Elsie ist am Freitag zu Ihnen gefahren. Haben nichts von ihr gehort. Ist sie angekommen? Bitte um Antwort.
Elsie nicht hier. Verstehe nicht. Habe ihr Sonntag geschrieben.
KAPITEL 10
Constable Beck keuchte auf seinem schweren Fahrrad die Blackness Road hinunter und wunschte wieder einmal, er ware dunner. Als er die Wesley Geflugelfarm erreichte und den morastigen Hof sah, lie? er sein Fahrrad stehen und machte sich zu Fu? auf die Suche nach Norman Thorne.
Er fand ihn in einem der Huhnerstalle. »Mr. Thorne?
»Richtig.« Norman wischte sich die Hand an der Hose ab, bevor er sie dem anderen zum Gru? bot. »Entschuldigen Sie den Matsch. Der Regen hat den Boden aufgeweicht. Was gibt's denn?«
Der Polizist gab ihm die Hand. »Ich komme wegen Miss Elsie Cameron, Sir. Soviel ich wei?, sind Sie mit ihr verlobt.«
»Das stimmt, ja. Hat sie einen Unfall gehabt oder so etwas?«
»Das versuchen wir gerade festzustellen. Ihr Vater hat sie gestern als vermisst gemeldet. Er sagte, sie habe London vor einer Woche verlassen und wollte hierherkommen.«
Norman schuttelte den Kopf. »Hier ist sie nicht. Sie wollte eigentlich am Samstag kommen — aber das tat sie nicht. Ich habe gleich am nachsten Tag geschrieben und gefragt, was los ist, aber sie hat nicht geantwortet. Ich habe nur ein Telegramm von ihrem Vater bekommen.«
»Wurde es Ihnen etwas ausmachen, mir zu erzahlen, was Sie am letzten Freitag getan haben, Mr. Thorne?«
»Keineswegs.« Norman wies zu seiner Hutte. »Darf ich Ihnen eine Tasse Tee anbieten? Drinnen ist es warmer. Ich kann Ihnen eine Fotografie von Elsie geben, wenn das eine Hilfe ist. Ich bin ziemlich beunruhigt, wissen Sie.«
Aber nicht so beunruhigt, dass es ihn selbst zur Polizei getrieben hatte, dachte Constable Beck brummig, wahrend er vorsichtig durch den Morast stieg. Er sah sich das Bild von Elsie an, und Norman setzte das Teewasser auf.
»Mr. Cameron hat ausgesagt, dass sie am Freitagnachmittag aus dem Haus gegangen ist«, bemerkte er und zog sein Heft heraus. »Wurden Sie mir sagen, was Sie von der Mittagszeit an getan haben?«
Norman hatte ein erstaunlich gutes Gedachtnis. Er erinnerte sich sehr genau daran, was er am Freitag, dem 5. Dezember, getan hatte. Kurz nach dem Mittagessen war er nach Tunbridge Wells geradelt, um Schuhe zu kaufen. Nach seiner Ruckkehr gegen vier Uhr hatte er die Huhner gefuttert und bei Mr. und Mrs. Cosham Milch geholt.
»Danach habe ich Tee gekocht und mich kurz hingelegt«, sagte er. »Ich war am Ende. Die Fahrt nach Tunbridge Wells und wieder zuruck macht einen fertig.«
»Aber Miss Cameron ist nicht gekommen?«
»Nein. Etwas spater bin ich noch einmal ausgegangen — das wird so um Viertel vor zehn gewesen sein. Ich hatte zwei Damen meiner Bekanntschaft versprochen, sie vom Bahnhof abzuholen und nach Hause zu begleiten. Mrs. Coldicott und ihre Tochter. Sie waren den Tag uber in Brighton gewesen und kamen mit dem Zehn-Uhr-Zug zuruck.«
»Adresse?«
Norman gab sie ihm. »Ich bin noch ungefahr eine Viertelstunde bei ihnen geblieben und war dann um halb zwolf wieder hier. Elsie war nicht hier… aber ich habe sie auch erst am Samstag erwartet.«
»Woher kennen Sie die Coldicotts?«
»Mrs. Coldicott kauft ab und zu ein Huhn bei mir.«
»Was haben Sie am Samstag getan, Mr. Thorne?«
»Erst habe ich die Huhner gefuttert und getrankt, danach bin ich zum Bahnhof gefahren, um Elsie abzuholen. Sie hatte mir geschrieben, dass sie mit dem Zug um Viertel nach zehn ankommen wurde. Ich habe eine Stunde gewartet, dann habe ich den Zug nach Tunbridge Wells genommen.«
»Kam das haufiger vor?«
»Was?«
»Dass sie Sie versetzt hat?«
Norman starrte ihn einen Moment an. »So habe ich das gar nicht gesehen. Ich habe angenommen, sie hatte aus irgendeinem Grund zu Hause bleiben mussen. Meinen Sie, ob ich besorgt war?«
»Wenn Sie so wollen.«
»Weshalb hatte ich mir Sorgen machen sollen?«
Constable Beck zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Was haben Sie am Samstag in Tunbridge Wells getan?«
»Nichts Besonderes. Ich bin ein bisschen herumgelaufen, dann bin ich wieder nach Hause gefahren. Am Bahnhof habe ich nach Elsie gefragt, fur den Fall, dass sie mit einem spateren Zug gekommen war, aber niemand hatte sie gesehen. Auf dem Heimweg habe ich noch bei den Coshams vorbeigeschaut, um Milch mitzunehmen, und habe gefragt, ob sie ein Zimmer bei ihnen bestellt hatte. Hatte sie aber nicht.«
»Dort hat sie gewohnlich ubernachtet?«
Norman nickte. »Die Coshams hatten fur Samstagabend ein Fest geplant. Da wollte ich eigentlich mit Elsie hingehen.«
»Und — sind Sie trotzdem gegangen?«
»Nein. Sie haben es abgesagt, weil nicht genug Leute kommen konnten.«
Der Polizist machte sich eine Notiz. »Was haben Sie stattdessen getan?«
»Ich bin zu den Coldicotts gefahren. Im Kino lief ein Film, den ich gern sehen wollte. Ich habe Miss Coldicott gefragt, ob sie Lust hatte, mitzukommen.«
Constable Beck sah sich noch einmal die Fotografie von Elsie an. »Wie alt ist Miss Coldicott?«
»Zwanzig.«
»Sind Sie enger mit ihr befreundet, Mr. Thorne?«
»Nein. Sie geht nur gern ins Kino.«
»Und Sie sagen, dass Sie Miss Cameron am nachsten Tag geschrieben und gefragt haben, was passiert sei?«
»Ganz recht.«
»Haben Sie den Brief noch, in dem sie angekundigt hatte, dass sie am Samstag kommen wurde?«
»Wir haben das nicht per Brief ausgemacht. Sie war am Wochenende vorher hier. Da haben wir Tag und Zeit vereinbart.«
Constable Beck nahm den Henkelbecher entgegen, den Norman ihm reichte. »Haben Sie eine Vermutung, was ihr zugesto?en sein konnte?«
Wieder schuttelte Norman den Kopf. »Ich habe allerdings uberlegt, ob sie im Zug eingenickt und dann in
