„Ihr wi?t…“
„Ja. Du hast mir das letzte bi?chen, was mir fehlte, gerade gesagt. Bleib jetzt ruhig liegen.“
Tom keuchte schwer. „Sagt es mir — ich — mu? sicher — sein, da? — Ihr es — wirklich — wi?t…“
„Ja, ich wei? es“, murmelte Rod. „Das DDT wird siegen. Ihr konnt es nur hier bekampfen. Und ihr bekampft euch untereinander.“
„Ja.“ Tom nickte kaum merklich. „Ihr — mu?t jetzt — entscheiden — und — Herr…“ Der Rest war zu leise, als da? Rod ihn hatte verstehen konnen. Als Tom es bemerkte, kampfte er um einen weiteren Atemzug, wahrend er Rod besorgt ansah.
Rod beugte sich uber ihn und legte sein Ohr dicht an Toms Lippen.
„Sterbt — nicht — fur — einen — Traum…“
Rod runzelte die Stirn. „Ich verstehe nicht, was du meinst, Tom!“
Aber er bekam keine Antwort mehr.
Nach einer langen Weile druckte er dem Mann, der ihm zum Freund geworden war, die Augen zu.
„Mei-meister Gallowglass?“ Toby stand neben ihm und starrte verwirrt auf die Bettler, die sich jetzt um Toms Leiche knieten.
„Ja, Toby?“ Rod fa?te den Jungen an der Hand und schritt mit ihm durch die Reihen der Bettler.
„Mylord, sie bitten um Pardon. Sollen wir ihn ihnen gewahren?“
„Pardon? O ja. Sie wollen sich ergeben.“ Er drehte sich um und schaute auf die Gruppe um Tom. „Ich wei? nicht. Was meint Brom?“
„Lord O'Berin sagt ja, aber die Konigin sagt nein. Die Lords Loguire sind einer Meinung mit Brom.“
„Und trotzdem will die Konigin nicht.“ Rod nickte bitter. „Und nun soll meine Stimme den Ausschlag geben?“ Er warf noch einen letzten Blick auf Toms wachsernes Gesicht. „Zum Teufel! Sie sollen ihr Pardon haben!“
Die Sonne war hinter den Bergen versunken. Die zwolf Hohen Lords standen in Ketten vor Catherine, neben der Loguire, Tuan, Brom und Sir Maris sa?en. Rod stand in einiger Entfernung von ihnen an Gekab gelehnt. Er hatte den Kopf gesenkt.
Auch der alte Herzog Loguire hatte das Kinn fast auf die Brust gedruckt. Tiefer Gram sprach aus seinen Augen, denn sein Sohn Anselm stand einen Schritt vor den restlichen Lords, unmittelbar vor der Konigin.
Catherine trug ihren Kopf hoch. Ihre Augen leuchteten voll Triumph und Macht, und ihre Wangen waren vor Stolz gerotet.
Rod betrachtete sie, und Abscheu stieg in ihm auf. Mit ihrem Sieg war ihre alte Arroganz wiedergekehrt.
Auf ein Zeichen von Brom O'Berin schmetterten zwei Fanfaren, und ein Herold trat vor und verlas eine Verkundigung der Konigin.
„Hiermit sei allen kund und zu wissen getan, da? am heutigen Tag der schurkische Vasall, Anselm, Sohn des Herzogs Loguire, sich in blutiger Rebellion gegen Catherine, Konigin von Gramayre, erhob, und deshalb wegen Hochverrats vor dem Gericht der Krone steht.“
Der Herold rollte das Pergament wieder zusammen.
„Wer spricht zur Verteidigung des Rebellenfuhrers Anselm?“
Der alte Loguire erhob sich. Er verbeugte sich ernst vor Catherine. Sie dankte ihm mit einem erstaunten, wutenden Blick.
„Nichts kann zur Verteidigung eines Rebellen gesagt werden“, rief Loguire. „Doch wenn ein Mann sich hei?en Blutes erhebt, um sich fur das zu rachen, was er fur ehrenruhrige Beleidigung an seinem Vater und seinem Haus erachtet, kann viel gesagt werden, denn selbst wenn sein Vorgehen unuberlegt, ja sogar von Hochverrat gezeichnet gewesen sein mochte, war es doch von gekrankter Ehre und Liebe zum Vater geleitet. Da er nun das Ergebnis vorschnellen Handelns kennt, und ihn sein Herzog und Vater belehren wird, durfte es durchaus nicht unwahrscheinlich sein, da? er sich seiner Treue und seiner Pflichten gegenuber seiner Herrscherin wieder voll bewu?t wird.“
Catherine lachelte su?lich. „Ihr wollt also, Mylord, da? ich diesen Mann begnadige, der den Tod vieler Tausender auf sich geladen hat, und da? ich ihn zur Belehrung und Protektion in Eure Hande gebe, obgleich Ihr Euch diese Aufgabe — wie der heutige Tag nur zu gut beweist — schon einmal nicht gewachsen gezeigt habt!“
Lord Loguire zuckte zusammen, als hatte er einen Schlag ins Gesicht bekommen.
