Maschine. Die Wut der Verzweiflung leuchtete aus ihren Augen. Toms Trupp umzingelte sie und warf sich auf sie.
Die gluhenden Schwerter der Vogelscheuchenmannchen waren todlich, aber sie mu?ten ihr Ziel genau treffen, um etwas auszurichten. Die Bettler waren gut darin, schnell zuzuschlagen und zuruckzuspringen. Au?erdem waren sie in vierfacher Uberzahl.
In der Mitte des Kreises sah Rod eine einsame Gestalt, die immer noch an der Maschine arbeitete — Durer! Als nur noch funf seiner Genossen ubrig waren, zog er mit einem Verzweiflungsschrei etwas aus seinem Gurtelbeutel. Eine Laserpistole!
Rod sprang aus dem Sattel, mit dem Eisenpferd als Deckung zwischen sich und den restlichen Ratgebern, und offnete hastig ein verborgenes Fach in der Seite des Metallrappen, wo seine Waffe fur alle Eventualitaten aufbewahrt war: die neueste Laserpistole des DDT. Um Gekabs Hals herum scho? er damit auf den Oberratgeber, streifte ihn jedoch nur am Bein. Durer umklammerte sein Knie und sturzte heulend zu Boden.
Tom brullte, und nun schlugen seine Bettler die letzten der Vogelscheuchen mit ihren Eichenknuppeln nieder. Mit einem Triumphschrei hob Tom das gluhende Schwert eines der Gefallenen auf.
Durer rollte sich auf das gute Knie und scho?. Der bleistiftdunne Strahl traf Tom in die Schulter. Der Riese drehte sich und fiel. Halb kriechend, halb springend naherte Durer sich ihm, um in bessere Schu?position zu kommen.
Rod zielte mit seiner Laserpistole auf den Ratgeber, verfehlte ihn jedoch knapp. Aufheulend suchte Durer hinter einem Gefallenen Deckung.
„Schnell!“ befahl Rod Gekab. „Ehe er noch einmal anlegen kann.“
Das Pferd sprang. Der Laserstrahl traf es in den Bauch — in den leeren Stahlbauch, wo es keinen Schaden anrichten konnte.
Aber der Roboter erstarrte mitten in der Luft und lie? den Kopf zwischen die Beine hangen. Hastig sprang Rod aus dem Sattel und schlug gleichzeitig mit Gekab auf dem Boden auf.
Rod rollte sich herum und sah Durer die Pistole auf ihn anlegen. Da warf Tom sich auf den Ratgeber. Beide sturzten zu Boden. Durers Pistole flog weit durch die Luft, aber auch Rod hatte seine beim Absprung verloren. Verzweifelt sah er sich nach ihr um.
Durer rollte sich zur Seite. Tom kam taumelnd auf die Beine.
Er torkelte Durer nach und griff nach dem Schwert eines der gefallenen Ratgeber — dabei stolperte er uber eine Leiche.
Flink wie eine Katze war Durer hoch, packte das Schwert und hieb es herab…
Rod sprang. Seine Schulter traf Durer in den Bauch und warf ihn herum. Das Schwert landete, ohne Scha den anzurichten, im Gras. Durer stutzte sich darauf und blieb dadurch auf den Fu?en. Und schnell schwang er es wieder.
Rod rollte auf die Knie. Er sah das Schwert auf sich herabsausen.
Tom brullte und stie? Rod zur Seite. Die gluhende Klinge traf den Riesen. Sie trennte seine Schulter und ein Drittel seines Brustkorbs ab.
Rod heulte vor Wut auf. Sein Arm schwang um Durers Hals und gleichzeitig druckte er ein Knie in seinen Nacken. Etwas knackte.
Durer schrillte. Das Schwert entglitt seinen Fingern. Rod druckte ihn zu Boden. Immer noch schreiend tastete der Ratgeber nach dem Schwert.
Rod lie? sich auf ein Knie fallen und holte zu einem Handkantenschlag aus. Mit zerbrochenem Genick blieb Durer reglos liegen.
Heftig keuchend drehte Rod sich um. Er sah Toms schmerzverzerrtes Gesicht und das heraussprudelnde Blut. Rod bi? die Zahne zusammen und tastete verzweifelt zwischen den Leichen herum. Als er seine Laserpistole gefunden hatte, druckte er ab und trennte noch etwa einen Zentimeter entlang Toms Wunde ab. Der Riese brullte.
Die Bettler wollten sich mit Keulen und Schwertern auf Rod sturzen, aber ein krachzendes „Zuruck!“ Toms verbot es ihnen. „Ihr Narren!“ achzte er. „Sehr ihr denn nicht? Er hat das Blut gestoppt!“
Trotzdem hatte Rod schon einiges abbekommen und seine kaum verheilte Schulterwunde war neu aufgebrochen. Stohnend lie? er sich auf ein Knie neben dem schwerverletzten Riesen nieder. Der Gestank nach versengtem Fleisch drehte ihm fast den Magen um.
