als hinge von jeder Silbe ihr Leben ab. Es schien also nicht gerade der richtige Zeitpunkt, sie zu storen So wendete Rod und ritt aus dem Lager hinaus auf das Bredenfeld. Die ersten Sonnenstrahlen vertrieben die letzten Nebelschwaden. Das Gras war noch feucht und kalt vom Tau, der Himmel klar und blau. Am Sudrand der weiten Ebene spiegelte die Sonne sich auf Speerspitzen und glanzenden Rustungen. Der Wind trug metallisches Klirren, Wiehern und den dumpfen Larm eines erwachenden Kriegslagers herbei. Auch die Ratgeber waren fruh auf.
Hufgedrohn erschallte hinter Rod. Er drehte sich um. Ein Page kam uber die Wiese auf ihn zugaloppiert. „Ihr mu?t zur Konigin kommen, Meister Gallowglass!“ rief er atemlos. „Lord O'Berin und die Lords Loguire sind bereits bei ihr!“ Der Kriegsrat war schnell vorbei. Er war nichts weiter als eine kurze Summierung bereits besprochener Plane, ein kurzes Gebet, und die Erklarung Catherines, doch nicht mit ihren Soldaten zum Sturm zu reiten. Rod war aufgefallen, da? sie wahrend der ganzen Sitzung, so paradox es auch klang, gestanden hatte.
Und dann begaben sich alle auf ihre Posten. Sir Maris in der Mitte, Herzog Loguire an der rechten Flanke, und Rod an der linken. Brom wurde mit Catherine und Gwendylon auf der Hugelkuppe bleiben, um die gesamte Schlacht zu leiten — ein Vorschlag Rods, den Brom ohne Vorbehalt angenommen hatte. Der Zwerg war zwar ein gewaltiger Kampfer, aber seine Beine waren nicht lang genug, sich beim Gefecht im Sattel zu halten. Tom, dem man die Wahl gelassen hatte, mit den Bettlern oder an Rods Seite zu kampfen, entschied sich fur letzteres, vermutlich, weil er mitten im Schlachtgetummeln sein wollte. Tuan blieb naturlich bei seinen Bettlern.
Als Tuan sich in den Sattel schwang, hielt Catherine ihn mit einer Hand auf seinem Knie zuruck. Rod sah, da? sie ein Stuck Seidenschleier um Tuans Oberarm band. Dann hob sie fast
flehend die Hande zu ihm. Tuan griff nach ihnen, druckte sie an die Lippen, dann beugte er sich hinab, um das Madchen auf den Mund zu kussen. Die Konigin blickte ihm nach, als er zu seiner zerlumpten Armee ritt. Rod warf noch einen letzten Blick auf Gwendylon, die neben dem Zelt der Konigin stand, dann trabte er zur linken Flanke. Er war der einzige Reiter, der ohne Brustpanzer in den Kampf zog.
Plattenpanzer, wie er im vierzehnten Jahrhundert auf der Erde ublich gewesen war, war zu beiden Seiten des Feldes zu finden, aber die Streitkrafte des Sudens waren zu einem dichten, schimmernden Wall formiert, wahrend Catherines Ritter in einem Abstand von jeweils zwanzig Metern uber die ganze Lange der Feindlinie verteilt waren.
Aber es gibt ein paar Lucken, dachte Rod. Und die einzelne Reihe Fu?soldaten hinter den Rittern der Konigin war ein wenig mager, verglichen mit der dichtgeballten Masse hinter den Rebellenlords. Nein, es war wirklich kein sehr hoffnungerweckender Anblick. Doch es gab noch die Bettler, die Hexen und die Elfen — von diesen drei Gruppen war nichts zu sehen.
Die Rebellen wurden einige sehr unangenehme Uberraschungen erleben!
Am Sudende des Feldes erschallte ein Horn. Die Rebellenritter legten ihre Lanzen ein. Die Ritter der Konigin taten es ihnen gleich. Die Pferde schossen vorwarts. Das Hufgedrohn wurde zum Donnern einer Lawine, als die beiden Metallreihen sich einander naherten. Und als sie sich fast erreicht hatten, zog die Nordreihe sich zusammen, bis die Ritter Schulter an Schulter in der Mitte ritten.
Jubelrufe erschallten aus den Rebellenreihen, als sie den leichten Sieg vorhersahen, denn es war ein Kinderspiel fur die Flanken der Rebellen, um die Nordlinie zu fegen und so die Streitkrafte der Konigin in die Zange zu nehmen.
Die Ritter der Konigin stie?en mit einem metallischen Krachen auf das Zentrum der Rebellenlinien. Reiter sturzten von den Pferden, Blut spritzte, aber die Mitte der Linie hielt.
Mit siegessicherem Gebrull schwangen die Rebellen nach beiden Seiten, um die Nordtruppen in die Zange zu nehmen…
Aber ihr Siegesgebrull wurde zu wilden Schreckens schreien, als der Boden unter den Hufen ihrer Pferde nachgab und sie mitsamt Reiter in einem zwei Meter tiefen Graben landeten.
Die Elfen hatten gute Nachtarbeit geleistet.
Die Fu?soldaten kamen zur Rettung ihrer Lords herbeigerannt, doch nun brachen die Bettler mit einem Kriegsgeheul zwischen den Baumen an den Seiten des Feindes herbei. Sie schwangen Dolche, Schwerter und Keulen und fielen voll Begeisterung uber die Soldaten her.
Doch immer noch war der Feind zahlenma?ig starker.
Nur traten jetzt die Luftstreitkrafte in Aktion. Gruppen von jeweils vier levitierenden Hexern, denen gerade der erste Bart spro?, trugen einen Korb, in dem eine telekinetische Hexe sa?.
