erschrocken zuruck und verschwand.
In der jetzt wieder fast absoluten Dunkelheit stie? das Madchen einen tiefen Seufzer aus, und Tom sagte mit ruhiger Stimme: „Verkehrt Ihr jetzt auch in Geisterkreisen, Meister?“ „Allerdings“, brummte Rod und schwang die Tur auf. „Wenn auch nur ein Wort uber diesen Besuch aus der Kammer getragen wird, konnt ihr beide mit recht unruhigen Nachten rechnen.“
Wieder stohnte das Madchen. Gut, dachte Rod. Das wird ihr vielleicht den Mund verschlie?en.
Der Geist in der Panzerrustung wartete in der Banketthalle, wo der metallene „Altar“ stand, auf Rod. „Wenn Ihr mir folgen wurdet, Mylord?“
Sie kamen in einen Korridor. Voraus sah Rod das gespenstische Schimmern mehrerer Geister, die sich uber etwas auf dem Boden beugten. Er horte ein sehr menschliches, panikerfulltes Wimmern.
Horatio blickte bei Rods Naherkommen auf. Er loste sich vom Rest der Geister und schwebte auf Rod zu. Sein Gesicht war vor Grimm verzerrt. „Mann Gallowglass!“ polterte er. „Weshalb habt Ihr mir nicht gesagt, da? Ihr in Begleitung in unsere Gewolbe kamt?“
„In Begleitung?“ fragte Rod erstaunt. „Das wu?te ich selbst nicht.“
„Nun, jemand folgte Euch dichtauf.“ „Excelsior!“ murmelte Rod.
„Gesundheit!“ sagte Loguire. „Ich furchte, wenn wir weiterhin Sterbliche hier empfangen, mussen wir unsere Gewolbe beheizen. Aber wie ich sagte, ich fand Euren Dienstboten
direkt au?erhalb der Banketthalle.“
„Dienstbote?“ Rod runzelte die Stirn.
„Es lauschte an der Tur. Und da? es zu Euch gehorte, wissen wir, weil es Euren Namen rief, als wir uns ihm naherten. Nur aus diesem Grund toteten wir es auch nicht, sondern schickten nach Euch.“
Loguire schwebte zur Seite und der Kreis der Geister offnete sich. In ihrem kahlen Licht sah Rod langes dunkles Haar, eine wei?e Bluse unter einem dunklen Mieder, und ein schreckverzerrtes Gesicht. Es war die Magd, die Gwendylon ahnlich sah.
„Mein Lord Loguire, diesen Dienstboten kann man doch wahrhaftig nicht mit,es' bezeichnen.“ Und dann sagte er mit sanftester Stimme: „Schau mich an, Madchen.“
Sie hob den Kopf. Freude und Erleichterung uberfluteten ihre Zuge. „O mein Lord!“ wisperte sie. Sie warf die Arme um Rods Hals, und dicke Tranen perlten uber ihre Wangen.
„Ruhig, ruhig, Madchen.“ Rod bemuhte sich, sich aus ihrer Umklammerung zu befreien, obgleich das Madchen eine recht angenehme Last war.
Horatio Loguire verzog verachtlich das Gesicht. „Schafft sie aus meinen Gewolben, Mann. Es ist feucht genug hier, auch ohne ihren Wasserfall von Tranen.“
„Sofort, Mylord.“ Er holte ein Taschentuch aus seinem Armel und tupfte ihr das Gesicht ab. Er empfand eine unerklarliche Zartlichkeit fur sie und das Bedurfnis, sie zu beschutzen.
„Ihr sitzt in der Falle, Mann!“ knurrte Horatio.
„Wer, ich? Das haben schon andere vergebens versucht.“
„Diesmal ist es gelungen. Und jetzt, hinaus mit ihr!“ Rod warf Horatio einen bosen Blick zu. Er hob das Madchen, das sich offenbar nicht auf den Beinen halten konnte, auf die Arme, und wieder klammerte sie sich an seinen Hals. „Mein Lord“, wandte er sich noch einmal an den Obergeist. „Habt Ihr vielleicht die Gute, mich zu fuhren? Ich bin ein wenig
behindert…“
„Ja“, brummte Horatio und drehte sich um, doch zuvor war es Rod so, als husche die Spur eines Lachelns uber das Geistergesicht.
Im bewohnten Burgteil stellte Rod das Madchen wie der auf die Beine. Er mu?te sich selbst eingestehen, da? er sie viel lieber noch langer auf den Armen getragen hatte. „Weshalb bist du mir gefolgt?“ fragte er.
Erschrocken blickte sie zu ihm hoch.
„Du mu?t die Wahrheit sagen, Madchen. Wer hat dich geschickt, mir nachzuspionieren?“
Sie hob den Kopf und schuttelte ihn heftig. „Niemand, Mylord!“
„Oh?“ Rod lachelte traurig. „Du willst doch nicht behaupten, da? du mir aus freiem Willen in die Spukgewolbe gefolgt bist!“
„Ich furchte die Geister nicht, Mylord.“
Rod schaute sie uberrascht an. Wenn das stimmte, hatte sie fur eine Dienstmagd erstaunlichen Mut. Sie hatte, genau wie er, offenbar erst die Nerven verloren, als das schreckliche Achzen anfing.
