finden konnte.

Panik griff nach ihm, denn mit Loguire auf der Schulter hatte er gegen den drahtigen Kleinen keine Chance.

Kalte Luft blies gegen seine Wange. „Mir nach!“ donnerte Horatio. Rod gehorchte, und so gelangten sie durch die Offnung. „Schnell, Mann!“ polterte der Geist. „Der Stein! Ihr mu?t ihn schlie?en!“ Rod nickte keuchend und tastete nach dem Hebel. Knarrend schlo? sich die Offnung. Er setzte den Herzog, der allmahlich zu sich kam, auf den Steinboden.

Immer noch keuchend blickte er zu Horatio hoch. „Habt Dank fur die Rettung!“ krachzte er.

Horatio winkte ab. „Tot hattet Ihr Euren Eid nicht erfullen konnen“, brummte er.

„Wie habt Ihr das eigentlich geschafft, alle Fackeln gleichzeitig zu loschen?“ fragte Rod nach einer Weile.

„Ich dachte, das hattet Ihr getan, Zauberer.“

Rod starrte ihn mit weit offenem Mund an. „Ich dachte, Ihr hattet — und Ihr dachtet, ich hatte… Aber wer war es dann?“

Ein Lichtstrahl drang durch das von Rod geschaffene Guckloch. Horatio heulte furchterfullt auf und verschwand.

Rod spahte durch das Loch. Durer stand auf der Plattform und stie? mit dem Dolch um sich. „Wo? Wo?“ heulte er.

Rod half Loguire, der noch vollig benommen war, auf die Beine. „Wer — wer war das?“ fragte er, wahrend Rod ihn hinter sich herzog. „Dieser Mann in Wei??“

Offenbar stand Loguire noch unter Schock. Er mu?te ihn also vorsichtig behandeln. „Einer Eurer Verwandten, Mylord. Kommt, wir mussen uns beeilen.“

„Verwandter?“ murmelte Loguire, aber er lief hinter Rod her, bis sie um eine Biegung kamen, dahinter wurde es dunkel sein, da das Licht aus dem Guckloch nicht so weit reichte. Doch als sie um die Ecke bogen, schimmerte etwas voraus — eine Gestalt mit einer phosphoreszierenden Lichtkugel in der Hand und zutiefst besorgtem Gesicht.

„Gwendylon!“ rief Rod.

Ihr Gesicht strahlte erleichtert auf.

„Was, zum Teufel, machst du da?“

Unschuldigen Blickes antwortete sie: „Ich folgte Euch, Mylord.“

„Aber, aber… Du mu?t mich doch jetzt hassen, so war es schlie?lich gedacht!“

„Nie, mein Lord“, sagte sie ernst. Rod dachte wieder daran, was Tom uber Bauernmadchen gesagt hatte, doch dann betrachtete er das kugelformige Feuer in ihrer blo?en Hand.

„Was hast du denn da?“

„Oh, nur ein kleiner Zauber, den meine Mutter mich lehrte, als ich noch ein ganz winziges Kind war. Das Licht wird uns helfen, einen Weg durch dieses Labyrinth zu finden.“

Rod starrte sie an. „Und wie hast du die Fackeln im Saal geloscht?“

„Das ist nicht so einfach zu erklaren, Mylord. Haben wir Zeit?“

„Nein. Aber du warst es jedenfalls, hm? Ein weiterer Trick, den deine Mutter dich lehrte?“

Sie nickte, da bemerkte sie seine blutende Schulter. „Ihr seid verwundet, mein Lord!“ rief sie erschrocken. Erst jetzt wurden Rod die Schmerzen wieder bewu?t. Er wollte sich an die Wand stutzen, doch statt dessen druckte seine Hand auf etwas Weiches, Nachgiebiges, und schon schmiegte sich ein sanfter Korper an ihn. „Gwendylon! Hier ist wirklich nicht der richtige Ort…“

„Mit Euch ist uberall der richtige Ort“, flusterte sie in sein Ohr.

