gepunktete Linien eingetragen waren. Dann erschien wieder das ursprungliche Bild.

„… es gibt keine Hinweise auf ein Leck, aus dem gasformige oder flussige Bestandteile der Schiffsatmosphare entweichen. Bis jetzt konnte ich auch noch keine Einstiegsmoglichkeit ins Schiff entdecken. Es gibt keine Luftschleusen, weder zum Verladen von Gutern noch fur die Besatzung, auch keine Markierungen, die meistens in Verbindung mit Ein- und Ausstiegsoffnungen, Inspektions- und Wartungsklappen oder Luken zum Auffullen der Verbrauchsartikel stehen. Es sind uberhaupt keine Markierungen, Kennzeichen, Hinweis- oder Warnsymbole zu erkennen.

Soweit wir feststellen konnten, hat das Schiff eine Oberflache aus blankem, poliertem Metall, dessen Farbe nur deshalb nicht einheitlich ist, weil an gewissen Stellen verschiedene Legierungen verwendet wurden.“

„Keine Farben oder Kennzeichen“, sagte Naydrad und schob sich naher an den Bildschirm heran. „Sollten wir nach all den Jahren tatsachlich eine Spezies entdeckt haben, die nicht eitel ist?“

„Das ist wahrscheinlich eine Frage der Sehorgane dieser Spezies“, fugte Prilicla hinzu. „Vielleicht sind diese Wesen ganz einfach farbenblind.“

„Das hat wohl eher einen aerodynamischen als einen physiologischen Grund“, warf Fletcher ein.

„Wenn die Besatzung eines anscheinend vollig unbeschadigten Schiffs eine Notsignalbake aussetzt, wird der Grund dafur aller Wahrscheinlichkeit nach im medizinischen Bereich liegen“, gab Conway zu bedenken. „Und egal, wie dieser Grund im einzelnen aussehen mag, der Zustand der Schiffsinsassen ist bestimmt bedenklich. Wir mussen sofort auf dieses Schiff, Captain.“

„Der Meinung bin ich auch“, entgegnete Fletcher. „Lieutenant Dodds bleibt im Kontrollraum. Haslam und Chen begleiten mich zum Schiff.

Wegen der gro?eren Luftreserven schlage ich vor, die schweren Anzuge anzuziehen. Unser primares Ziel ist es, einen Weg ins Schiffsinnere ausfindig zu machen, und das konnte einige Zeit dauern. Wie sind Ihre Plane, Doktor?“

„Pathologin Murchison bleibt hier“, antwortete Conway. „Naydrad wird Ihrem Vorschlag gema? einen schweren Anzug tragen und sich drau?en vor der Luftschleuse mit der Drucktrage bereithalten. Prilicla und ich selbst begleiten Sie zum Schiff. Aber ich sollte besser einen leichten Anzug mit zusatzlichen Sauerstoffflaschen anziehen. Der hat namlich dunnere Handschuhe — vielleicht mu? ich ja Verletzte behandeln.“

„Ich verstehe. Wir treffen uns in funfzehn Minuten an der Schleuse“, entgegnete Fletcher.

Die Gesprache der Gruppe, die vorhatte, das Alienschiff zu untersuchen, sollten auf das Unfalldeck ubertragen und im Kontrollraum von Dodds mitgeschnitten werden, der auch die raumliche Darstellung des Schiffs nach jedem Neueingang von Daten auf den aktuellen Stand bringen wurde. Aber als sich das Untersuchungsteam in der Schleuse der Rhabwar befand und gerade mit Hilfe der Anzugdusen zum Alienschiff hinuberfliegen wollte, druckte Fletcher seinen Helm an den von Conway und gab damit den Wunsch nach einem nicht uber Anzugfrequenz belauschten Gesprach zu verstehen.

„Ich hab noch mal uber die Anzahl der Teammitglieder bei diesem ersten Betreten und vorlaufigen Untersuchen des Schiffs nachgedacht“, erklarte der Captain, wobei seine Stimme durch das Material der beiden Helme gedampft und etwas verzerrt klang. „Bei dieser Sache ist ein gewisses Ma? an Vorsicht angebracht. Das Schiff scheint unbeschadigt und funktionstuchtig zu sein. Meinem Eindruck nach befindet sich eher die Besatzung als das Schiff in desolatem Zustand. Au?erdem haben die Insassen moglicherweise keine gesundheitlichen, sondern psychologische Probleme und sind in geistig gestorter Verfassung und nicht mehr bei klarem Verstand. Womoglich sind die so verwirrt, da? sie heftig reagieren und vielleicht sogar einen Sprung in den Hyperraum durchfuhren, wenn zu viele seltsame Wesen auf ihrem Schiffsrumpf herumkraxeln.“

Jetzt leidet er auch noch an der Wahnvorstellung, ein Xenopsychologe zu sein! dachte Conway und entgegnete: „Da ist sicherlich etwas dran, Captain. Aber Prilicla und ich werden nicht herumkraxeln, sondern uns vielmehr vorsichtig umsehen und keinen einzigen Fund beruhren, ohne Ihnen zuvor Bericht erstattet zu haben.“

Sie begannen mit der Untersuchung der Unterseite des scheibenformigen Schiffs. Jedenfalls handelte es sich nach Fletchers fester Uberzeugung um die Unterseite, denn rings um den Teilkreisdurchmesser des Zentrums befanden sich dicht hintereinander vier Offnungen, und wegen der sie umgebenden Hitzeverfarbung und leichten Korrosionsschaden hegte er keinen Zweifel, da? es sich bei diesen Lochern um die Mundungen von Antriebsdusen handelte. Nach Lage und Richtung der Triebwerke verlief die Flugrichtung des Schiffs ganz deutlich entlang der Vertikalachse, obwohl es der Captain auch fur denkbar hielt, da? das Schiff zum aerodynamischen Manovrieren mit der Kante voran in eine Atmosphare eintreten konnte.