„Du hast mir noch nicht gesagt, weshalb du mir gefolgt bist.“
Sie bi? sich erneut auf die Lippe, dann pre?te sie die Worte widerwillig heraus. „Ich — ich furchtete um Euch, Mylord.“
Rods Lippen verzogen sich zu einem trockenen Lacheln. „Um mich?“
„Ja!“ Jetzt sah sie ihn mit funkelnden Augen an. „Ich wu?te ja nicht, da? Ihr ein Zauberer seid! Und ein Mensch — allein in diesen Gewolben…“ Sie senkte die Augen wieder.
Rod seufzte und druckte sie an sich. „Madchen, Madchen“, murmelte er. „Was hattest du denn schon tun konnen, um mir zu helfen?“
„Ich — ich kann ein wenig mit manchen Geistern umgehen, Lord. Ich hatte geglaubt…“
Rod schuttelte den Kopf. War es auf diesem verruckten
Planeten vielleicht ublich, mit Geistern zu verkehren? Er schlo? die Lider und druckte seine Wange an ihr Haar. Er spurte ihren warmen, geschmeidigen Korper gegen seinen. Es war schon, sie zu halten, fast so schon wie Gwendylon… Er ri? die Augen auf und starrte sie an. Er stellte sich die Gesichter der beiden Madchen nebeneinander vor. Gwendylon mit dunkel gefarbtem Haar, die Augen ein wenig schrag gezogen, die Nase verlangert und gerade gezogen… Sie spurte seine Anspannung. „Was habt Ihr plotzlich, Lord?“ Ihre Stimme war ein wenig hoher, hatte jedoch den gleichen Klang. Er schaute zu ihr hinunter. Ihr Teint war makellos, keine einzige Sommersprosse. Aber fur ein Make-up brauchte man nicht unbedingt eine Technologie. Er deutete mit dem Zeigefinger zwischen ihre Augen. „Du“, sagte er, „hast mich beschwindelt!“
Einen fluchtigen Moment wirkte sie enttauscht, doch dann schaute sie wieder vollig unschuldig drein. „Euch beschwindelt, mein Lord. Ich wu?te nicht…“ Rod tupfte auf ihre Nasenspitze und drehte den Finger ein wenig. Die Nasenspitze loste sich. Er lachelte grimmig. „Starkemehl und Wasser! Das hattest du nicht zu tun brauchen, dein Himmelfahrtsnaschen gefallt mir viel besser.“ Er rieb mit der Fingerkuppe uber die Augenwinkel, und schon waren die Augen nicht, mehr schrag, dafur war sein Finger schwarz. Kopfschuttelnd brummte er: „Na, hoffentlich bekommst du die Farbe auch so leicht aus deinem Haar! Ich verstehe nur nicht, warum du das gemacht hast! So wie die Natur es dir gegeben hat, ist dein Gesicht doch viel hubscher!“ Sie errotete. „Ich — ich konnte nicht ohne Euch sein, Herr.“ Er schlo? die Augen und pre?te die Zahne zusammen. Es kostete ihn alle Willenskraft, sie nicht an sich zu drucken. „Aber…“ Er mu?te erst Luft holen. „Wie bist du mir gefolgt?“ Mit gro?en unschuldigen Augen schaute sie zu ihm hoch. „In der Tarnung eines Fischadlers, Lord.“
Er sperrte den Mund auf. „Du? Eine Hexe? Aber…“
„Ihr werdet mich doch deshalb nicht verachten, Lord?“ fragte sie angstlich. „Ihr, der Ihr ein Zauberer seid.“
„Was? Ich? Nein, naturlich nicht. Ich meine — uh — einige meiner besten Freunde sind — uh…“
„Mein Lord?“ fragte sie besorgt. „Fuhlt Ihr Euch nicht wohl?“
„Ich? Naturlich nicht? Nein, warte…“ Wieder mu?te er erst Luft holen. „Du bist also eine Hexe? Und wenn schon. Ich bin viel mehr an deiner Schonheit als an deinen Fahigkeiten interessiert.“ Schnell holte er erneut Luft. „Aber wir mussen eines klarstellen.“
Sie schmiegte sich fest an ihn. „Ja, mein Lord?“
„Nein, nein! Das meinte ich nicht.“ Hastig wich er ein paar Schritte zuruck und streckte die Hande aus, um sie abzuwehren. „Also, der einzige Grund, da? du mir folgtest, war deine Angst um mich, richtig? Weil du glaubtest, ich konnte mir selbst nicht helfen?“
Der Glanz ihrer Augen erlosch. „Ja, Mylord.“
„Doch jetzt wei?t du, da? ich ein Zauberer bin und du keine Angst mehr um mich haben mu?t. Also besteht kein Grund, mir weiter zu folgen, richtig?“
„Nein, mein Lord.“ Stolz hob sie das Kinn, und ihre Augen blitzten ihn trotzig an. „Ich werde Euch auch weiterhin folgen, Rod Gallowglass. Es gibt Magie in dieser Welt, von der Ihr nichts ahnt!“
Das Schlimmste war, dachte er, da? sie so verdammt recht hatte. Auf dieser verruckten Welt gab es