Rod versuchte, sich in die Wand hineinzudrangen. „Horch, Baby, wir haben jetzt nicht die Zeit dazu, doch wenn du uns sicher hier heraus fuhrst, tue ich, was du willst!“

Sie sog die Luft ein. „Wahrhaftig, Lord?“

Rod wich zur Seite, so weit er konnte. „Nun, jedenfalls vierundzwanzig Stunden lang.“

„Das genugt“, versicherte sie ihm mit strahlendem Lacheln, und schon rarinte sie mit dem Licht voraus. Er

blickte ihr eine Sekunde nach, dann scho? er hinter ihr her und ri? sie an sich. Erstaunt schaute sie zu ihm hoch. „Mein Lord, wir mussen uns beeilen…“

„Es dauert nicht lange.“ Er zog sie an sich und druckte die Lippen fest auf ihre. Sie seufzte glucklich und schob ihn von sich. „Und wofur war das?“

„Nur eine kleine Kostprobe“, murmelte er und wirbelte herum, als er ein tiefes, freundliches Lachen hinter sich horte. Loguire war wieder zu Kraften gekommen.

Der Boden unter ihren Fu?en wurde immer glitschriger, und Wasser rauschte irgendwo in der Nahe. „Beeilt Euch, meine Lords!“ rief Gwendylon. „Wir mussen fort sein, ehe sie daran denken, die Stallungen zu durchsuchen!“

„Kommen wir denn dort heraus?“ fragte Rod stirnrunzelnd.

„Nein, am Flu?. Aber wenn sie in den Stallungen nachsehen, wird ihnen auffallen, da? Euer Rappe und des Herzogs Brauner durchgegangen sind.“

„Was du nicht sagst! Und wo sind die Pferde?“ Er sprach ein wenig lauter als notig.

„Am Flu?ufer“, erklang Gekabs Stimme hinter seinem Ohr.

„Tom ist auch hier.“

Rod unterbrach Gwendylon, als sie ihm antworten wollte. „Ich wei?, ich wei?, am Flu?ufer. Aber wieso brachte Tom sie…“

„Ich ersuchte ihn darum, Mylord. Mir kam der Gedanke, da? wir sie brauchen wurden.“ Kann sie auch in die Zukunft sehen?

Fragte sich Rod. „Vorsicht, meine Lords!“ warnte da das Madchen und stieg uber etwas, das mitten auf dem Gang lag.

Rod blieb stehen und betrachtete es. Es War das Skelett eines winzigen Menschen, doch keines Kindes, den Proportionen nach. Es war mit Moder uberzogen, konnte aber trotzdem noch nicht sehr lange hier liegen. „Was ist das?“

fragte er.

„Einer des kleinen Volkes, Lord.“ Ihre Zuge verharteten sich.

„Schwarzer Zauber breitet sich seit einiger Zeit in der Burg

aus.

Rod ignorierte Loguires Stohnen. „Welche Art von Zauber?“

„Hier war es eine Art Singen — in der Luft! Doch nicht in den Ohren klang es, nur im Kopf. Euch oder mich hatte es nur aufgehalten wie eine Mauer, aber die Kleinen totete es.“

Ein Kraftfeld! „Wann begann es?“

„Dieser Zauber wurde vor funf Jahren gewirkt, Mylord, doch hielt er nicht langer als einen Monat an, denn sein Meister achtete nicht darauf, da? ich ihn unwirksam machte, noch errichtete er ihn erneut.“

Rod hielt so abrupt an, da? Loguire gegen ihn prallte. Er starrte auf die grazile, o so weibliche Gestalt, die voraus durch den Gang huschte. Dann schluckte er und folgte ihr wieder. Ein Energieschirm! Vor funf Jahren! Als Durer auftauchte! Und sie hatte ihn neutralisiert! Mit neuem Respekt betrachtete er das Bauernmadchen. Sie steckte voll Uberraschungen!

Das Kugellicht in Gwendylons Hand erlosch und der mit dichtem Grun verhangene Tunnelmund offnete sich voraus.

Der Flu? rauschte nur wenige Meter entfernt vorbei. Es war kalt hier. Loguire frostelte.

„Meister!“ Tom trat mit drei Pferden an den Zugeln aus den Schatten des Flu?ufers. Rod fa?te Gwendylons Hand und rannte ihm entgegen. Aber sie hielt ihn energisch zuruck.

„Nein, mein Lord! Erst mussen wir nach Eurer Schulter sehen!“

„Wir haben keine Zeit!“ protestierte Rod.

„Es wurde uns unterwegs nur aufhalten!“ sagte sie streng, „und jetzt brauchen wir blo? wenige Minuten.“ Rod seufzte und kapitulierte. Ein warmes Gefuhl breitete sich in ihm aus, als er ihr nachsah, wie sie zum Ufer rannte.

„Sie hat recht“, brummte Loguire und drehte Rod zu sich um.

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