekab zuvorkommend.

„Vielen Dank!“ schnaubte Rod. „Ich will wissen, wodurch es verursacht wurde!“

„Dazu reichen die Daten noch nicht aus…“

Das Achzen wiederholte sich, und etwas wie spinnwebfeines Gespinst, aus dem sich schwarze Augenhohlen und eine kreisrunde schwarze Mundoffnung abhoben, schwebte geradewegs auf Rod zu.

Ein weiteres Achzen erklang, eine halbe Stufe hoher als das vorherige. Rod ri? den Kopf nach rechts. Ein zweiter Geist kauerte uber ihm. Ein drittes Achzen, und ein dritter Geist tauchte auf.

Drei Geister drangten ihn gegen die Steinwand. Ihre Munder formten gro?e dunkle Os, und kalte Knochenfinger griffen nach ihm.

Rod kampfte gegen seine Panik an. Gekab glaubt nicht an Geister, sagte er sich. Nichtsdestoweniger schrie er gellend: „Geister, Gekab! Geister!“

„Geister“, erklarte der Roboter hinter seinem Ohr, „sind unstofflich, selbst wenn es sie gibt. Sie konnen einem stofflichen Wesen keinen korperlichen Schaden zufugen.“

„Sag das ihnen!“ brullte Rod verzweifelt.

Eine Hand verkrampfte sich um sein Herz. Er wurgte und hustete. Etwas, ein Eisenband um seine Brust, zermalmte seine Lunge… Furcht konnte lahmen, konnte toten…

„Rod, stecken Sie die Finger in die Ohren!“

Er versuchte, den Rat des Roboters zu befolgen — und konnte es nicht. „Gekab!“ schrillte er. „Ich kann mich nicht bewegen!“

Ein lautes Brummen drohnte in seinem Schadel und uberlagerte das Achzen. Es wurde zu den monotonen Worten: F-I-N-G-E-R I-N D-I-E O-H-R-E-N!

Die Angst schwand, oder zumindest fast. Rod konnte sich wieder genauso leicht wie zuvor bewegen. Er steckte die Finger in die Ohren. Das Brummen erstarb und das Achzen der

Geister klang nun wie aus weiter Ferne. Zwar steckte ihm die Angst noch ein wenig in den Knochen, aber sie lahmte ihn nicht langer.

„Konnen Sie sie noch horen, Rod?“

„Ja, aber es ist nicht mehr so schlimm. Was hast du gemacht?“

„Nichts, Rod. Ihr Achzen hat eine harmonische Frequenz im subsonischen Bereich, die Angst in Angehorigen Ihrer Spezies hervorruft. Dieser furchteinflo?ende Ton wird durch die gleichzeitige Emission der subsonischen Harmonien von drei Achzlauten hervorgerufen.“

„Also gehoren drei dazu, mir Angst einzujagen?“

„Richtig, Rod.“

„Und sie jagen mir im Grund genommen gar nicht wirklich Angst ein, sondern lediglich das Gefuhl, Angst zu haben?“

„Wieder richtig.“

„Das ist eine Erleichterung. Ich hatte schon befurchtet, ich sei plotzlich zum Feigling geworden.“

„Es gibt keinen Menschen, der nicht hin und wieder Angst empfindet, Rod.“

„Ja, aber nur ein Feigling la?t sich davon beherrschen.“

Rod loste sich von der Wand und zwang sich dazu, einfach durch den Geist vor sich hindurchzugehen.

Plotzlich erstarb das Achzen, und die Geister verschwanden mit einem verzweifelten Heulen.

„Sie sind fort!“ krachzte Rod.

„Naturlich. Sobald Sie ihnen bewiesen haben, da? sie Sie nicht beeinflussen konnen, furchten sie sich vor Ihnen.“

Rod spreizte die Beine und stemmte die Fauste an die Huften.

Grinsend legte er den Kopf zuruck. „He, ihr Geister! Ist euch jetzt klar, wer der Bo? hier ist?“ Er lauschte den Echos seiner Stimme, die gewaltig von den leeren Wanden widerhallte.

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