Neben den verbrannten Stellen an den Dusenoffnungen befand sich in der Mitte der Unterseite eine gro?e, runde Stelle aus rauhem Metall, die sich fast bis zu einem Viertel des Schiffsradius' erstreckte. Daruber hinaus gab es zahlreiche andere rauhe Stellen unterschiedlicher Formen und Gro?en, die uber die Unterseite und am Rand entlang verstreut waren und fast alle nur wenige Zentimeter Durchmesser hatten. Diese rauhen Stellen verwunderten Fletcher au?erordentlich, denn sie waren wirklich rauh — sie schurften seine Handschuhe auf und stellten fur jeden, der nur einen leichten Raumanzug trug, eine ernsthafte Gefahr dar. Was ihn aber am meisten verwirrte, war, da? der Rest des Schiffs so aussah, als sei es Stuck fur Stuck von Uhrmachern zusammengesetzt worden.

Es gab drei rauhe Stellen, die mit den drei Ausbuchtungen am Schiffsrand ubereinstimmten, die hochstwahrscheinlich als Gehause fur die Hyperantriebsgeneratoren dienten.

Als die Mitglieder des Rettungsteams die Schiffsoberseite in Augenschein nahmen, entdeckten sie weitere kleine Verunstaltungen, die leicht uber die sie umgebende Oberflache vorstanden und die eine Art Materialfehler in der Metallverkleidung zu sein schienen. Fletcher sagte, sie erinnerten ihn an Korrosionsschaden, wenn man davon absehen wurde, da? es zwischen diesen ›Roststellen‹ und dem unangegriffenen Metall keinen farblichen Unterschied gab.

Nirgendwo waren Anzeichen fur den Einsatz von transparenten Materialien bei der Schiffskonstruktion zu sehen. Die Funkantennen oder Sensorfuhler waren nicht ausgefahren — folglich hatte man sie vermutlich vor dem Aussetzen der Notsignalbake eingeholt und unter einigen der unglaublich gut schlie?enden Luken oder Klappen des Schiffs versteckt.

Von diesen Luken konnte man namlich nur ein paar erkennen, und das auch nur wegen des leichten Farbunterschieds zwischen Metalldeckel und Au?enhaut. Nachdem sie sich auf der Suche beinahe zwei Stunden lang die Augen aus dem Kopf geguckt hatten, gab es noch immer keinen Anhaltspunkt, da? irgend etwas einem au?eren Offnungsmechanismus fur eine dieser Luken auch nur ansatzweise geahnelt hatte. Das Schiff war und blieb fest verschlossen, und Fletcher konnte nicht einmal schatzen, wie lange es dauern wurde, eine Einstiegsmoglichkeit zu finden.

„Das hier sollte eigentlich ein Rettungsversuch und keine langfristige wissenschaftliche Untersuchung werden“, sagte Conway verzweifelt.

„Konnen wir nicht irgendwie mit Gewalt reinkommen?“

„Nur wenn alle Stricke rei?en“, entgegnete Fletcher. „Wir sollten es nicht riskieren, die Insassen auf diese Weise womoglich zu beleidigen, bevor wir uns uber die Hoffnungslosigkeit ihres Zustands nicht ganz sicher sind. Wir sollten uns jetzt bei der Suche nach einer Einla?schleuse mehr auf den Rand konzentrieren. Schlie?lich liegt es bei der flachen, scheibenartigen Schiffsform und der beim Flug nach vorn gewandten Oberseite nahe, da? die Besatzung irgendwo am Rand an Bord geht. Unter der Schiffsoberseite mu?ten sich der Kontrollraum und die Kabinen befinden, da bin ich mir ganz sicher — und hoffentlich auch die Uberlebenden.“

„Gut“, erwiderte Conway. „Prilicla, Sie begeben sich auf die Oberseite und konzentrieren sich allein auf emotionale Ausstrahlungen aus dem Schiffsinnern, wahrend wir am Rand weitersuchen. Also, auf ein neues!“

Die Minuten flogen dahin, doch niemand meldete etwas anderes als negative Ergebnisse. Voller Ungeduld flog Conway mit seinen Anzugdusen um den Rand des Schiffs herum, bis er nur ein paar Meter von Priliclas Position auf der Oberseite entfernt schwebte. Aus einem Impuls heraus aktivierte er die Fu?- und Handgelenkmagneten. Nachdem sie ihn sanft auf den Rumpf gezogen hatten, hob er einen Fu? und trat damit dreimal fest gegen die Metallhaut.

Sofort kam uber die Frequenz des Anzugfunks nur noch ein einziges Pfeifen, weil alle Teammitglieder gleichzeitig melden wollten, da? ihre tragbaren Sensoren Gerausche und Schwingungen registriert hatten.

Conway wartete, bis wieder Ruhe eingekehrt war.

„Tut mir aufrichtig leid, ich hatte Ihnen vorher Bescheid sagen sollen“, sagte er mit nur scheinbarem Bedauern. Hatte er namlich vorher Bescheid gegeben, ware eine endlose Diskussion mit dem Captain entstanden,

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