Tom versuchte zu grinsen. „War — gut — gemeint, Herr. Zwei — Minuten — fruher — und — es hatte — mich — gerettet.“ Rod ri? sich den Umhang vom Rucken, knullte ihn zusammen und schob ihn unter Toms Kopf. „Ruh dich aus!“ wurgte er. „Du bist ein gesunder, kraftiger Bursche, du wirst schon wieder werden. So viel Blut hast du nicht verloren.“ „Zu viel — und — die Wunde — zu gro?…“ Die schier unertraglichen Schmerzen lie?en den Riesen verstummen. Rod schleppte sich zu Gekab, schlug auf den Sicherungsschalter und fummelte in einem der verborgenen Facher nach einer Ampulle. Dann humpelte er zu Tom zuruck und stie? sie ihm in das verbrannte Fleisch.
Tom entspannte sich mit einem gewaltigen Seufzer, als das Anasthetikum zu wirken begann. „Meinen Dank, Meister“, murmelte er schwach. „Ihr habt mir zumindest einen schmerzlosen Tod geschenkt.“
„So darfst du nicht reden!“ tadelte Rod ihn mit erstarrter Miene. „Du wirst dich noch viele Male mit einer schonen Dirn im Heu walzen.“
„Nein, Herr.“ Tom schuttelte den Kopf und schlo? die Lider. „Meine Zeit ist abgelaufen.“ „Du wirst jetzt nicht sterben. Tatest du es, bliebe ich in deiner Schuld, und das widerstrebt mir.“
„Den Teufel, ob es Euch widerstrebt oder nicht!“ schnaubte Tom fast wieder der Alte. „Ich bin jetzt in den Handen eines Machtigeren als Ihr, der eines Tages auch Euch rufen wird.“
Sein Kopf sank auf Rods zusammengerollten Umhang herab, und er keuchte heftig.
Rod kniete sich stumm neben ihn. Toms ihm verbliebene Hand tastete sich uber seinen Bauch zu Rods Arm. „Ja, jetzt steht Ihr in meiner Schuld, obgleich das nicht in meinem Sinn war.“
„Nicht in deinem Sinn? Was sprichst du da? Du hast mir das Leben gerettet!“
„Ja, und dadurch mein eigenes verloren. Aber mit klarem Kopf hatte ich nie so gehandelt.“
„Klarem Kopf?“
„Ja. In der Schlacht sieht und tut man, was einem zuerst bewu?t wird. Es wart entweder Ihr oder der Rest meines Lebens im Dienst des Hauses Clovis, und in der Hitze des Gefechts zog ich in meiner Dummheit Euch vor!“ Schwer atmend schwieg er eine Weile, dann verkrampfte sich seine Hand um Rods Arm. „Doch da ich sterbe, steht Ihr in meiner Schuld! Und was Ihr mir nicht mehr bezahlen konnt, mu?t Ihr an meinem Volk gutmachen.“
Rod versuchte seinen Arm zuruckzuziehen. „Nein!“
„Doch!“ Toms Augen funkelten wild. „Nur so konnt Ihr Eure Schuld begleichen. Euer Leben fur meines! Ihr mu?t Euer Leben hier auf Gramayre verbringen, um Gutes fur mein Volk zu tun!“
„Ich bin nicht mein eigener Herr!“
„Ihr seid es sehr wohl. Und wenn Ihr es nicht wi?t, seid Ihr wahrlich ein Narr!“
„Der Preis ist zu hoch, Tom. In der Schlacht zu sterben, dagegen habe ich nichts, aber den Rest meines Lebens hierzubleiben, das kann ich nicht. Auch ich diene, um einen Traum zu verwirklichen…“
„Ich hatte ebenfalls die Wahl zwischen dem Traum oder dem Menschen. Gut, dann wahlt, was Ihr fur richtig haltet.“
„Ich habe eine Verpflichtung…“
„Genau wie ich, und so wird meine auf Euch ubergehen und Euch von der anderen befreien. Ihr mu?t jetzt mir und den Meinen dienen…“ Der Blick des Sterbenden verschleierte sich.
„Ich hatte geglaubt, ich wu?te, was das Beste fur sie sei — doch jetzt wird alles dunkel um mich…“
Er ruckte plotzlich hoch. Husten schuttelte ihn und er spuckte Blut. Rod stutzte ihn. Als der Anfall voruber war, wurgte der Riese. „Euer Geist — ist klarer — Ihr mu?t — entscheiden…“
„Sei still.“ Rod versuchte ihn wieder auf den Umhang zu legen.
„Verschwende nicht das bi?chen Leben, das noch in dir ist…“
„Nein!“ Tom umklammerte erneut Rods Arm. „La?t mich sprechen. Espers — Tribunal — sie werden es schaffen. Wir -
kampfen — hier — gegen sie…“
„Spar deine Kraft. Ich wei?, was du sagen willst.“