Die jugendlichen Hexer schossen aufs Geratewohl Pfeile in die feindlichen Linien. Sie hatten ihre Hande dazu frei, denn der Korb wurde von Ledergurten um ihre Mitte gehalten. Steine flogen aus den Korben, von den Hexern so gelenkt, da? sie mit mehr als betaubender Wirkung ihr Ziel trafen. Aus den Reihen der Sudtruppen schwirrten Pfeile zu ihnen hoch, aber die Hexen lenkten sie ab und manchmal gelang es ihnen auch, sie zu ihren Absendern zuruckzuschicken.
Die geordnete Schlacht wurde zum chaotischen Handgemenge.
Aber die Sudritter hatten immer noch mehr als alle Hande voll zu tun. Der Ehrenkodex verlangte, da? nur ein Ritter gegen einen Ritter kampfte. Ein Fu?soldat konnte, nur weil er es versuchte, zum Tod verurteilt werden, und der Himmel mochte ihm gnadig sein, wenn er es nicht nur versuchte, sondern einen Ritter garbesiegte!
Catherines Ritter kampften sich ihren Weg vom Zentrum der Rebellenlinien nach au?en. Viele verloren ihr Leben dabei, aber der Prozentsatz der Verluste in den Rebellenreihen war hoher, denn Catherine, genau wie ihr Vater vor ihr, hatte es fur richtig gehalten, es ihren Rittern bei der Ausbildung an nichts fehlen zu lassen.
Toby, der junge Hexer, tauchte plotzlich in der Luft uber Rod auf. „Master Gallowglass! Herzog Loguire ist in arger Bedrangnis! Ihr mu?t ihm zu Hilfe kommen!“ Er war so schnell verschwunden, wie er erschienen war. Das war vielleicht nicht die beste Art der Nachrichtenubermittlung, aber jedenfalls besser als die der Rebellen.
Rod erledigte seinen augenblicklichen Gegner mit der linken Hand und lenkte Gekab aus dem Handgemenge. Er ritt zum anderen Ende der Linie, wo eine durre Gestalt in Panzerrustung sich mit einem gluhenden Schwert einen Weg durch die Truppen zu Lord Loguire gebahnt hatte. Einer der Ratgeber versuchte also, den Sieg herbeizufuhren, indem er die Fuhrerschaft eliminierte. Ein merkwurdiges Strahlen ging von dem Schwert aus. Rod wu?te nicht, was es war, aber es war zweifellos etwas ungemein Wirkungsvolles, das hier als Schwert getarnt war.
Mitten durch das blutige Gemetzel zwischen Bettlern und Soldaten kampfte er sich hindurch. Loguire konnte gerade noch den Schild hochsto?en, um das Strahlenschwert abzuwehren.
Der Hieb durchtrennte lautlos den Schild, verfehlte jedoch glucklicherweise das Herz. Der alte Lord schrie schmerzerfullt auf, als die Hitze durch Schild und Panzerrustung drang und seine Haut ansengte.
Diesen Augenblick nutzte der Ratgeber. Er schwang sein Schwert zum todlichen Hieb.
Gekab rannte mit voller Kraft gegen das Tier des Ratgebers.
Das Ro? ging zu Boden, der ausgemergelte Kleine flog erschrocken aufbrullend durch die Luft, und das Schwert entglitt seinen Fingern.
Die Soldaten sprangen der gluhenden Waffe furcht erfullt aus dem Weg, wahrend Rod herumwirbelte und den Ratgeber von Gekabs Hufen toten lie?. Der Bursche stie? einen schnell ersterbenden Schrei aus, der in Rods Schadel nachhallte. Nun meldete sein Gewissen sich doch, aber er beschlo?, zumindest bis zum Ende der Schlacht nicht darauf zu achten. Als er die Soldaten angstlich „Hexerei!“ rufen horte, drehte er sich zu ihnen um. „Nein, nur Magie!“ beruhigte er sie, schwang sich aus dem Sattel, griff nach dem gluhenden Schwert, und sa? eilig wieder auf. Er warf die Klinge mit dem Griff voraus Loguire zu, der sie mit einer Dankesbezeigung auffing. Rod kehrte zu seiner Linie zuruck, wahrend ringsum die Schlacht heftig tobte und die Esper/Hexen sich in der Luft zuruckzogen, denn es war nun so gut wie unmoglich, den Feind zu treffen, ohne den Freund in Mitleidenschaft zu bringen. Die Bettler waren mit ihrer Kampfweise und Skrupellosigkeit den Soldaten weit uberlegen. Gewi?, auch von ihnen fanden viele den Tod, doch nicht ohne zumindest funf oder sechs der Feinde ins Jenseits befordert zu haben.
Rod wollte sich gerade nach Tom umsehen, als er ihn hinter den Rebellenlinien brullen horte: „Zu mir! Zu mir!“ Zumindest tausend der Bettler horten seinen Ruf und hieben sich einen Weg durch die Reihen der Sudtruppen, und unterwegs schlossen sich ihnen immer mehr ihresgleichen an. Tom hatte ein ganz bestimmtes Ziel. Mitten im Zentrum der Schlacht arbeiteten zwanzig Vogelscheuchen von Mannchen verzweifelt daran, eine Maschine aufzubauen. Rod klopfte mit den Fersen gegen Gekabs Seiten, und der Roboter sprang, aber er reagierte ein wenig langsamer als ublich. Der Stre? der Schlacht machte sich offenbar bei ihm bereits bemerkbar. Das eiserne Pferd sprang uber die Kampfenden hinweg zu der Ratgebergruppe um die Maschine, als auch Tom bereits, allerdings nur noch mit einem Bruchteil seiner ursprunglichen Streitkrafte, dort ankam. Die Ratgeber heulten auf und zogen einen dichten Ring um die