„Nein, Mylord!“ rief sie heftig. „Ihr habt bereits Rebellen gegen mich gro?gezogen und wollt es nun wieder tun!“
Loguires Gesicht verhartete sich, wahrend Tuan mit vor Grimm gerotetem Gesicht aufsprang.
Von oben herab wandte sie sich an ihn. „Hat der Lord der Bettler auch etwas zu sagen?“
Tuan kampfte mit knirschenden Zahnen um seine Fassung.
Dann verbeugte er sich. „Meine Konigin, Vater und Sohn haben heute tapfer fur Euch gekampft. Habt die Gnade, uns schon deshalb das Leben unseres Sohnes und Bruders zu schenken.“
Catherines Gesicht wurde noch blasser, und ihre Augen verengten sich.
„Ich danke meinem Vater und Bruder“, sagte Anselm mit klarer, ruhiger Stimme.
„Still!“ schrie Catherine schrill. „Verraterrischer, schurkischer, dreimal verha?ter Hund!“
Die Augen der Loguires funkelten, doch sie hielten die Lippen zusammengepre?t.
Keuchend umklammerte Catherine die Armlehnen ihres Thrones. „Ihr werdet erst reden, wenn ich es Euch befehle. Bis dahin habt Ihr Euren Mund zu halten!“
„Das werde ich nicht! Ihr konnt mir gar nicht noch mehr anhaben, denn Ihr, niedertrachtige Konigin, habt beschlossen, da? ich sterben mu?, und nichts wird Euren einmal gefa?ten Entschlu? andern. So totet mich doch und bringt es hinter Euch!“
„Das Urteil kommt aus seinem eigenen Mund“, sagte Catherine spottisch. „Es ist das Gesetz des Landes, da? ein des Hochverrats Schuldiger sterben mu?.“
„Das Gesetz des Landes bestimmt die Konigin“, brummte Brom. „Wenn sie einem Rebellen das Leben schenkt, ist es ihr Recht!“
Sie drehte sich zu ihm um. „Was, auch Ihr verratet mich? Steht kein einziger meiner Generale an meiner Seite?“
„Genug!“ donnerte Rod, der plotzlich neben ihr stand und auf sie hinabschaute. „Kein einziger Eurer Generale wird Euch jetzt unterstutzen. Sollte Euch das nicht vielleicht auf den
Gedanken bringen, da? Ihr im Unrecht seid? Aber nein, nein, doch nicht die Konigin! Weshalb haltet Ihr uberhaupt noch Gericht? Ihr habt doch bereits beschlossen, da? er sterben mu?!“ Er spuckte vor ihr aus.
„Auch Ihr?“ stohnte sie. „Auch Ihr wollt einen Verrater verteidigen, der den Tod von dreitausend Mannern verursacht hat!“
„Ihr tragt die Schuld am Tod der dreitausend!“ brullte Rod.
„Ein edler Mann niedriger Geburt liegt tot auf dem Feld, seine rechte Seite ist weggerissen, und die Mause nagen an ihm. Und warum? Um ein eigensinniges Balg zu verteidigen, das auf dem Thron sitzt und nicht das Leben eines Bettlers wert ist. Ein Balg, das eine so schlechte Konigin ist, da? es eine Rebellion heraufbeschwor!“
Catherine duckte sich auf ihrem Thron und druckte sich gegen die Ruckenlehne. Zitternd rief sie: „Seid still! War vielleicht ich es, die rebellierte?“
„Wer gab denn den Edlen mit zu hastigen Reformen und zu hochnasigen Manieren Grund, sich aufzulehnen? Die Ursache ist es, Catherine. Ohne sie gibt es keine Rebellion! Und wer anders als die Konigin hat diese Ursache gegeben?“
„Seid still! Still!“ Sie druckte die Hand auf den Mund, als wollte sie verhindern, laut hinauszuschreien. „So durft Ihr mit einer Konigin nicht reden!“
Rod schaute voll Verachtung auf die sich immer noch vor ihm duckende Konigin. Er wendete sich zu Gekab um. „Mir dreht sich der Magen um! Gewahrt ihnen Pardon. Viel zu viele mu?ten heute sterben. La?t sie leben. Sie werden der Krone treu sein, ohne ihre Ratgeber, die sie aufhetzten. La?t sie alle leben! Sie haben ihre Lektion gelernt, auch wenn man das von Euch nicht behaupten kann!“
„Ihr geht zu weit!“ keuchte Catherine.
„Ja, das tut Ihr!“ Tuan sprang auf und legte die Hand um den Schwertgriff. „Die Konigin gab den Anla?, das stimmt, aber sie
hat die Gefallenen nicht getotet!“
